Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Afrika

Der damals noch jüngere FCS-Blogger und Mustapha Hadji, 2005

Der damals noch jüngere FCS-Blogger und Mustapha Hadji, 2005

2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe “Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft” auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Dieses Mal geht es um die afrikanischen Vertreter in blau-schwarz.

Fallen die Wörter Fußball und Afrika in einem Satz, so liegt das Klischee meist nicht weit entfernt. Aus europäischer Sicht ist der „schwarze Kontinent“ ein willkommener Lieferant an „schwarzen Perlen“, also talentierten Ballkünstlern und Dribblern, denen zu internationalem Erfolg auf Nationalmannschaftsebene die „Disziplin“ europäischer Mannschaften fehlt. Pélés Aussage, dass bis Ende des Jahrhunderts eine afrikanische Mannschaft die Weltmeisterschaft gewinnen würde, traf nicht ein und die Skeptiker scheinen Klischees bestätigt zu sehen.

Dabei wurden afrikanische Mannschaften zu Beginn der WM-Historie schlicht ignoriert. In Uruguay fehlten die Afrikaner 1930 gänzlich, 1934 durfte Ägypten als einziger Teilnehmer für Afrika und Asien teilnehmen. Erst 1957 gründete sich die CAF, das afrikanische Pendant zur UEFA. Der afrikanische Fußball sollte dem europäischen untergeordnet werden, bis in die 1960er hinein musste etwa die beste afrikanische Mannschaft noch in Playoffs gegen einen europäischen oder asiatischen Verband antreten. Auch politische Konflikte, wie etwa der Konflikt mit dem südafrikanischen Verband während der Apartheid, machte es Europa und Südamerika einfach, Afrika weitgehend zu isolieren.

kakoko_1119306543Etepe Kakoko – Aufstiegsheld in blau-schwarz

1970 gab es erstmals einen eigenen afrikanischen Startplatz bei einer WM, Marokko durfte teilnehmen. Zur WM 1974 in Deutschland durfte Zaire (heute: DR Kongo) reisen. Für die Mannschaft, die glanzlos als Gruppenletzter ausschied, durfte auch in zwei Spielen der in Kinhasa geborene Etepe Kakoko auflaufen. Drei Jahre später kam der Stürmer zum VfB Stuttgart II, 1982/1983 kam der Wechsel zum 1. FC Saarbrücken. In 52 Spielen schoss Kakoko nicht nur 24 Tore, sondern auch den Verein zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der Kongolese wurde nach seinem Karriereende im Saarland heimisch, sodass sein Sohn Yannick erst für den ESV Saarbrücken und danach in der Jugend des FCS auflief. Manch einer prophezeite ihm nach seinem Wechsel in die Jugend des FC Bayern sogar eine große Karriere, doch nach eher mittelmäßigen Anläufen in Mannheim und Homburg spielt der Sohn von Kakoko nun für den FC Wohlen in der Schweiz.

Afrikas Stellenwert bei der WM sollte weiter wachsen. Ab 1982 waren zwei Teilnehmer beim Turnier die Regel. 1990 sorgte Kamerun für den Paukenschlag, als es im Eröffnungsspiel gleich den amtierenden Weltmeister Argentinien mit einem 1:0-Sieg blamierte. In der Mannschaft mischten sich Talente aus der einhemischen Liga mit vorwiegend in Frankreich aktiven Stars wie die beiden besten afrikanischen Torhüter jener Zeit, Joseph-Antoine Bell und Thomas N’Kono, sowie Roger Milla, der durch mehr als nur einen Eckfahnenjubler in Erinnerung blieb. Im Viertelfinale war gegen England Schluss.

Ramzy und Mahouvé – Rudis Resterampe

1990 war ebenfalls das Jahr, in dem Hany Ramzy seine erste und einzige WM erleben sollte. Der Ägypter, damals frisch in die Schweiz gewechselt, sollte in allen drei Begegnungen seiner Mannschaft auflaufen, musste aber das Vorrundenaus mit zwei Unentschieden gegen die Niederlande und Irland, sowie einer knappen Niederlage gegen England, hinnehmen. 1994 wechselte er zu Werder Bremen und sollte unter Otto Rehhagel zu einem der besten Liberos der Bundesliga aufsteigen. Später holte dieser ihn auch nach Kaiserslautern, wo er sich 2003 so schwer verletzte, dass er bis 2005 nur noch als Jugendtrainer im Verein tätig war. Dass Rudi Bommer ihn 2005 dennoch kurzzeitig als Verteidiger verpflichtete und sogar in vier Spielen unter Beweis stellen ließ, dass dies keine gute Idee war, ist eine Randnotiz der FCS-Geschichte. Aber keine schöne.

Der FCS-Blogger 2006 mit komischem T-Shirt und begeistertem Marcel Mahouvé

Der FCS-Blogger 2006 mit komischem T-Shirt und begeistertem Marcel Mahouvé

Ähnlich der Fall von Marcel Mahouvé, der 1998 für Kamerun an der WM in Frankreich teilnahm. Für Mahouvé, zwischen 1997 und 2002 in Montpellier unter Vertrag, ein Heimspiel – auch wenn er beim 1:1 Kameruns gegen Chile in Nantes ran musste. 2005 hatte er seine beste Zeit hinter sich, aber noch Saarbrücken vor der Brust. Unter Bommer kam der defensive Mittelfeldmann etwas öfter zum Einsatz als Ramzy, sollte nach dem Zweitligaabstieg dann aber gehen. Bommers Nachfolger Michael Henke entschied sich dann für eine Vertragsverlängerung – und doch noch mal anders.

Mustapha Hadji – ein Weltstar aus der Grenzregion

Ein anderer Stern ging auch bei der WM 1998 auf: Mustapha Hadji, in Marokko geboren und in Creutzwald aufgewachsen. Für den AS Nancy-Lorraine schnürte der Mittelfeldspieler die Schuhe, bis 1996 Sporting Lissabon anklopfte. Zur WM 1998 spielte Hadji bereits für Deportivo La Coruña. Die Marokkaner schieden zwar in der Vorrunde aus, hinterließen aber in einer starken Gruppe mit Brasilien, Schottland und Norwegen einen guten Eindruck. Unvergessen dabei Hadjis Sololauf gegen Norwegen, den er mit einem Tor krönte.

Hadji war längst Afrikas Fußballer des Jahres 1998, England- und Spanien-Legionär und schon fast Pensionär, als er sich 2005 einfach in Creutzwald fit hielt. Der FCS bekam davon Wind und verpflichtete ihn für die 2. Bundesliga – ein echter Weltstar. Viele bezweifelten die Sinnhaftigkeit des Wechsels, ob der Konkurrenz zum anderen marokkanischen Spielmacher Faysal El Idrissi und des Alters von Hadji. Legendär wurde die Bitte an Hadji, nicht mehr im Ferrari zum Trainingsgelände zu fahren. Er erlebte zwei Abstiege mit, zeigte Leistungen zwischen Genialität, Weltklasse und schlichtem Alibi-Fußball und Dünnhäutigkeit. Zeitweise kickten noch sein Bruder Farid und sein Sohn Samir für den FCS, aber ihnen war kein großer Platz in der FCS-Historie vergönnt.

Sali! Salifou! Lugingers gescheitertes Experiment

Der letzte Spieler von schwarzen Kontinent, der nach einer WM-Teilnahme zum FCS wechselte, war Moustapha Salifou. 2002 kam der Togolese zu Rot-Weiß Oberhausen, das damals mit dem späteren FCS-Trainer Jürgen Luginger (zuerst als Spieler, 2004 kurz als Trainer) in der 2. Bundesliga spielte. 2005 wechselte Salifou nach Brest, kam dort eher sporadisch zum Einsatz, wurde anschließend dennoch von Otto Pfister für die WM 2006 in Deutschland berufen. Togo überstand die Vorrunde zwar nicht, aber Salifou schien Aston Villa von seinem Können als Spielmacher überzeugt zu haben. Auf der Insel blieb er einige Jahre, um dann 2011 zunächst im Sommer in die Vereinslosigkeit zu kommen.

Jürgen Luginger, mittlerweile Trainer in Saarbrücken, wollte Salifou zu seinem neuen Spielmacher aufbauen. Tatsächlich entbrannte eine kleine Euphorie um den WM-Spieler, sein Name wurde gar zur Melodie von „Daddy Cool“ von Boney M im Fanblock gesungen. Allein: Sportlich reichte es nicht mehr für die 3. Liga. Sein einziger Treffer in elf Spielen, gegen Ex-Verein Oberhausen, war eher ein ausgerutschter Pass. Nach einem Jahr war Salifou erneut ohne Verein. Seit März 2014 spielt er für den TSV 1860 Rosenheim in der Regionalliga Bayern. Vielleicht sehen wir seinen Nachfolger (und auch den von Hadji oder Mahouvé) beim FCS für das Jahr 2020 ja bereits in einigen Wochen für Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun oder Nigeria spielen. Oder mal eine afrikanische Mannschaft, die das Turnier ein wenig aufmischt.

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