Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Der erste deutsche Topstürmer

Edmund Conen (Foto: DFB)

Edmund Conen (Foto: DFB)

2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe “Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft” auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Dieses Mal geht es um den Vorgänger von Gerd Müller und Miroslav Klose in der DFB-Elf.

Am 11. November 1914 wird in Ürzig an der Mosel, zwischen Koblenz und Trier gelegen, Edmund Conen geboren. Der Sohn eines Schneiders beginnt seine Fußballerlaufbahn beim örtlichen Verein im Alter von zehn Jahren, wechselt 1928 dann in die Jugendabteilung des FV Saarbrücken, dem Vorgängerverein des 1. FC Saarbrücken. In der Jugend erarbeitet sich Conen, Spitzname „Rolly“ einen Ruf als hervorragender und schneller Stürmer. Beim FVS ist ab 1928 Toni Unseld, ehemaliger Spieler der damals schon traditionsreichen Stuttgarter Kickers, Trainer an der Saar. Er entdeckt Conen und befördert ihn schon als 16-Jährigen in die Herrenmannschaft. Ab 1931 geht „Rolly“ auf Torejagd in Saarbrücken. Ein Gewinn für den Verein, der schon 1932 einen großen Verlust hinnehmen muss: Trainer Unseld stirbt an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung.

Senkrechtstart in der Nationalelf

Im Januar 1934 gibt der 19-jährige Conen sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft im Testspiel gegen Ungarn. In der 80. Minute trifft der Debütant per Flugkopfball zum 3:1-Endstand, es ist überliefert, dass Auswahltrainer Otto Nerz alles andere als begeistert vom Neuling war. Verletzungen zwangen Nerz aber dazu, Conen für die Weltmeisterschaft 1934 in Italien zu nominieren. Die erste WM-Teilnahme für Deutschland. Aber auch eine Weltmeisterschaft, die mitten im Auflösungsprozess des DFB stattfinden sollte. Die Nationalsozialisten schalteten nach ihrer Machtergreifung 1933 alle Bereiche des öffentlichen Lebens gleich, was auch den Fußball betraf. Der Hitlergruß wurde verpflichtend für alle Sportler, Juden und Kommunisten aus Gremien und Vereinen verbannt und ab 1936 wurde der DFB schrittweise aufgelöst (siehe dazu mehr).

Beim Turnier in Italien stellte der Saarbrücker Stürmer gleich eine Bestmarke auf, die noch Jahrzehnte Bestand haben sollte. Gleich im ersten Spiel gegen Belgien traf er dreimal zwischen der 66. und 85. Spielminute (Endstand: 5:2). Erst 2002 sollte Miroslav Klose – ebenfalls bei seiner ersten Weltmeisterschaft – gegen Saudi-Arabien drei Treffer beim 8:0-Vorrundensieg der DFB-Elf gelingen. Im Turnier 1934 kam die starke DFB-Elf bis ins Halbfinale, in dem man der Tschechoslowakei unterlag. Im Spiel um den dritten Platz steuerte Conen sein viertes Turniertor bei. Conen gewann den Goldenen Schuh als bester Torschütze des Turniers – zusammen mit Oldřich Nejedlý (Tschechoslowakei) und Angelo Schiavio (Italien). 2006 erkannte die FIFA posthum dem Italiener und dem Deutschen den Titel ab, da ein Tor nachträglich Nejedlý gutgeschrieben wurde – er ist heute alleiniger Torschützenkönig.

Absturz und Comeback

Conen hatte nach der Weltmeisterschaft seinen Platz in der Nerz-Truppe gefestigt und kam regelmäßig zum Einsatz. Im Januar 1935 gelang ihm gegen die Schweiz sein zweiter Hattrick im DFB-Dress, im August macht er in seinem 13. Länderspiel den dritten Dreierpack. Doch hinter dem sportlichen Erfolg steht ein menschenscheuer 21-Jähriger, der an einer Angststörung leidet. Ende 1935 scheint die Fußballerkarriere – so unvermittelt sie begann – schon wieder zu Ende. Conen verpasst so die Blamage bei der Weltmeisterschaft 1938, als eine von völkischer Propaganda vereinnahmte Elf aus deutschen Amateuren und österreichischen Profis im Pariser Prinzenpark gegen die Schweiz in der ersten Runde ausscheidet.

Das Comeback findet Anfang 1939 statt, als sich Conen davon überzeugen lässt, für die Stuttgarter Kickers, den Heimatverein seines Entdeckers Unseld, aufzulaufen. Es ist eines der wenigen Beispiele für eine gelungene Rückkehr: Der Stürmer wirkt, als sei er nie weg gewesen, findet zu alter Treffsicherheit zurück und kehrt im Sommer 1939 in die deutsche Nationalmannschaft zurück. Während des zweiten Weltkrieges sollte ihm noch in zwei Spielen das Künststück gelingen, jeweils vier Treffer zu landen: 1940 gegen Finnland und Bulgarien. Conens letzter Einsatz fand 1942 gegen Ungarn statt. Zusammen mit dem damals 22-jährigen Kaiserslautrer Fritz Walter gelingt es Conen das Spiel zu Gunsten der deutschen Elf zu drehen (5:3).

Fritz Walter in Saarbrücken

1943 machte sich der FV Saarbrücken kurzzeitig Hoffnung auf eine Rückkehr des einstigen Starspielers. Der Verein stand gegen den Dresdener SC im Finale um die Deutsche Meisterschaft und im Kicker machten unglaubliche Gerüchte die Runde: Ed Conen stünde davor, zum FVS für das Finale zurückzukehren. Und auch Fritz Walter, damals während des Krieges in Saarbrücken stationiert, könnte sich dem Verein anschließen. Tatsächlich bekam Conen – damals an der Front stationiert – keinen Heimaturlaub und sendete nur eine Postkarte. Und auch das FCK-Idol Walter musste nie die Schuhe für Saarbrücken schnüren. Dresden gewann am Ende das Endspiel mit 3:0.

Fast jedes Spiel ein Treffer

Conen blieb, von kurzzeitigen Gastspielen während des Krieges abgesehen, bis 1950 in Stuttgart. Er beendete seine Karriere 1952 als Spielertrainer bei den Young Fellows in Zürich. Anschließend wurde er Trainer bei Eintracht Braunschweig, dem Wuppertaler SV und Bayer Leverkusen. In Opladen setzte er sich zur Ruhe, wo er noch im Eisenbahnausbesserungswerk arbeitete. 1974 erhielt er für seine Arbeit im Jugendfußball das Bundesverdienstkreuz. Im Alter von 75 Jahren verstarb Conen 1990, knapp einen Monat vor dem Italiener Schiavo, der wie er seinen großen Auftritt bei der WM 1934 hatte. Conen ist bis heute mit 27 Toren in 28 Spielen einer der besten Stürmer aller Zeiten der DFB-Elf.

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