Fuppes des Tages: NPD auf Stimmenfang beim FCS

Es ist ein altes Spielchen, das sich bei jeder größeren Wahl wiederholt: Das Fußballstadion ist einer der wenigen Orte, der sämtliche Gesellschaftsschichten an einem zentralen Ort zusammenführt, weshalb ein Stadion als Schauplatz für Wahlkämpfe abseits des Sports sehr beliebt ist. Parteien wie die SPD oder CDU tauchen entweder zum Saisonstart mit einem parteipolitisch gefärbten Spielplan auf oder halt mit einem Spielplan zur anstehenden Welt- oder Europameisterschaft. Auch die NPD, eine zwar nicht verbotene und scheinbar demokratische Partei, weiß das.

In einem jüngst erschienen Werbevideo erklärt der NPD-Landesvorsitzende Peter Marx von der Haupttribüne des Ludwigsparks aus, warum er gegen den neuen Bebauungsplan des Stadions gestimmt habe. Er behauptet darin, dass der 1. FC Saarbrücken bei einem möglichen Aufstieg in die 2. Bundesliga die Tribünen des Mainzer Bruchwegs, die laut jüngsten Meldungen gekauft werden sollen, wieder abbauen müsste. Woher der NPD-Stadionbauexperte diese Erkenntnis hat, erklärt er natürlich nicht – denn sie ist bei näherer Betrachtung alles andere als logisch. Das FCS-Präsidium um Hartmut Ostermann ließ erkennen, stark an den Mainzer Tribünen interessiert zu sein. Gleichzeitig ist das ausgegebene Fernziel tatsächlich die 2. Bundesliga – zu glauben, dass man dafür nur ein Provisorium als Stadion für angemessen befände, ist naiv.

Bei der NPD ist es zudem Kalkül. Auf Facebook machten zuletzt Seiten auf sich aufmerksam, die sich klar gegen das Mainzer Modell aussprachen. Die Initiatoren dieser Seite kommen aus der Fanszene und sind eben nicht einer parteipolitischen Färbung unterworfen. Dass die Rechtsextremen eine Stimmungsrichtung aus der Fanszene aufgreifen, ist besonders perfide, da sich unter den Unterstützern auch viele aus dem Umfeld der Virage Est stammende Fans befinden. Leute, die durch ein klares Bekenntnis zum Antirassismus genau die Werte vorleben, die man mit einem Kreuzchen bei der NPD am 25. Mai verneinen würde.

Ähnlich ist auch die Produktion des Videos. Die NPD bedient sich einer in Saarbrücken allseits bekannten Tatsache – außerhalb von Spieltagen sind die meisten Teile des Stadions nicht abgeschlossen. Also ist es mehr als einfach, sich Zutritt zum Stadion zu verschaffen und dort ein Werbevideo für die Partei zu drehen. Das unterstreicht nicht nur den bürgerlichen Anstrich, den sich die NPD geben will. Wer nicht unbedingt weiß, dass der Ludwigspark so offen steht, könnte glatt auf die Idee kommen, dass die Stadt und der Verein es zulassen, dass die NPD dort für sich werben kann. Und dass sie eine normale Partei ist.

Das ist sie eben nicht. Sie profitiert von Ängsten vor Unbekannten, von der schlechten Informationslage einiger Menschen (wie auch im Ludwigspark-Werbevideo) und genereller Unzufriedenheit, indem sie Wählern Wahlversprechen anbietet, von denen sie sich sicher sein kann, keines einlösen zu müssen. Dass man mit der Forderung nach dem Eindämmung der Prostitution in Saarbrücken zudem bei den eigenen Kameraden für Glaubwürdigkeitsprobleme sorgt, zeigte zuletzt Marx selbst im Rahmen der sogenannten „Peniskuchen-Affäre„, die ihn sein Amt als Bundesgeneralsekrektär der Partei kostete.

Wer ernsthaft am Stadionneubau in Saarbrücken und einem Austausch über das Modell des „Stadions im Stadion“, das auch ich nicht zu 100 Prozent gelungen finde (etwa den angedachten Tausch von Heim- und Gästebereich), sollte heutigen Donnerstagabend in der Villa Blau Schwarz ab 19.03 Uhr an der offenen Diskussion mit Sportdezernent
Harald Schindel und GIU-Bereichsleiter Jens Düwel teilnehmen. Aber bitte nicht seine Stimme an Parteien verschwenden, die mit ein, zwei schmeichelnden Worten für die FCS-Fans auf Stimmenfang gehen und dabei Werte vertreten, die dem durch den Fußball geförderten Austausch der Menschen eigentlich nur in den Arsch treten.

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5 Antworten zu Fuppes des Tages: NPD auf Stimmenfang beim FCS

  1. Stolle schreibt:

    Und dann auch noch völlig falsch belichtet, das Filmchen. Passt ins Bild, diese Stümper!

  2. Stephan Meiser schreibt:

    Ich bin ja völlig unpolitisch und habe was gegen rechte und linke Idioten, aber mit so einem Bericht macht ihr euch doch lächerlich! Hat den die Antifa für euch geschrieben? Wir Fans sollten uns aus der Politik raushalten, egal in welche Richtung.

    • Carsten schreibt:

      Ich bin ja völlig unpolitisch

      Was Sie ja auch gerade dadurch ausdrücken, dass Sie hier Stellung beziehen und zwar

      und habe was gegen rechte und linke Idioten

      genau hier.

      aber mit so einem Bericht macht ihr euch doch lächerlich!

      Nun, wenn so Ihre Beurteilung ist. Im Gegensatz zu Peter Marx lehne ich mich nicht so weit aus dem Fenster heraus und gebe eine Beurteilung ab, ob Stadiontribünen bei einem hypothetischen Aufstieg in die 2. Bundesliga erneuert werden müssten, ohne dass ich die DFL-Anforderungen kenne.

      Hat den die Antifa für euch geschrieben?

      Die Gabe, einen Artikel zu Lesen, besitzen Sie anscheinend leider nicht.

      Wir Fans sollten uns aus der Politik raushalten, egal in welche Richtung.

      Das leben Sie hier gerade in bester Art und Weise vor. Nicht.

    • Jeky schreibt:

      Ja, Fans wie Sie sollten sich in der Tat aus Politik raushalten, denn dazu müssten Sie sich damit beschäftigen und das setzt ein gewisses Maß an Grundverständnis für politische Zusammenhänge voraus. Also so ganz und gar nicht Ihr Gebiet.

  3. electro schreibt:

    Vielen Dank für diesen entlarvenden Bericht! Chapeau Monsieur.

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