Ein Traum von der Vereinskultur

20140613-110241-39761061.jpgSchwierige Zeiten beim FCS. Gestern drehte sich alles um die Fragen, ob der Verein – speziell die Jugend – eine Zukunft hat und ob Daniel Hager mit seinem Rückzug im Recht ist oder nicht. Auf die zweite Frage war meine Antwort: Hager enttäuscht, weil er ohne Not mögliche Einflussoptionen aufgibt und sein Angebot zur Rückkehr unglaubwürdig wirkt. Ähnlich war die Replik von Hartmut Ostermann, nur dass der eben ganz vorhersehbar trotzig – wie Ostermann halt schon immer war – polterte, die Jugend nicht fallen zu lassen. Geschenkt. Und auch Daniel Hager wird – mit der Menschenkenntnis eines Wirtschaftslenkers – diese Reaktion erwartet haben. In der Konsequenz wurde mir angekreidet, zu hart zu Hager zu sein und den Applaus von Victor’s-Jüngern hinzunehmen. Doch das ist zu kurz gedacht.

Mein Traum
Deswegen will ich einfach mal den Hager spielen und träumen. Nicht von einem erfolgreichen FCS auf nationaler Ebene, sondern noch utopischer von einem Verein 1. FC Saarbrücken e. V. mit einer Vereinskultur, die den Namen auch verdient. Manch einer wird sich an mein Essay aus dem letzten Jahr erinnern und leider muss ich sagen: Hängen geblieben ist wenig. Es wurde ein wenig in den Gremien was verändert, Strukturen wurden leicht aufgebrochen, aber sowohl Präsidium, als auch Mitgliederbasis haben sich in den Schutz der alten Verhaltensmuster zurückgezogen: Gegenseitiges Misstrauen, permanente, aber nicht nachhaltige Kritik von unten, unreflektierter und bestimmender Führungsstil von oben.
Wenn ich mit unten anfange, wird der Ruf natürlich direkt laut: Ja was können denn die einfachen Mitglieder? Sind die jetzt schuld? Natürlich nicht an der aktuellen Misere, aber an einer gesunden Vereinskultur muss letztlich jedes einzelne Mitglied mitwirken. Der erste Schritt dazu heißt: Akzeptanz. Gegenseitige Akzeptanz im Verein heißt: Ich muss akzeptieren können, dass ich meinen Verein immer mit anderen teile. Vereint, wie es so schön heißt, mit anderen. Für das Wohl der Sache muss ich auch meine persönliche Differenzen mit anderen zurückstellen können. Sonst entsteht Lähmung. Ich darf nicht bei jeder Entscheidung meine Vereinsmitgliedschaft als Ganzes in Frage stellen. Das ist falsch. Ich muss aber auch im Zweifel Emotionen auch akzeptieren lernen. Wer sich nicht mehr ärgern dürfen will, verlangt zu Großes. Dafür ist Fußball schon immer zu sehr vom spontanen Gefühl geprägt gewesen.

Präsidenten sind überparteilich und Ostermann ist es nicht
Dann aber zum Präsidium und dem Punkt, der mein ganz großes Problem mit Hartmut Ostermann darstellt. Im Grunde hat er mich nämlich nach dieser denkwürdigen Mitgliederversammlung im November 2013 schwer enttäuscht. Ich erinnere mich, dass an diesem Abend selbst größte und langjährige Gegner Ostermanns mit Bewunderung von der Leitung des Abends sprachen. Ostermann war für einen kurzen Moment überparteilich. Er verteidigte das Recht der freien Rede auch für Kritiker, moderierte zwischen Streitenden und war wirklich einen Abend lang der Präsident. Seither ist er leider wieder überwiegend der frühere Ostermann: Nicht Präsident, sondern der Vertreter des Hauptsponsors mit dem Befugnis, den Verein zu führen. Die Satzung gibt ihm das Recht, die Geschicke der Profimannschaft zu bestimmen. Und da keine andere Entscheidungsregel in der Satzung steht, reicht das Wort von Ostermann und das von Schatzmeister Dieter Weller aus: Einer, beziehungsweise zwei Männer, die den Verein führen. Und die leider nicht präsidial sind, sondern die Logik „Hartmut bezahlt, Hartmut bestimmt“ denken. Dass Hartmut mit Milan Sasic ziemlich ins Klo gegriffen hat, ist dann halt so.

Ein Ende der Arroganz
Aus der Sicht von Ostermann ist dann die Kritik unverständlich, auch weil Ostermanns fehlende Überparteilichkeit seinen Blick verstellt. Er ist der Self-Made-Man, einer der letzten Vereinsbosse vom alten Schlag. Aber seine Ergebnisse waren vor der Amtsabgabe 2007 schlecht und 2014 scheint er nicht gelernt zu haben: Ein Termin mit der Presse war „Chefsache“, also wurde der Aufsichtsrat nicht groß informiert. Die Satzung mag dies – nach Ostermanngünstiger Auslegung – stützen. Es war aber naiv, denn Ostermann müsste doch im November 2013 gemerkt haben, wie verändert die Bedürfnisse im Verein sind: Statt Alleingänge abwägen. Reinhard Klimmt mag mit dem Bedürfnis, selbst die Mannschaft mit Harald Ebertz zu gestalten, keine gute Basis hinterlassen haben, dass hier die Vereinskultur besser wird. Aber es war schlicht arrogant von Ostermann, weiter im Zweifel die Konfrontation mit der „Klimmt-Clique“ zu suchen und selbst zu entscheiden. Es war nicht präsidial und wenn Ostermann endlich wirklich ein Präsident sein will, muss er die Arroganz beenden. Auch Ostermann muss lernen, dass ein Verein keine Firma ist und er sich den Verein mit anderen teilt.

Es besteht Redebedarf
Wer es bis hierhin geschafft hat und immer noch mitliest, wird sich sagen: Ja, Dein Traum ist NOCH utopischer als der von Hager. Will ich Hager damit eins auswischen? Will ich Applaus von der Seite, die mich gestern in Ostermann-Nähe gerückt hat? Falsch, ist mir im Grunde egal. Ich will unabhängig sein. Ich will, dass die Vereinsmitglieder unabhängig sind. Ich will, dass die Vereinsmitglieder sich gegenseitig akzeptieren. Ich will sagen dürfen, wenn ich einen Rücktritt erbärmlich finde. Der FCS soll Platz haben für Ostermann, Hager und Arnold und nicht nur für einen oder zwei von diesen Herren – egal in welcher Ämterkonstellation. Wer ein Mandat hat, sollte sich dem Verein und nicht allein seinem Privatinteresse verpflichtet fühlen. Und da offensichtlich der Bedarf zum „miteinander reden“ besteht, muss das nicht über die Presse kommen. Sondern auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Sommer. Die braucht es für den Verein.

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Eine Antwort zu Ein Traum von der Vereinskultur

  1. electro schreibt:

    Sehr gut Carsten. Und diese „Diskussion“ ist wichtiger als Hagers Rücktritt, dernur ein Nebenschauplatz war. Aber leider seh ich da nix was deine Vision stützen könnte. Das ist nicht Ostermanns Sache. Und deshalb wollen viele keiner Vereinigung dieser Art angehören oder diese Verhaltensweise unterstützen. Das wirft einzu schlechtes Licht. Egal ob auf Sponsoren oder Leute die sich einbringen wollen: Sie müssen sich die Frage stellen lassen warum sie sowas mitmachen. Und das will ein Sponsor nicht, der will von einem postiven Image partizipieren.

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