Des Kaisers neue Kleider

fcsbvb01Als ich heute die Pressemitteilung des Vereins gesehen habe, die noch einmal kurz die gestrigen Gerüchte um die neue Organisationsstruktur im 1. FC Saarbrücken bestätigten, musste ich sofort an das großartige Märchen von Hans Christian Andersen denken. Statt des mehrfach angekündigten Sportdirektors wird nun einfach die Struktur ein wenig abgeändert und wir haben da: Stephan Kling, der schon in der vergangenen Saison als Teamkoordinator installiert wurde, erhält den neuen Titel „Sportkoordinator“ und soll nun „zentraler Ansprechpartner für den eigenen Nachwuchs sein“. Das mag vielleicht ehrenwert klingen, ist aber im Grunde ernüchternd. Denn es ist weit von dem enfernt, was Präsident Hartmut Ostermann noch vor wenigen Wochen angekündigt hatte.

„Egal, in welcher Liga wir spielen – und ich gehe fest davon aus, dass es die 3. Liga sein wird –, wir werden den Verein umbauen müssen.“ Nicht nur mit diesen Worten zitierte die Saarbrücker Zeitung Ostermann am 15. April 2014, sondern auch mit: „Davon sind alle Abteilungen betroffen. Wir werden alles auf den Prüfstand stellen.“ Dann ging die mediale Spekulation über einen neuen Sportdirektor los, Ostermann formulierte am 22. Mai ein klares Anforderungsprofil: „Es soll ein starker Sportdirektor modernen Zuschnitts werden, ein Fußball-Manager, der für den gesamten sportlichen Bereich die Verantwortung trägt.“ Zwischenzeitlich kursierten Namen wie Steffen Menze, Klaus Toppmöller, Markus Schupp – aber auch das Gerücht, dass der als Trainer beurlaubte Milan Sasic im Hintergrund die Fäden ziehe.

Neues Jugendkonzept, alte Personalie

Ganz anders lesen sich also die Töne, die Ostermann in der Pressemittelung anschlägt, die auf die Sportdirektoren-Suche die Antwort liefern soll: „In der Regionalliga ist es sinnvoller, in gute Spieler zu investieren als in Hierarchien, die wir erst später in höheren Ligen brauchen werden. Deshalb werden wir den Etat des FCS in dieser Übergangsphase zum Profifußball nicht durch die Stelle eines Sportdirektors belasten. Stephan Kling hat den klaren Auftrag, unsere neue Konzeption in die Praxis umzusetzen. Wir haben vollstes Vertrauen, dass er dies schafft  und dass er sich  nach und nach für weitere Aufgaben empfehlen kann.“ Soll heißen: Macht Kling seine Sache gut, wird er vielleicht auch in der Gehaltsstufe mal zum Sportdirektor aufsteigen – nach Aufstieg in den Profifußball, versteht sich.

Nun ist diese Geschichte doch nicht der klassische Fall wie im Märchen mit dem Guten und dem Bösen – die Kaderplanung von Fuat Kilic liest sich vom Papier her besser als Jürgen Lugingers Versuch, die Reservebänke der Drittligisten leerzukaufen oder Milan Sasics winterliches Frust-Shopping. Der Modus, in dem das Zweidrittelpräsidium Ostermann/Weller allerdings die Entscheidungen trifft, ist weiter der FCS, den wir schon zwischen 1998 und 2007 erlebt haben: Ein nachträgliches Korrigieren alter Ankündigungen, statt einer selbstkritischen Wahrnehmung des eigenen Handelns. Sowie Schweigen und Instransparenz bei unangenehmen Sachverhalten.

Kein starker Sportdirektor

Kling ist eben nicht für den gesamten sportlichen Bereich verantwortlich – sondern nur für die Jugend. Besonders stark ist seine Rolle ebenfalls nicht, denn letztlich kann er nur Jugendspieler an die erste Mannschaft heranführen – die aber unterliegt der Handhabe von Fuat Kilic. Insofern wurde nicht in Hierarchien investiert, sondern die bestehende ein klein wenig, aber nicht wirklich wesentlich, geändert. Dass alle Abteilungen auf den Prüfstand kommen sollten, scheint wenig glaubwürdig, wenn externe Personalien fehlen und der amtierende Teamkoordinator nur ein neues Jugendkonzept in die Hand gedrückt bekommt. Wer das für den notwendigen Umbau des Vereins hält, glaubt auch, dass Slobodan Cendic ein jugoslawischer Olympiasieger im Eiskunstlaufen war.

FCS unterstützt Gerüchteküche

Ein weiteres Beispiel für den Mangel an Glaubwürdigkeit des Präsidiums ist die Personalie Milan Sasic. Dessen Abgang wurde – fälschlicherweise – medial als Vertragsauflösung dargestellt. Der Vertrag lief aber weiter – so wie es bei Trainerbeurlaubungen üblich ist. Aus Vereinskreisen heißt es, dass sein Vertrag beim 1. FC Saarbrücken Ende Juni 2014 endete. Am 1. Juli 2014 saß Sasic dann auf der Tribüne des FC-Sportfelds zwischen Schatzmeister Dieter Weller und Marketing-Geschäftsführer Sebastian Pini. Wieso? Tja, wenn das die Leute wüssten, wären sie vielleicht weniger geneigt, dem Gerücht anheim zu fallen, Sasic sei im Hintergrund Kilics Einflüsterer. Anscheinend sieht das Präsidium in dieser Hinsicht aber keinen Handlungsbedarf für Aufklärung – und schwächt im Endeffekt damit Kilic und Kling.

Im Endeffekt ist jedes Urteil über Klings Arbeit müßig – seit Amtsantritt im Oktober hatte er kaum Gelegenheit, sich zu profilieren. Nun liegt der Ball in seinem Spielfeld und wenn er erfolgreich mit dem Profibereich zusammenarbeitet, kann er vielleicht seine eher verkorkste Vorstellung mit Ergebnissen vergessen machen. Wie sich der Verein und insbesondere Präsident Ostermann nach außen hin präsentieren, ist aber ganz im Sinne des Märchens von Andersen: Des Präsidents neuer Sportdirektor ist keiner.

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