Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Griff nach dem Pokal

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2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe “Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft” auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Zum Abschluss greifen wir nach dem Pokal und stellen den Ex-Saarbrücker vor, der es tatsächlich gepackt hat, WM-Legende zu werden.

Der letzte Spieler, der im Dress des 1. FC Saarbrücken für die deutsche Nationalelf zu einer Weltmeisterschaft berufen werden sollte, war – wie in der vergangenen Folge beschrieben – Heinz Vollmar. Es sollten goldene Jahre für den DFB Ende der 1970er folgen, aus dem überraschenden Weltmeister von 1954 sollte eine ernstzunehmende Fußball-Nation werden. 1974 folgte beim Turnier im eigenen Land der zweite Titel im Finale gegen die Niederlande. Ein kleiner Makel liegt vielleicht darin, dass nicht die Mannschaft mit dem schönsten Fußball, Cruyffs Holländer, sondern die eher für defensive Qualitäten bekannten Deutschen den Titel errangen.

Torschützenkönig in der Bundesliga, gemieden von Schön

Dieter Müller, gebürtiger Offenbacher, gilt im deutschen Fußball vor allem aufgrund seines Nachnamens als Thronfolger von Gerd Müller, der mit seinem Tor 1974 die Niederlande bezwang. Doch auch seine Treffsicherheit in der Bundesliga für den 1. FC Köln ließen Rufe nach dem zweiten Müller laut werden. Bereits 1975 erzielte er 24 Tore für den rheinischen „Eff-Zeh“ und lag knapp hinter Jupp Heynckes. Dennoch schien der ehemalige Saar-Auswahltrainer Helmut Schön, immerhin zweiter Bundestrainer mit WM-Titel, Müller zu meiden. Bei der Europameisterschaft 1976 in Jugoslawien lag der DFB gegen den Gastgeber in der 79. Minute mit 1:2 hinten. Schön wechselte Müller ein und der schoss sich mit drei Toren bei seinem Debüt (4:2 n. V.) in die Geschichtsbücher. Deutschland wurde am Ende Vizeweltmeister und Schön wollte sich mit einem guten Ergebnis verabschieden. Müller durfte als Torschützenkönig der Liga mit nach Argentinien fahren – obwohl Schön nicht gerne auf ihn zurückgriff – und erlebte dort trotz zweier Tore die Blamage von Córdoba (2:3 gegen Österreich).

Schöns Nachfolger Jupp Derwall berief Müller nicht mehr in die A-Nationalelf. Der Stürmer verlebte noch bei Köln, in Stuttgart in danach in Frankreich bei Girondins de Bordeaux erfolgreiche Jahre. Zweimal wurde er französischer Meister. Nach einem Intermezzo in der Schweiz kam 1985 der Wechsel zum 1. FC Saarbrücken – ein einziges Missverständnis. Der gerade in die Bundesliga aufgestiegene FCS stieg erneut ab, Müller wurde den Erwartungen nie gerecht. 23 Spiele und nur vier Tore erzielte der 31-Jährige, dem nachgesagt wurde, außer Form zu sein. Nach einem Jahr, das beide Seiten gerne vergessen möchten, ging Müller zurück in seine Heimat Offenbach, wo er später Präsident wurde.

Der Förster-Zwilling

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Seine einzige Weltmeisterschaft erlebte Bernd Förster 1982 in Spanien. Seine Karriere begann in der Jugend des SV Waldhof Mannheim. 1974 kam er nach nur wenigen Einsätzen in der 2. Liga zu einem Angebot von Bayern München – das er auch annahm. Zunächst war er im Starensemble, das zwischen 1974 und 1976 dreimal den Europapokal der Landesmeister gewann, nur Reservist. 1976 kam dann ein Leihgeschäft zustande – mehrere Bayernspieler gingen zum Aufsteiger Saarbrücken. Unter ihnen auch Förster. In zwei Jahren beim FCS gehörte er zum Stammpersonal, erlebte den 6:1-Sieg über seinen Ex-Verein Bayern, musste aber auch den Abstieg 1978 hinnehmen. Danach ging er nicht wieder zum Münchner Verein, sondern schlug beim VfB Stuttgart auf. Dort traf er auf seinen Bruder Karlheinz – beide sollten im Verein und in der Nationalmannschaft zu einem der populärsten Brüderpaare werden.

1982 bildeten die Försters das deutsche Abwehrduo in der Mannschaft von Jupp Derwall. Denkwürdigster Abend wurde das Halbfinale, die Schlacht von Sevilla gegen Frankreich. Im harten Schlagabtausch beider „Erbfeinde“ sah Bernd Förster als einziger Deutscher eine Gelbe Karte – kurz bevor „Toni“ Schuhmacher mit einem platzverweiswürdigen Sprung den französischen Stürmer Patrick Battiston schwer verletzte. Deutschland kam in einem dramatischen Spiel ins Finale und unterlag dort Italien um Torhüterlegende Dino Zoff. Förster beendete seine Karriere 1986, bei der WM in Mexiko war er nicht mehr dabei.

Zweimal gescheitert: Felix Magath

Auch Felix Magath war erstmals 1982 mit dem Adler auf der Brust bei einer Weltmeisterschaft dabei. Absehbar war das große Talent des gebürtigen Aschaffenburgers bereits 1974, als er zum zweitklassigen 1. FC Saarbrücken wechselte. Der Linksfuß war im Mittelfeld der Blau-Schwarzen gesetzt, bildete zusammen mit dem heutigen Elversberger Mäzen Frank Holzer die Kreativabteilung des Vereins. Nach zwei erfolgreichen Jahren ging er kurz nach dem Aufstieg in die Bundesliga zum Hamburger SV – ein aus heutiger Sicht vermeidbarer Wechsel, der aus einer Konkurrenz zwischen Vorstand und Trainer Slobodan Cendic resultierte.

Kein Jahr später war Magath bereits A-Nationalspieler. Nach der Europameisterschaft 1980 durfte er dann auch 1982 am großen Sommerturnier teilnehmen. In der Vorrunde gegen Algerien, Chile und Österreich war Magath gesetzt in der Startelf – allerdings enttäuschte Derwalls Elf mit schwachen Auftritten. Der Trainer baute in der Zwischenrunde etwas um und vertraute auf Paul Breitner als Spielmacher der DFB-Elf – zum Ärger von Magath, der nur noch im Halbfinale gegen Frankreich von Beginn an auf dem Platz stand. Enttäuscht darüber, nicht erste Wahl zu sein, beendete Magath nach dem Turnier seine Karriere im DFB-Dress.

Erst zwei Jahre später kehrte Magath zurück – Derwall musste nach einer katastrophalen Europameisterschaft 1984 den Platz für Franz Beckenbauer räumen. Dieser überredete den HSV-Akteur, zurückzukehren. 1986 in Mexiko erlebte „Quälix“ vor dem Karriereende als Spieler seine zweite und letzte WM, bei der er es erneut ins Endspiel schaffte und dieses Mal an Argentinien um Diego Maradona scheiterte. Neben ihm stand auf dem Platz schon damals einer, der noch den ganz großen Sprung schaffen sollte.

Start beim FCS, Idol beim FCK, Höhepunkte in Italien

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Lange war der HSV Barmbek-Uhlenhorst die dritte Kraft im Hamburger Fußball, nach dem HSV und dem aufstrebenden FC St. Pauli. Einer, der auch diesen Verein im Blickfeld hatte, war der ehemalige FCS-Spieler Magath. Und Ende der 1970er fiel ihm ein junges Talent ins Auge, für das er 1980 beim FCS werben sollte: Andreas Brehme. Mit 19 Jahren wechselte er zum saarländischen Zweitligisten und sollte in seiner einzigen Spielzeit in blau-schwarz für Staunen sorgen. In einer desolaten Saison war Brehme einer der wenigen Lichtblicke. Der FCS stieg knapp ab, war finanziell am Ende und musste Brehme am Ende an den 1. FC Kaiserslautern verkaufen.

In der Pfalz wurde Brehme Nationalspieler, erlebte 1986 in Mexiko sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft und spielte an der Seite von Magath und Lothar Matthäus im Mittelfeld. Mit seinem Tor im Halbfinale gegen Frankreich (2:0) trug er entscheidend zum Einzug ins Endspiel bei. In einem packenden Endspiel, das nach 55 Minuten für Argentinien entschieden schien, kam Deutschland zurück, verlor aber knapp mit 2:3. Chance auf eine Revanche sollte es vier Jahre später bei der Heim-WM für Brehme geben. Seit 1988 spielte er für Inter Mailand, wurde dort Meister und Fußballer des Jahres. Der defensive Beidfüßer spielte 1990 in Italien das Turnier seines Lebens, traf in den K.O.-Spielen gegen die Niederlande und England. Sein größter Moment kam kurz vor Abpfiff des Endspiels gegen Argentinien. In einer Defensiv-Schlacht stellte Guido Buchwald Diego Maradona kalt, Argentinien war dezimiert und angeschlagen. Ein fragwürdiger Pfiff nach einem Foul an Rudi Völler brachte Deutschland in die Position: Geht der Elfmeter rein, ist man Weltmeister. Der etatmäßige Schütze Matthäus war aufgrund neuer Schuhe unsicher, Brehme verwandelte flach in die linke Ecke: Zehn Jahre nach dem Abstiegsjahr in Saarbrücken war Brehme ganz oben.

Den Titel konnte Deutschland – wie bekannt ist – 1994 in den USA nicht verteidigen. Nach diesem Turnier war für Brehme die Karriere in der DFB-Auswahl vorbei, 1998 folgte der endgültige Abschied nach dem Meistertitel mit dem 1. FC Kaiserslautern unter Otto Rehhagel. Nach einigen Stationen als Trainer und Assistent in Kaiserslautern, Unterhaching und Stuttgart ist Brehme heute vor allem eines: Der letzte deutsche Torschütze in einem WM-Finale.

Wer wird der Nächste?

Das könnte sich heute – wieder einmal gegen Argentinien – ändern. Dann wäre höchstwahrscheinlich kein ehemaliger Saarbrücker der Torschütze, sondern vielleicht ein Miro Klose oder ein Thomas Müller. Aber zumindest im Kader wäre mit Erik Durm einer, der in seiner Jugend für den 1. FC Saarbrücken die Schuhe geschnürt hat. Vielleicht darf er am heutigen Abend nach dem gleichen Titel greifen, wie Andy Brehme 1990 in einer Nach in Rom.

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