Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Knapp vorbei.

Auswahl des Saarlandes in den 1950ern

Auswahl des Saarlandes in den 1950ern

Sommerpause in geraden Jahren heißt (zumindest bis zur möglichen Winter-WM 2022): Länderturnier. 2014 blickt die Fußball-Welt auf Brasilien. Das FCSBlog möchte in dieser Zeit nicht auf den Zug aufspringen und schlichte WM-Berichterstattung bieten. Das fände ich selbst etwas zu öde. Stattdessen möchte ich mit der Reihe „Der FCS bei der Fußball-Weltmeisterschaft“ auf die Berührungspunkte zwischen der großen Fußballbühne und seiner derzeit nur noch sehr kleinen Randerscheinung 1. FC Saarbrücken werfen. Zum Auftakt beschäftige ich mich unter anderem mit der Frage: Warum fuhr noch nie ein saarländischer Torwart zur WM?

Die Wochen vor jeder Welt- und Europameisterschaft sind für die Pressevertreter wohl fast noch beliebter als das Turnier an sich, denn zu keinem anderen Zeitpunkt gibt es die Schnittmenge zwischen dem Ziehen einer Saisonbilanz und dem Spekulieren, wer zum Kader der jeweiligen Nationalmannschaft gehören wird. Namen werden genannt und mit erwartungsvoller Miene wird zur Pressekonferenz geblickt. Am Ende bleiben dann Spieler übrig, die nicht mit zum Turnier fragen. Und es beginnt die große Frage nach dem: Warum?

Saar-Elf gegen den DFB

Heutzutage ist die Klärung dieser Frage oft sehr banal: Mal passt ein Spieler nicht zum taktischen Konzept einer Mannschaft, mal wird er aufgrund seines Alters aussortiert oder es gibt den guten alten Streit. Doch keine dieser Erklärungen kann herangezogen werden, warum etwa Herbert Binkert und Herbert Martin nie an einer WM-Endrunde teilnahmen. Beide waren Teil des 1. FC Saarbrücken der 50er Jahre, der selbst dem damaligen FIFA-Präsident Jules Rimet kein Unbekannter war. Nur: Die politische Konstellation der Nachkriegszeit hatte aus dem Saargebiet einen Staat zwischen Deutschland und Frankreich gemacht, der eben aufgrund dieses Statuts mit einer Nationalmannschaft antreten musste – in der WM-Qualifikation 1954 dann auch gegen Deutschland. Die Männer um Erwin Strempel, Theo Puff, Waldemar Philippi und andere verloren gegen die DFB-Elf – ohne die Saar-Elf hätte der eine oder andere von ihnen beim Wunder vom Bern sicherlich auf dem Platz gestanden. Aber selbst im Vereinsfußball lehnte etwa der Ensdorfer Martin, noch heute Rekordtorschütze des FCS, eine Offerte aus Kaiserslautern ab.

Karriereknick nach Bundesligaskandal

Etwas tragischer ist die Geschichte von Torhüter Volker Danner. Der talentierte Schlussmann war in der Saison 1960/61 schon mit 19 Jahren Stammtorhüter des 1. FC Saarbrücken geworden und war bald auf dem Radar des DFB, für dessen U23-Auswahl er mehrere Spiele absolvierte, selbst nach dem Abstieg des FCS in der Gründungssaison der Bundesliga. Danner befand sich nach seinem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach auf dem besten Wege, unter Hennes Weisweiler zu einem künftigen Nationaltorwart zu reifen. Danners Pech hieß Wolfgang Kleff – der ebenfalls talentierte Nachwuchsmann verdrängte Danner Ende der 1960er von seinem Platz. Es folgte ein Wechsel zum MSV Duisburg und wohl der Moment, der die Karriere des vielleicht besten Torwarts, der je beim FCS spielte, zerstörte: Danner wurde eine Beteiligung an Spielmanipulationen nachgewiesen und gesperrt. Die Beteiligung am Bundesligaskandal und Verletzungsprobleme warfen ihn zurück, dass er bei seinem Wechsel zum Hamburger SV 1973 nur noch zweiter Mann war.

Auch nach Danner sollte der 1. FC Saarbrücken, der überwiegend auf deutsche Torhüter zwischen den Pfosten setzte, immer mal wieder Schlussmänner hervorbringen, die sich zumindest in die Jugendnationalmannschaft spielten. Die bekannteren Beispiele waren zuletzt Marc Ziegler, der seine Karriere als Ersatztorwart in Dortmund und Stuttgart ausklingen ließ, oder Marc Birkenbach, der 2007 als der kommende Stammtorwart des FCS gehandelt wurde, heute aber nur noch beim künftigen Oberligisten Saar 05 spielt. Kaum verwunderlich also, dass andere Torwartschulen der Nation am FCS längst vorbeigezogen sind. Fast hätte sich der FCS 2004 die Dienste eines späteren WM-Teilnehmers gesichert, doch der schwedische Torwart Rami Shaaban, damals beim FC Arsenal unter Vertrag, war schlicht zu teuer für den Zweitligisten.

Vereinsidole ohne WM-Ticket

IMG_0187Dass zwei weitere große FCS-Idole nie ein Ticket für die Weltmeisterschaft ergatterten, hat wieder ganz andere Gründe. Der heutige Aufsichtsrat Egon Schmitt war in den 1970ern regelmäßig Spieler in der Bundesliga. Er ist sogar noch heute Rekordnationalspieler – allerdings für die 1979 aufgelöste Amateur-Nationalmannschaft. Da Schmitt auch in der Bundesliga an seinem Status als Amateur festhielt, durfte er zwar nie zu einer WM fahren, nahm dafür aber 1972 an den Olympischen Spielen teil.

Wolfgang Seel hat hingegen mehrfach das Trikot der A-Nationalmannschaft übergezogen, wurde sogar mit Fortuna Düsseldorf zweimal DFB-Pokalsieger. Dass Seel allerdings nie zu einer Weltmeisterschaft fuhr, lag wohl daran, dass er zur falschen Zeit die Hochphase seiner Karriere hatte. 1974 nach dem WM-Sieg im eigenen Land zum ersten Mal berufen, kam er bis 1977 auf insgesamt sechs Einsätze. Eine Zeit, in der die Nationalmannschaft von formstarken Münchnern und Mönchengladbachern bestimmt waren.

Bessere Chancen auf ein WM-Ticket hätte Uwe Haas gehabt. In Merchweiler geboren war der Spielmacher Kapitän in fast allen DFB-Jugendmannschaften. Nach nur einer Saison beim FCS (1981/1982) klopfte der noch größere „Eff-Zeh“ an: Haas ging nach Köln. Dort war er nach einem Jahr als Reservist Stammspieler geworden, stand in einer Reihe mit Klaus Allofs, Pierre Littbarski und Toni Schumacher. Doch gesundheitliche Probleme führten dazu, dass es nichts mit der Bundesligakarriere wurde. Haas ging nach drei Jahren und 33 Spielen für Köln nach Bielefeld, danach zu Rot-Weiß Oberhausen. Heute kickt er noch gelegentlich im saarländischen Amateur- und AH-Fußball mit.

Nie qualifiziert

Einer, der seine Karriere in Deutschland beim 1. FC Saarbrücken startete, war Anthony „Toni“ Yeboah. Der talentierte Stürmer mit dem schwankenden Alter spielte später für Eintracht Frankfurt, Leeds United und dem Hamburger SV und wurde mehrfach Torschützenkönig in der Fußball-Bundesliga. Aber weder bei der WM 1994 in den USA, noch 1998 in Frankreich verzückte er die Zuschauer mit seinen Toren. Der Grund: Sein Heimatland Ghana konnte sich erst 2006 für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Da war Yeboah schon im Ruhestand.

Wollscheid und Herrmann zu Hause, Durm dabei?

Erik Durm (Foto: Vlennart, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Erik Durm (Foto: Vlennart, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Dort sind Philipp Wollscheid und Patrick Herrmann noch nicht. Vor Saisonbeginn galten der Leverkusener und der Gladbacher als die beiden ehemaligen FCS-Spieler mit den größten Aussichten auf ein Ticket für Brasilien. Der Waderner Wollscheid spielte allerdings bei Bayer 04 eine eher mäßige Runde, hatte meist Emir Spahic und Ömer Toprak vor sich. Herrmann spielte bei Gladbach eine ausgesprochen ansehnliche Runde, hat aber im rechten Mittelfeld in der Nationalmannschaft derzeit mit Thomas Müller, Marco Reus und André Schürrle viele Konkurrenten, die auf internationalem Level spielen. Unverhofft schnappte sich der eher unbekannte Erik Durm ein Ticket. Der gebürtige Pirmasenser spielte von 2008 bis 2010 in der Saarbrücker Jugend und entdeckte bei Borussia Dortmund sein Talent zum Außenverteidiger – beim FCS war er in der A-Jugend als Stürmer Torschützenkönig. Ob er zum nächsten WM-Fahrer mit FCS-Vergangenheit wird, entscheidet sich noch.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2013/14, Über den Tellerrand, Geschichte, WM abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.