Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Heinz Vollmar

Heinz Vollmar (Foto: unbekannt)

Heinz Vollmar (Foto: unbekannt)

2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe “Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft” auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Heute werfen wir einen Blick auf einen Saarländer, der den Sprung von der Saar-Auswahl in die Nationalelf schaffte.

Heinz Vollmars Karriere beginnt beim SV St. Ingbert. Es sind die Nachkriegsjahre, der deutsche Fußball steckt mitten in seiner Phase der Wiedergründung und das Saarland fühlt sich zwar deutsch, ist allerdings noch nicht Teil der Bundesrepublik. Der Fußball ist allerdings bereits in die Strukturen des Deutschen Fußball-Bundes integriert, nach dem gescheiterten Experiment des 1. FC Saarbrücken, in den französischen Verband aufgenommen zu werden. Der SV St. Ingbert hat bewegte Nachkriegsjahre bereits hinter sich, Spieler spalteten sich ab und gründeten Vereine wie den FC Viktoria St. Ingbert. Dennoch läuft es gut für den SV: 1954/1955 wird man Meister der Amateurliga Saarland und steigt in die II. Division Südwest auf – im damaligen Ligensystem ohne zentrale Bundesliga bedeutete das die Zweitklassigkeit. Maßgeblichen Anteil daran hat ein 19-Jähriger Stürmer: Heinz Vollmar.

Die Belohnung für den athletischen Nachwuchsmann kommt in Form einer Einladung zur Nationalelf – natürlich der saarländischen. Auswahltrainer Helmut Schön, der schon den SV St. Ingbert in der Aufstiegsrunde zur II. Division übernahm,  lädt Vollmar im Oktober 1955 zum Länderspiel gegen Frankreich B ein. Beim 7:5-Sieg vor 25.000 Zuschauern im Ludwigspark trifft Vollmar zum Debüt gleich dreimal ins Schwarze. Noch drei weitere Nominierungen sollte Vollmar erhalten, allerdings nur noch einmal treffen, im letzten Spiel des Saarlandes überhaupt (2:3-Niederlage gegen die Niederlande).

Aufstieg in die 1. Liga, Berufung in die Nationalelf

Auch in der neuen Liga sollte St. Ingbert überraschend stark auftreten. Nach zwei Jahren gelingt dank eines starken Vollmars und des nun zeitweilig als Spielertrainer auftretenden Ex-FCS-Stürmers Peter Momber in der Saison 1956/1957 der Aufstieg in die Oberliga Südwest. Heinz Vollmar sollte zu diesem Zeitpunkt sogar als Sportler einen noch größeren Sprung gemacht haben: 1956, nach der Eingliederung des SFB in den DFB, nahm ihn Bundestrainer Sepp Herberger zum Länderspiel nach Schweden (2:2) mit. Sein ehemaliger Trainer Helmut Schön konnte den Werdegang seines Ex-Schützlings Vollmar aus nächster Nähe miterleben – er wurde vom DFB als Assistent für Herberger übernommen.

In der Oberliga Südwest erlebte Heinz Vollmar allerdings einen Dämpfer – in doppelter Hinsicht. Er konnte nur 19 von 30 Spielen bestreiten (14 Tore), da ihn eine Tuberkulose zurückwarf. Vollmar war zur Zuschauerrolle verdammt und konnte nicht verhindern, dass sein Verein nach nur einem Jahr in der Erstklassigkeit über 100 Gegentreffer kassierte und als Tabellenletzter wieder abstieg. Zudem war das Thema Nationalmannschaft für Vollmar nun vorerst abgehakt.

Die FCS-Jahre

Die Rückkehr in die Oberliga sollte dem SV St. Ingbert nicht mehr gelingen – aber Heinz Vollmar, der 1959 beim 1. FC Saarbrücken unterschrieb. Der damals 23-Jährige wurde Teil der Offensive um Herbert Martin und Herbert Binkert – die beide allerdings schon in die Jahre gekommen waren. In der Oberliga Südwest konkurrierte der FCS ständig mit dem FK Pirmasens, Borussia Neunkirchen, dem 1. FC Kaiserslautern und anderen um die Meisterschaft – und damit die Berechtigung, an der Endrunde um die gesamtdeutsche Meisterschaft teilnehmen zu dürfen. 1960/1961 erlebte Vollmar eine seiner stärksten Spielzeiten und verhalf mit 19 Treffern dem FCS zum Einzug in die Endrunde. Dort konnte aber nur Borussia Dortmund mit 4:3 im Ludwigspark bezwungen werden, in der Tabelle wurde der FCS Letzter.

Reserve bei der WM 1962

Mit dem Wechsel nach Saarbrücken war Vollmar auch wieder in den Fokus von Bundestrainer Herberger gerückt. Anfang der 1960er setzte er die DFB-Karriere fort und kam des Öfteren zum Einsatz, traf insgesamt in drei Spielen (Zwölf Länderspiele). Der Höhepunkt sollte für Vollmar mit der Berufung in den Kader zur Weltmeisterschaft 1962 in Chile folgen. Mit der Nummer 20 reiste er als bis heute letzter aktiver FCS-Spieler für den DFB zu einem großen Turnier. Es sollte aber nur bei der Reise bleiben: Vollmar teilte das Schicksal mit Spielern wie Hans Tilkowski, Leo Wilden oder Heinz Strehl und musste die WM als Reservist ohne Einsatz verfolgen. Seinen letzten, inoffiziellen Auftritt mit dem Adler auf der Brust, hatte Vollmar bei einem 7:2-Sieg im Freundschaftsspiel gegen eine deutsch-amerikanische Fußballer-Auswahl.

Gründungssaison der Bundesliga

Zum letzten Highlight in Vollmars Karriere sollte die Spielzeit 1963/1964 werden. Der 1. FC Saarbrücken wurde Gründungsmitglied der neuen Bundesliga und Vollmar sollte als nun erfahrene Stammkraft im Sturm neben Spielern wie Dieter Krafczyk oder Erich Maas für Tore sorgen. Doch Vollmar erlebte – wie seine Kollegen – ein schwaches Jahr, schoss nur drei Tore und erlebte neben der ersten Bundesligasaison des FCS auch dessen ersten Abstieg aus eben dieser Liga mit. Im Folgejahr gelang ihm zwar noch einmal eine kleine Leistungssteigerung in der Regionalliga Südwest und dem FCS auch die Meisterschaft – aber in der Aufstiegsrunde scheiterte man an Bayern München. Vollmar, dessen Karriere sich mit 30 Jahren auf der Zielgeraden befand, verließ die Blau-Schwarzen und ging zurück zum SV St. Ingbert, wo er noch einige Jahre in der höchsten saarländischen Amateurklasse aktiv war. 1987 verstarb er unerwartet im Alter von nur 51 Jahren während des Joggens. Vollmar ist bis heute der letzte Spieler des FCS, der während seiner aktiven Zeit in die A-Nationalmannschaft des DFB berufen wurde.

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