Kilics Kicker

Fuat Kilic (Foto: 1. FC Saarbrücken/Schlichter)

Fuat Kilic (Foto: 1. FC Saarbrücken/Schlichter)

Die Regionalligasaison steht in den Startlöchern und während bei Konkurrenten teilweise noch der Transfermarkt blüht, hat der 1. FC Saarbrücken schon einen 22-köpfigen Kader. Für Kritik hat im Vorfeld gesorgt, dass Trainer Fuat Kilic seine Spieler ohne den angekündigten Sportdirektor verpflichten durfte. Ein Interview auf SR 3 Saarlandwelle sorgte zudem für Gerüchte, Fuat Kilics früherer Boss Milan Sasic ziehe als „Schattensportdirektor“ im Hintergrund die Fäden. Was dabei untergeht: Dass die Kaderzusammenstellung in der Form stimmig und in sich logisch wirkt.

Tor:

Das Torhüterteam ist neu. Der als Kapitän schwache und als Schlussmann starke Timo Ochs wollte nicht mit in die Regionalliga, Michael Müller hatte zum zweiten Mal Pech und konnte sich nicht als Nummer eins etablieren. Designierte Nummer eins ist David Hohs, der zuvor beim 1. FC Kaiserslautern zwei Jahre von der dortigen Torwartschule profitieren konnte. Seine Karriere begann er in Leverkusen, war schon in jungen Jahren Zweitligastammspieler bei Alemannia Aachen. Einziges Manko: Die fehlende Spielpraxis beim FCK. Hinter ihm sind der 23-jährige David Salfeld (kam aus Darmstadt) und der 17-jährige Julian Wamsbach, der gerade mit der A-Jugend in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Abwehr:

Als einziges bekanntes Gesicht bleibt auch Mounir Chaftar als Linksverteidiger dem FCS in der Abwehr erhalten. Seine Leistungen im Abstiegskampf waren eher wechselhaft als beständig, allerdings zeigte er als erster gelernter Linksverteidiger seit Jahren, dass er die Position durchaus beherrscht. Hinter ihm wartet mit Hassan Amin (Baujahr 1991) ein Linksfuß, der bei Bedarf auch offensiv eingesetzt werden kann. Designierter Abwehrchef ist der 29-jährige Slowake Peter Chrappan. Eine eher untypische Verpflichtung Kilics, da Chrappan in Westeuropa nur in Österreich Erfahrung sammelte, wo er den Sprung von der vierten in die Bundesliga packte. Er ist gelernter Stürmer, der zum Verteidiger umfunktioniert wurde und war zuletzt Stammspieler in der ersten slowakischen Liga. Ein Youtube-Video sorgt unter Fans derzeit für Skepsis, allerdings sind dies auch nur Spielereien von Beratern, Fans oder den Spielern selbst. Mit seiner Erfahrung könnte Chrappan zusammen mit Chaftar den eher jungen Rest der Abwehrspieler zusammenhalten und anführen.

Für die jungen Knipping und Ballas gibt es ebenfalls frischen Ersatz. Die besten Chancen auf einen Platz in der Innenverteidigung hat Alexander Hahn. Der 21-jährige war Stammspieler in der Regionalliga Nord (SV Meppen), hat zudem sechs Jahre in der Jugendabteilung von Werder Bremen gespielt und eine hohe Ausbildung genossen. Der 20-jährige Steffen Schäfer hat die Jugend des 1. FC Köln durchlaufen und kam in der Regionalliga West zuletzt sporadisch zum Einsatz. Auf der rechten Abwehrseite dürfte Timo Kunert gesetzt sein. Der 27-Jährige war in der Jugendabteilung des FC Schalke aktiv, spielte zuletzt für Lotte und Osnabrück, wo er zum Saisonende hin Stammspieler wurde. Sein Ersatzmann ist der 18-jährige Marco Meyerhöfer, der für Eintracht Frankfurt in der A-Jugend-Bundesliga gespielt hat.

Mittelfeld:

Nachdem das Mittelfeld in der vergangenen Saison das Problemkind des Vereins war, hat sich der FCS hier in allen Belangen verstärkt. Geblieben ist nur der talentierte, aber manchmal überforderte André Mandt. Mit Max Rupp ist zudem ein A-Junior mit Ambitionen auf die Startelf nach oben gerückt. Starneuzugang ist hier Patrick Zoundi. Der ehemalige Zweitligaprofi war in der vergangenen Saison Stammspieler für den MSV Duisburg und kann sowohl im rechten Mittelfeld, als auch hinter der Sturmspitze spielen. Ist der 31-Jährige noch robust genug für die Regionalliga, kann er den Unterschied im kreativen Zentrum machen. Der zweite Schlüsselspieler ist Jan Fießer. Der zentrale Mittelfeldspieler stieg mit dem SV Sandhausen in die 2. Bundesliga auf und war dort Stammspieler. In der letzten Saison scheiterte er allerdings aufgrund langer Ausfallzeiten in Bielefeld (neun Einsätze).

Im defensiven Mittelfeld gab es zudem gleich zwei Neue aus Baden Württemberg. Lukas Kiefer war nicht nur B-Jugendmeister des VfB Stuttgart und zeitweilig Kapitän der A-Jugend. Er gehörte auch zur Stammformation in der U23 des Vereins und spielte dort neben Rani Khedira (wechselt zu RB Leipzig) auf der Doppelsechs. Beim FCS könnte der 21-Jährige zu den eher unerwarteten Überraschungen zählen. Mit Christian Sauter kommt noch ein erfahrener Sechser zum FCS. Er kommt auch aus der Stuttgarter Jugend, war zuletzt drei Jahre beim Drittligameister Heidenheim. Im letzten Jahr kam er allerdings nur noch sporadisch zum Einsatz.

Auf den Flügeln vertraut Kilic wieder auf junges Personal. Der 23-jährige Dennis Wegner war beim VfL Osnabrück meist Joker, zuvor bei Werder Bremen II und dem Halleschen FC. Wie ein mit bekannter Journalist sagt, ist er ein „talentierter Regionalligakicker, der allerdings zum Größenwahn neigt.“ In der Saison 2012/2013 mit 13 Treffern in der Regionalliga Nord. Auch der Passauer Markus Willsch zählt mit 23 Jahren zu den Jungen, die es richten sollen. Er wurde in der Jugend des TSV 1860 München ausgebildet und war als rechter Mittelfeldspieler zuletzt in der Stammelf des Drittligisten Unterhaching – hatte allerdings auch mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Etwas aus der Reihe fällt der ebenfalls 23-jährige Deutsch-Bosnier Aleksandar Pranjes. Der Linksaußen kommt vom VfL Neustadt, konnte zuvor im Probetraining Fuat Kilic von sich überzeugen. Er spielte bislang trotz einer Ausbildung bei Mönchengladbach und Aachen nur in den oberen Amateurligen. Er gilt als schwieriges, aber großes Talent und dürfte unter Kilic wohl eher auf der Bank sitzen.

Sturm:

Im Sturm bietet der 1. FC Saarbrücken geballte Erfahrung auf. Von Konkurrent Elversberg rausgeworfen, darf der Ex-Paulianer und Ex-Augsburger Felix Luz nun in blau-schwarz ran. Auch er stammt aus der Stuttgarter Jugend, ist mit 32 Jahren ein Fußballveteran, aber immer noch für Tore gut. Für die SVE erzielte er in 29 Spielen elf Tore, ist zudem ein Spieler, der sehr stark in der Luft und in der Ballbehauptung ist. Allerdings hat er im Alter des Öfteren Probleme mit dem Knie gezeigt. Hier spielt die medizinische Abteilung des FCS – zuletzt ein großer Schwachpunkt innerhalb des Vereins – eine wichtige Rolle. Sein Sturmpartner ist Matthew Taylor – ebenfalls schon 32 Jahre alt. Der US-Amerikaner hat kaum Ausfallzeiten und war auch in der vergangenen Saison Stammspieler bei Preußen Münster (sechs Tore).

Spannend wird die Frage sein, ob Fuat Kilic es mit Patrick Schmidt auf dessen Lieblingsposition im Sturmzentrum versuchen wird oder ob der gebürtige Saarländer eher wie in der Rückrunde mit der von ihm nicht immer geliebten Position auf dem Flügel Vorlieb nehmen muss. Dennoch könnte er in den Sturmplänen eine Rolle spielen, denn auch Kilic weiß um das Können des bei Schalke und Stuttgart ausgebildeten Offensivspielers.

Gesamteindruck:

Kilics Kaderzusammenstellung wirkt  insgesamt runder als Jürgen Lugingers Fehlgriffe. Luginger, der leider heute noch irrt, wenn er glaubt, dass ihm die Auswahl gelungen sei, nahm Spieler unter Vertrag, die bei ihren Vereinen längst nicht mehr zum unumstrittenen Stamm gehörten. Thomas Rathgeber war schon in Offenbach eher Reservist, Nils Fischers Abgang löste bei Osnabrücker Fans eher Erleichterung aus. Fuat Kilic setzt eher auf Leute, die auch in der vergangenen Saison bei ihren Vereinen zu Stammkräften gehören, also in der Vorbereitung leichter auf Wettkampfniveau kommen können. Viel hängt allerdings davon ab, ob Jan Fießer und David Hohs, als die beiden wichtigsten Transfers ohne nennenswerte Spielpraxis in letzter Zeit, einschlagen.

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