Kommentar: Rücktritt auf Raten

Harald Ebertz als Spieler

Harald Ebertz als Spieler

Harald Ebertz geht. Der ehemalige Torwart und Jugendtrainer, der 2007 das Amt des Vizepräsidenten übernahm, ist nun auch auf dem Papier nicht mehr länger Teil des Präsidiums. Wer sich etwas näher im Umfeld des Vereins bewegt, wird sagen: Das war er eh schon lange nicht mehr. Als Hartmut Ostermann erst im vergangenen Herbst seinen Favoriten für das Traineramt durchsetzte, war Ebertz bereits öffentlich demontiert, da er während der Suche nach einem Nachfolger für Jürgen Luginger im Urlaub weilte. Ostermanns Rückkehr als Präsident schnitt Ebertz, früher als Vizepräsident „für den sportlichen Bereich zuständig“, vollkommen von der Macht ab.

Verantwortung

Ebertz ist vor allem an mangelndem Verantwortungsbewusstsein gescheitert. So lange es unter Trainer Dieter Ferner sportlich erfolgreich lief, ließ Ebertz sich öffentlich mit dem damaligen Aufsichtsratschef Reinhard Klimmt und mit Ferner für eine kluge und strategische Arbeit im sportlichen Bereich feiern. Die Botschaft: Seht her, wozu brauchen wir denn einen Sportdirektor? Der Harry macht das schon. Der große Fehler von Klimmt und Ebertz war es, in Zeiten des Misserfolges eben sämtliche Verantwortung von sich zu weisen, um sich gegen Kritik immun zu machen. Klimmt kostete das ein Amt, Ebertz am Ende den tatsächlichen Einfluss.

Ende der Schlammschlachten?

Nun also der Rücktritt, der für manche zumindest zu einem überraschenden Zeitpunkt kommt. Er wirft die Frage auf, ob es einfach eine verspätete, aber doch konsequente Handlung ist oder ob nun der neue Sportdirektor feststeht. Klar ist aber, dass der Rücktritt auf Raten ganz ungewollt zur Zerreißprobe für den Verein werden könnte. Die Kritik an Ostermanns Amtsführung ist nach dem Abstieg laut, viele befürchten, dass nun auf dem Stuhl des Vizepräsidenten im Schnellverfahren ein Vertrauter Ostermanns rücken könnte. Das mag für die Handlungsfähigkeit des Präsidiums nicht die schlechteste Wahl sein, allerdings darf auch Ostermann jetzt nicht aus den Augen verlieren, dass nach dem Abstieg nicht nur schneller, sportlicher Erfolg zählt. Sondern auch einen vernünftige, nicht auf persönlicher Sympathie beruhende Besetzung der Gremien und ein Ende der Schlammschlachten.

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