Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: US-Boys.

FC-Magazin aus der Saison 1999/2000

FC-Magazin aus der Saison 1999/2000

2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Stattdessen schaut Reihe „Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft“ auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken. Diesmal geht es darum, wie das Saarland seinen Anteil dazu beigetragen hat, aus den Vereinigten Staaten von Amerika eine auch in Europa geachtete Fußballnation werden zu lassen. Wir blicken auf Eric Wynalda und Joe-Max Moore.Die USA stehen unter Verdacht, die vielleicht größte Nation fußballignorierender Sportbegeisterter zu sein. Im Baseball und American Football sind die heimischen Sportler das Maß aller Dinge. Die NBA lässt Auftritte der Basketball-Nationalmannschaft selbst bei den Olympischen Spielen wie eine unliebsame Zwangsaufgabe wirken, denn klar ist: In diesen Sportarten reicht keiner den USA das Wasser. Der Fußball wurde eher stiefmütterlich behandelt. Die Erklärungen dafür sind entweder historischer Art, mal wird darauf verwiesen, dass es eher ein Jugendsport sei. Oder aber, dass es beim Basketball flotter zuginge. Mit dem Erfolg der US-Frauen im Fußball wurden zwar Namen wie Mia Hamm oder Hope Solo auch in Europa bekannt, aber es verfestigte sich ein weiteres Klischee: Fußball, der Frauensport.

Historischer Sieg über England

Dabei ist Fußball in den USA natürlich auch fest verwurzelt, wenngleich man gewisse Konjunkturen beobachten kann. Zur allerersten WM 1930 in Uruguay, als viele europäische Teams aus Kostengründen absagten, reisten die USA und wurden auf Anhieb Gruppensieger und werden heute mit einem Halbfinalaus als WM-Dritter gezählt. 1950 schockten die USA das englische Team, das bis dato eine WM-Teilnahme abgelehnt hatte, da es sich für natürlich überlegen hielt. Das 1:0 von Joe Gaetjens ging als erste WM-Niederlage der Three Lions in die Geschichte ein.

500px-US_Soccer.svgOperetten-Fußball

Danach folgten Jahre, auf die auch Verfechter des Fußballs in den USA mit gemischten Gefühlen blicken. Während die Qualität der Nationalmannschaft abnahm und bis 1990 keine Qualifikation mehr für die WM folgte, versuchte der Profifußball Fuß zu fassen. Vereine schossen überall aus dem Boden, am bekanntesten etwa Chicago Sting, die Los Angeles Aztecs oder New York Cosmos, die Weltstars wie Franz Beckenbauer oder Pélé im Herbst ihrer Karriere verpflichteten. Mit Chicago wurde etwa Dieter Ferner nordamerikanischer Meister – in einem Shoot-out, nicht dem klassischen Elfmeterschießen. Die zahlreichen Regelunterschiede zu anderen FIFA-Mitgliedern sollten das US-Publikum ansprechen – sie sorgten aber nur für Streit mit dem Weltverband und dazu, dass die NASL als „Operettenliga“ verspottet wurde.

„It’s so gudd“

1990 folgte die Qualifikation für die WM in Italien und wieder die Chance, auf der großen Bühne aufzutreten – immerhin sollte vier Jahre später der Ball in den USA rollen. Man schied zwar aus, war aber immerhin wieder im Kreise der Turniermannschaften angekommen. Schon damals war ein 21-jähriger Stürmer aus Fullerton, Kalifornien im Kader, der damals nur durch eine Rote Karte gegen die Tscheoslowakei auffiel: Eric Wynalda. Seine Nationalmannschaftskarriere verhinderte der Aussetzer allerdings nicht. 1992 verlieh ihn der US-Verband, bei dem damals Nationalspieler unter Vertrag standen, zum 1. FC Saarbrücken, der frisch in die Bundesliga aufgestiegen war. In 61 Spielen in zwei Jahren traf der US-Boy 21-mal und wurde dabei zu mehr als dem Markenbotschafter für Schröder: Der lebende Beweis, dass auch Amis Tore schießen.

1994 verließ der Kalifornier das Saarland in Richtung Bochum, spielte aber zuvor die Heim-WM und damit das Turnier seines Lebens. Im Achtelfinale war gegen Weltmeister Brasilien Schluss, Wynalda setzte sich mit seinem Freistoßtor gegen die Schweiz immerhin ein Denkmal – sein einziges WM-Tor. Wynalda führte die US-Nationalmannschaft noch zum Turnier nach Frankreich und war nach seinem Karriereende bis 2007 Rekordtorschütze seines Landes – danach löste Landon Donovan ihn ab. 1999/2000 kam er zudem für vier Spiele auf Leihbasis unter Toppmöller zurück ins Saarland – ein Marketinggag, wenn auch ein gelungener.

Moore: Erfolgreiches Gastspiel, glanzloses Ende

Wynaldas direkter Nachfolger sollte ebenfalls als Leihspieler direkt vom Verband der USA kommen: Joe-Max Moore. Zwei Jahre jünger als Wynalda und aus Oklahoma stammend, ist Moore heute in der Erinnerung weniger präsent als sein Vorgänger. In 30 Spielen kam er auf 13 Tore, war also ein treffsicherer Stürmer. Vielleicht liegt es daran, dass die Erinnerung an Moores Saison vom Zwangsabstieg 1996 überlagert wird. Dennoch war er, anschließend noch für Nürnberg und Everton aktiv, ein herausragender Spieler, dem zwar bei seinen drei WM-Teilnahmen (1994, 1998, 2002) kein Treffer gelang, aber der auch in den 100er-Club der US-Mannschaft aufstieg (24 Tore). 1999 trug Moore gar mit einem Tor zur heute schon berühmten Confed-Cup-Blamage der deutschen Mannschaft bei. 2013 wurde er auch in die „Hall of Fame“ des US-Fußballs aufgenommen.

Wynaldas Erben

Im Vergleich zu den Erben Wynaldas lesen sich diese Karrieren eher unspektakulär. Spieler wie Clint Dempsey, Jozy Altidore oder Tim Howard haben es in die englische Premier League geschafft, Namen wie Landon Donovan oder Kasey Keller sind Fußball-Fans in Europa ein Begriff. Beim 1. FC Saarbrücken hat mit Matthew Taylor ein US-Amerikaner unterschrieben, der zwar in der Jugendauswahl der USA spielte, aber in Deutschland nur in der 2. Bundesliga und der 3. Liga zu Ruhm kam und nun das schwierige Erbe der Amerikaner beim FCS antritt. Die Zeiten, in denen der FCS als Sprungbrett für Talente wie Moore oder Wynalda von der großen Unbekannten US-Fußball profitieren konnte, sind vorbei.

Unter Jürgen Klinsmann mag sich der US-Fußball an einem Moment seiner Geschichte befinden, dessen Ausgang ob des fachlich umstrittenen Coaches noch keiner vorherzusagen vermag. Der Verdienst von Spielern wie Moore oder Wynalda war es aber, den Fußball auf dem nordamerikanischen Kontinent überhaupt erst aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und auch in Europa für dessen Ernsthaftigkeit zu werben.

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