Unberechenbar

fcshfc3Den 1. FC Saarbrücken der Saison 2013/2014 beschreibt der Titel der „Überraschungsmannschaft“ der Liga ganz treffend. Anfangs sollte es überraschend nach oben gehen, es ging für manche mehr – andere weniger – überraschend ans Tabellenende, überraschenderweise ging dann auch noch der zweite Trainer. Und ohne, damit jemand noch damit gerechnet hätte, besteht nach dem 34. Spieltag der Dritten Liga weiter die rechnerische Chance auf den Klassenerhalt. 3:0 heißt das Endergebnis gegen defensiv anfällige Hallenser auf einem Betriebsausflug nach Saarbrücken. Und plötzlich schauen noch einmal alle Beteiligten auf die Tabelle: Bei sechs Punkten Rückstand auf das rettende Ufer und noch zwölf Punkten, die zu vergeben sind, darf wenigstens gehofft werden. Was bleibt einem sonst?

Freikarten. Das war zumindest die Antwort von Präsidium, Sponsor Hager und dem Aufsichtsrat auf die noch nicht ganz verlorene Hoffnung, auch 2014/2015 zum erlesenen Kreise der 20 Drittligisten zu gehören. Eine Antwort, die eben von der Rückständigkeit zeugt, die in Teilen der Gremien leider noch vorhanden ist – eine gut gemeinte, aber zu diesem Zeitpunkt eben nicht gute Aktion. Warum Freikarten? „Ei weil mir das halt friejer aach immer so gemacht hann“, schien die Antwort der Verantwortlichen zu lauten. Freikarten = Fans = Stimmung, so die Mathemathik.

virageDass dieser Plan kaum aufgehen kann, wenn der Unmut der noch vorhandenen aktiven Fans hoch ist, ist ein Faktor. Dass aber selbst der seit 2006 als Volkssport verbriefte Fußball auch bei Sonnenschein nur noch bedingt in der Stadt Saarbrücken in Form einer Freikarten-Aktion für Furore sorgt, ist hoffentlich der Lerneffekt aus der Veranstaltung. Knapp 4500 Menschen verloren sich in einem Ludwigspark, der schon bessere Tage erlebt hat. Die gute Absicht der Aktion mag ich nicht Daniel Hager, Hartmut Ostermann oder Michael Arnold in Abrede stellen. Alleine scheinen die Herren trotz Fanbetreuung, hauptamtlichen Fanbeauftragten und zwei jüngeren Leuten im Aufsichtsrat nur bedingt ein Gespür die Fanseele zu haben. Keine Aktion, die wutschnaubende Kommentare von Dauerkarteninhabern verdient hat. Aber doch am Ziel vorbei.

fcshfc1Dass Enttäuschungen weitere Enttäuschungen nach sich ziehen, gehört auch zur Saarbrücker Gesichtsschreibung. Der Boykott der Virage Est, so abgedroschen er mittlerweile ist und die Mannschaft mehrmals zu Unrecht bestraft hat, ist in der Umsetzung immerhin konsequent. Der D-Block, vor Wochen noch per Zeitung zum Zusammenhalt auffordernd, verkündete per Banner, die Mannschaft sei der Vereinsfarben unwürdig. Dass Worte nicht eben immer Taten folgen, zeigte sich spätestens nach den frühen Toren zum 1:0 und 2:0, die jeweilige Boykottpläne zumindest etwas durchkreuzten und die Menge jubeln ließen. Als Fanprotest zum Glück zu inkonsequent, um bei vielen Leuten anzukommen.

hfcfansAuf dem Platz trat der 1. FC Saarbrücken dann aber auch so auf, wie es leider in dieser Saison zu selten der Fall war. Mit der Elf des Stuttgarter Last-Minute-Knock-Outs ging es rasant los. Manu Zeitz und Marcel Ziemer prüften Pierre Kleinheider, auf der Gegenseite musste sich einmal Kapitän Timo Ochs für den FCS lang machen. Dieses Mal fehlte es nicht an der Kaltschnäuzigkeit, dass Ziemer nach schöner Vorarbeit von Philipp Hoffmann nach zwölf Minuten zur Führung traf. Nach 21 Minuten nutzte Verteidiger Tim Knipping die Anfälligkeit des HFC bei hohen Bällen aus und verwandelte nach einer Ecke per Kopf zum 2:0. Vor einigen Wochen hätte niemand solch ein Auftreten für möglich gehalten. Vor allem die Körpersprache von Tim Stegerer und Tim Knipping zeigte, das in diesem FCS noch Leben steckt.

fcshfc2Nach der Pause hatten die Gäste aus Halle an der Saale dann zunächst einige Gelegenheiten, doch noch den Anschlusstreffer zu erzielen – womit ich bei der starken Offensive aus Tom Bertram, Francky Sembolo und Timo Furuholm durchaus mehr erwartet hatte. Die Abwehr hielt stand und machte es genau richtig – mit einem Kontertor, das als finaler Stich in das Herz der Hallenser genügte. Erneut legte Philipp Hoffmann den Turbo ein und überlief seinen Gegenspieler auf der linken Seite – möglicherweise überquerte der Ball vorder die Seitenauslinie – und bediente Raffael Korte, der keine Probleme hatte, einzunetzen.

Eine glanzvolle erste Halbzeit, eine unglanzvolle, aber gut zu Ende gespielte zweite Halbzeit. Mit dem 3:0-Sieg ist der 1. FC Saarbrücken auch in den kommenden vier Spielen unberechenbar. Im guten, wie im schlechten Sinne. Und da es zum jetzigen Zeitpunkt durchaus nichts mehr nützt, immer nur das Schlechteste zu erwarten (es sei denn, wir reden vom Thema Sportdirektor), bleibt einfach nur die Hoffnung, es gegen Münster, Burghausen, Leipzig und Erfurt doch zu schaffen.

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