Die Endabrechnung

fcsrwe04Die Geschichte des Fußballspiels ist schnell erzählt und auch wenn sich einige Zuschauer während der 90 Minuten sichtbare Mühe gaben, dem Verlauf zu folgen. Aber es war wie schon im Spiel gegen Burghausen: Eine Mannschaft, die sich sichtbar aufgegeben hatte (oder zumindest zu wenige Spieler, die sich mit Abstand verabschieden wollten) gegen eine Mannschaft, für die das Auswärtsspiel im Ludwigspark auch eher dem letzten Schultag vor den großen Sommerferien glich. In der ersten Halbzeit ließen beide Mannschaften wenig geschehen, nach dem Seitenwechsel verursachte FCS-Kapitän und Torhüter Timo Ochs einen Elfmeter, bei dem der nichterfolgte Platzverweis wohl die größere Bestrafung für den Torhüter darstellte. Nils Pfingsten-Reddig schoss zur Führung ein, später hatten Stefan Reisinger, sowie der eingewechselte Thomas Rathgeber Chancen auf den Ausgleich – ohne Fortune.

Viel interessanter als das, was die Spieler auf dem Platz leisteten, waren die vielen Endabrechnungen am Rande des Platzes. Die Virage Est blieb nur was den Gesang anging weitestgehend stumm, holte aber via Spruchbändern zur Generalkritik aus, die vielleicht nicht immer zu 100 Prozent meine Meinung traf, aber durchaus nötig war. Wann sonst wird den Leuten auf der Haupttribüne, denen in dieser Saison das Gespür für die Stimmung im Umfeld komplett abging, der Spiegel vorgehalten? In der ersten Halbzeit kommentierte das einer der Sesselfurzer hinter mir lautstark und abfällig, bezichtigte die „Wackesen“ der Virage Est, zu viel Freizeit zu haben und nur „Scheiße“ zu verbreiten. Dass eben jene Halbglatze auch während der restlichen Spielzeit keine Aktion unkommentiert ließ und die Schuld mal beim Schiedsrichter, mal bei Raffael Korte oder Fuat Kilic suchte und anscheinend alles besser wusste als die restlichen 2700 Stadiongänger: Geschenkt. „Schuldzuweisungen sind die Werkzeuge der Versager“ – gemessen daran saßen und standen zumindest im ersten Durchgang die Versager auch im weiten Rund des Parks – ihr Anführer genau hinter mir.

Aber in der Endabrechnung darf natürlich auch nicht fehlen, dass sich einige Fans nach Spielende den Weg in die Katakomben des Stadions bahnten. Einem gelang es dabei einen Spieler tätlich anzugreifen – und damit auch wieder den Beweis anzutreten, dass die Kultur der Schuldzuweisungen und des Versagens nicht nur eine Eigenschaft der Mannschaft, der Trainer ist, sondern vielleicht auch innerhalb der Gremien grassiert. Nein, sie ist das verbindende Element des 1. FC Saarbrücken 2013/2014. Und das erste, wovon man sich trennen sollte, bevor man noch weitere personelle Veränderungen fordert.

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