Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Acimovic

Jovan Aćimović

Jovan Aćimović

2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe “Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft” auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Dieses Mal geht es um einen berühmten „Standfußballer“.

Wer die Namen der letzten Ausgabe der kleinen Reihe zur WM-Historie der FCS-Spieler in eine Reihe stellt, dem fällt auf: Mustapha Hadji, Hany Ramzy oder Moustapha Salifou waren gewiss keine schlechten Spieler. Aber meist kam der Wechsel nach Saarbrücken zu einem Zeitpunkt, als die eigentliche Karriere schon längst den Knick nach unten bekommen hatte. Die Gründe waren meist unterschiedlicher Art, aber mag sich vielleicht das Urteil durchsetzen, dass WM-Spieler in Saarbrücken nichts taugen? Auch andere sind in Saarbrücken gescheitert – aber dadurch noch lange keine Antifußballer.

Jugoslawen im deutschen Fußball

Jovan Acimovic wurde 1948 im damals jugoslawischen Belgrad (heute in Serbien gelegen) geboren. Seine Karriere startete er in den 1960ern bei OFK Belgrad, dem Verein, bei dem auch Dragoslav Stepanovic oder Petar Radenkovic aktiv sein sollten. Die 60er waren für den bundesdeutschen Fußball Neuland – die Professionalisierung des Fußballbetriebs brachte die Bundesliga mit sich und auch die ersten „Gastarbeiter“ im nun gut bezahlten Sport. So schrieb der Spiegel am 15.12.1965: „In Bundesdeutschland spielen die meisten jugoslawischen Gastarbeiter. Vom 1. April 1963 bis zum 31. März 1964 meldeten sich 47 Kicker aus Titos Reich bei Klubs des Deutschen Fußball -Bundes (DFB) an, 1964/65 waren es im gleichen Zeitraum schon 134 Spieler. Bei Klubs der höchsten deutschen Spielklasse, der Bundesliga, sind zur Zeit sechs Jugoslawen verpflichtet…

Acimovic wechselte 1965 zwar den Verein, aber nicht die Stadt. Roter Stern Belgrad, die beste Adresse des Landes, verpflichtete den Mittelfeldspieler. Elf Jahre sollte er dort bleiben und mit 237 Einsätzen (44 Tore) noch heute an achter Stelle der Spieler mit den meisten Einsätzen für den Verein stehen. Er gewann bis 1973 fünfmal die jugoslawische Meisterschaft und war 1974 Stammspieler unter Miljan Miljanic in der Nationalmannschaft. Beim Turnier in Deutschland erlebte Acimovic auf dem Platz WM-Geschichte mit: Das 9:0 gegen Zaire blieb bis 1982 der höchste WM-Sieg der Geschichte. Die starken Jugoslawen kamen nach einem Unentschieden gegen Brasilien und Schottland in die Zwischenrunde. Gegen Schweden, starke Polen und den späteren Weltmeister Deutschland gab es dort dann drei Niederlagen.

Vom Nationalmannschaftskapitän zum Saarbrücker Star

Nach der WM ging Trainer Miljanic zu Real Madrid, für Acimovic – nun sogar Kapitän der Jugoslawen – sollte 1976 der große Wurf kommen: Die Europameisterschaft im eigenen Land, die möglichst mit einem Titelgewinn enden sollte. Im Halbfinale führte Jugoslawien schon nach einer halben Stunde gegen die Weltmeister aus Deutschland. Doch in der Verlängerung drehte die deutsche Mannschaft das Spiel, Jugoslawien blieb nur ein enttäuschender vierter Platz.

Nach der EM wechselte Acimovic nach Saarbrücken, die gerade in die Bundesliga aufgestiegen waren und ihren Spielmacher Felix Magath im Streit um die Personalplanung von Slobodan Cendic nach Hamburg abgegeben hatten. Acimovic war ein Zugeständnis an Cendic, aber auch tatsächlich ein Weltstar im Saarbrücker Ensemble. Dieses rutschte aber zunächst auf die unteren Ränge: Acimovic war zwar am Ball ein großer Zauberer, etwa beim 6:1-Sieg über Bayern München, aber wie Willfried Burr in einem Rückblick von 2003 in der Saarbrücker Zeitung schrieb „mit der Lauflust aber auf Kriegsfuß, mit der Leistungsbereitschaft oft auch, und sehr verletzungsanfällig.“ Er verließ den FCS nach zwei Jahren und kehrte nach Jugoslawien zurück.

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