Kommentar: Erbärmlich, Herr Hager!

Daniel Hager (Foto: Merl)

Daniel Hager (Foto: Merl)

Lieber Daniel Hager,

eigentlich hätte ich mir gewünscht, diesen Offenen Brief gar nicht schreiben zu müssen. Es hätte alles so schön sein können, so wie Sie in Ihrer Rede auf der Mitgliederversammlung im November 2013 es für uns alle geträumt haben. Der Traum vom regional verankerten Ausbildungsverein, der auf eine starke Jugend setzt. Der Traum von der Rückkehr in den großen Fußball, solide geplant und fürsorglich vorbereitet. Ihr Traum war für viele mitreißend, Ihr Wahlergebnis von 88% der Stimmen zeigte: Sie sind der Mann, der beim FCS noch für Einigkeit sorgen kann.

Nun ziehen Sie sich zurück, als Sponsor und Vizechef des Aufsichtsrats, kurz nachdem Harald Ebertz – mit dem Sie gut können – als Vizepräsident hingeschmissen hat. Ich vermag vielleicht nicht darüber urteilen, wie berechtigt Ihre Gründe sind. Vielleicht wurden Sie von anderen Präsidiumsmitgliedern ausgebremst, vielleicht hat die Sasic-Zeit ihrem Engagement Rückschläge zugesetzt. Aber sollte ein Wirtschaftslenker von Format deswegen den Hut nehmen?

Oder anders gefragt: Halten Sie es für stilvoll – immerhin sind Sie als Förderer der Jugend öffentlich aufgetreten – kurz vor den wichtigen Aufstiegsspielen der U17 und der U19 aus dem Sponsoring-Vertrag aussteigen zu wollen? Können Sie sich vorstellen, was dort die Nachricht auslösen wird? Das mag vielleicht ihr Bedürfnis befriedigen, es internen Gegnern zu zeigen. Aber es ist ein ziemlich fieser Arschtritt für diejenigen, die Ihnen am Dankbarsten waren.

Ihr Rücktritt ist nicht die von Vernunft geprägte Abkehr eines klugen Wirtschaftsbosses von einem Chaosklub. Es ist die selbstgerechte Reaktion eines scheinbaren Idealisten, der die Frage aufwirft, wie sehr es ihm um den Verein ging. Während man derzeit ihren Kollegen im Aufsichtsrat von Mitgliederseite nicht eingehaltene Versprechungen vorwirft, entpuppen Sie sich als der größte Versprechens-Brecher von allen. Ihr Traum war damit nicht mehr als ein rhetorischer Kniff, um sich selbst die Wiederwahl zu sichern – angesichts der Stimmenmehrheit hätten Sie das nicht einmal nötig gehabt.

Es mag Leute geben, die Sie in den kommenden Tagen verteidigen werden, die in Ihnen einen Märtyrer des Vereins sehen, der mit seiner Flucht vor der Verantwortung dem System Ostermann gezeigt hat, dass es in die Abhängigkeit mündet. Das mag sogar stimmen, aber ein Held werden Sie dadurch für mich nicht. Sondern schlicht die größte Enttäuschung der letzten Jahre.

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10 Antworten zu Kommentar: Erbärmlich, Herr Hager!

  1. deSchulse schreibt:

    Au point!

    • Gast schreibt:

      Aber sicher nicht- ich finde, dass Hager hier genau die Grenzen gesetzt hat, die er als Sponsor setzen kann!
      Hager wollte und will die Jugend im Verein Sponsoren und unterstützen- und die Clique um Ostermann hat dies ad absurdum mit fragwürdigen Entscheidungen geführt.
      Deshalb kann ich die Entscheidung absolut nachvollziehen! Ostermann hat vergessen, dass Hager ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, dem der FCS und insbesondere die Jugend am Herz liegt!

      Chapeau Herr Hager – dieser Saustall FCS muss endlich mal ausgemistet werden und da ist dieser Schritt auch eine Art Warnschuss.

  2. Stolle schreibt:

    Die letzten Monate haben Hager wohl gezeigt, dass es keine Chance gibt, dass Ostermannsystem von innen zu kippen. Daher logische Konsequenz sich als Unternehmer zurückzuziehen und als Fan zu hoffen, dass sein Rücktritt Druck von außen erzeugt, der vlt. zur Abdankung von Ostermann als Präsident UND Sponsor führt.
    Was ist daran so schwer zu verstehen?
    Wie wäre es mal mit einem Blog-Eintrag „Danken Sie ab, Herr Ostermann!“?

    • Carsten schreibt:

      „Daher logische Konsequenz sich als Unternehmer zurückzuziehen und als Fan zu hoffen, dass sein Rücktritt Druck von außen erzeugt, der vlt. zur Abdankung von Ostermann als Präsident UND Sponsor führt.“

      War ja schon bei Marquardt erfolgreich, diese Vorgehensweise.

      • Gast schreibt:

        Das sind alte Kamellen,

        Ich war auch bis gestern der Überzeugung, dass es ohne Ostermann nicht geht! Aber heute bin ich sicher, dass es mit Ostermann noch weniger geht!.
        Ostermann installiert seine Klüngelfreunde um sich herum und serviert jeden ab, der ihm zu nahe kommt! Und Hager war ihm nahe gekommen! Arnold wird auch noch dran glauben!
        Und am Ende der Strasse steht dann kein Haus am See- sondern evtl. Sasic und der Abstieg!

      • Carsten schreibt:

        Und was ist jetzt „weniger als nicht gehen“? Das würde ich gerne mal wissen.

      • Stolle schreibt:

        Wir könnten jetzt ewig diskutieren, aber um es auf den Punkt zu bringen: Ich finde Deine Stellungnahme für Deine Verhältnisse einfach erbärmlich (um bei der Überschrift des Artikels zu bleiben). Hatte nach allem was ich von Dir gelesen habe eigentlich mehr Weitsicht, Vernunft oder wie auch immer man das nennen möchte erwartet.

      • Carsten schreibt:

        Mit dem Unterschied, dass ich halt nicht zurück getreten bin und das versuche, als Mittel zu verkaufen, um Druck auf Ostermann auszuüben. Ich bin nur ein enttäuschter Wähler von Hager und verstehe nicht wirklich, was daran erbärmlich sein soll, dass ich den Denkfehler Hagers benenne.

  3. electro schreibt:

    Carsten, unrecht hast du ja nicht, aber ich finde es etwas eindimensional und du hinterfragst in meinen Augen zu wenig warum er diesen Traum, seine Vision bzgl des FCS hinwirft.

    Er deutet einiges an, bennent klare Fehler und da muss man eher mal hinterfragen. Und er lässt die Tür sogar noch einen Spalt offen. Ostermann hat die mit seiner Reaktion allerdings laut zugeschlagen.

    Mir macht das mehr Angst als das ich mich über Hager aufrege.

    • Carsten schreibt:

      In meinem Augen ist der grundsätzliche Fehler, dass Hager vorzeitig seinen Vertrag auflösen will und das von 88 Prozent der Wähler vergebene Mandat aufgibt. Diese beiden Tatsachen sind für mich eben „die Tür so laut zuknallen“, dass das verklausulierte Angebot am Ende des Hager-Briefes auf mich nicht realistisch wirkt.

      Und dass Ostermann dann in einer eben so impulsiven (wie übereifrigen und falschen) Reaktion die Tür zuschlägt: Hager hat die Menschenkenntnis, um so eine Reaktion vorherzusehen.

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