Forderungen für den FCS 2014/15

Jedes Jahr die selbe Leier - wieso eigentlich?

Jedes Jahr die selbe Leier – wieso eigentlich?

0:1 in Stuttgart verloren. Die neunzigste Minute. An ihr sind schon viele Mannschaften auf unfairste Art und Weise gescheitert, wenn auch nicht ganz unverdient, da die Chancenverwertung schlicht ungenügend war. Ein solches Spiel am zweiten oder dritten Spieltag der laufenden Saison und niemanden stört es tief, alle werden hinterher die Spieler in den Arm nehmen und sagen: „Ihr seid jung, kann mal passieren!“ Wir wissen alle, warum das gerade nicht passiert. Und ich finde es ehrlich gesagt übertrieben, der einen unglücklichen Niederlage wegen den Holzhammer für die Mannschaft auszupacken. Die Gründe, warum wir in einigen Wochen der Dritten Liga zum Abschied leise „Servus“ sagen dürfen, liegen viel tiefer. Und dieser Beitrag hier ist einfach mein Versuch, den Dampf abzulassen, der sich bei mir seit Wochen aufstaut. Ich habe keinen Anspruch darauf, zu wissen, wie man einen Verein besser führt als die aktuelle Vereinsführung. Ich habe keine Erfahrung, wie man einen Verein außerhalb von Managerspielen wie Anstoß 3 führt. Und vieles, was an Urteilen über den Verein abgegeben wird, ist einfach eine banale Beobachtung. Aber ich muss meine Wünsche für den 1. FC Saarbrücken 2014/15 aufschreiben.

1. Ein Sportdirektor – der nicht aus dem Hause soccer&more kommt.

Ein Verein, der im Profifußball sesshaft werden will, braucht einen Sportdirektor mit unbestechlichem Blick – und das geht in Saarbrücken leider nur, wenn er als Person unabhängig von Guido Nickolays Spielerberaterfirma soccer&more ist. Nickolay mag ein erfolgreiches Unternehmen führen, er mag auch privat glühender FCS-Fan sein. Allein muss er eben Privates und Berufliches zu trennen wissen. Der emotionale Blick auf den Verein schränkt vieles ein. Nickolays Handeln wirkt wie die überbordende Liebe einer Mutter, die am Ende das Kind nur erdrückt.

Der FCS darf meiner Meinung nach keinerlei Energie auf Privatfehden zwischen Externen, sprich einem Spielerberater wie Nickolay, und Offiziellen, wie etwa in der Vergangenheit Vizepräsident Harald Ebertz, erlauben. Es strengt nicht nur die beiden Diven an, die ihren Streit mal öffentlich, mal halböffentlich, austragen. Es verhindert ein nüchternes, zielgerichtetes Arbeiten. Deswegen muss als Mittler ein unbestechlicher, unvoreingenommener Sportdirektor her, der die Firma soccer&more genauso zu behandeln hat, wie alle anderen Vermittlungsfirmen auch: Nicht besser, aber auch keinesfalls schlechter als andere.

2. Ein Trainer, der den Austausch sucht und Rollen respektiert.

Mit Jürgen Luginger und Milan Sasic erlebte der 1. FC Saarbrücken zwei unterschiedliche sportliche Konzepte – was erst einmal nichts Schlimmes sein muss. Luginger wurde am Ende mangelnde Konsequenz zum Verhängnis, Sasic erhielt die Quittung dafür, dass er viel umwälzte und wenig bewegte. Wie sieht der idale Trainer für den FCS aus? Ein Schleifer, ein Verständnisvoller, ein junger Hungriger, ein Erfahrener? Der Konsenstrainer, der von allem ein bisschen beherrscht?

Wichtig ist vor allem: Er hat ein konsequentes Handeln an den Tag zu legen. Sprich: Er muss für Disziplin innerhalb der Mannschaft sorgen und darf nicht dem einen etwas gestatten, wofür er einen anderen auf die Bank setzen würde. Er hat nach Leistung und nicht nach Sympathien zu gehen. Er hat aber auch den Austausch mit dem Sportdirektor zu suchen. Dabei sollte Augenhöhe herrschen und der eine den anderen nicht als Konkurrenten sehen. Wohin das führt, konnte man vor kurzem in Elversberg sehen. Für die ist der Abstieg auch weiter ein Thema.

3. Eine medizinische Abteilung, die kein Risiko für den Erfolg darstellt.

Ihr dürft mir jetzt gerne vorwerfen, dass ich nicht im Besitz eines sportmedizinischen Abschlusses bin und zu diesem Thema wahrscheinlich nur begrenzt Urteile abgeben kann. Soll ich das Thema deswegen auslassen? Nein, denn es gibt offene Fragen, die ich stellen muss, weil ich sie nicht verstehe:

  • Wie kann es mehrfach in einer Saison zu Fehldiagnosen kommen, was Verletzungen der Spieler anbelangt?
  • Wurde Andreas Glockner während und nach der Verletzung richtig behandelt und wieder an die Mannschaft herangeführt?
  • Warum wurde Philipp Kreuels‘ gefährliche Krankheit erst spät erkannt?

Ich möchte nicht ein weiteres Rollen von Köpfen fordern. Aber wer sich nicht durch interne Baustellen den eigenen Erfolg zu nichte machen möchte, muss auch die medizinische Abteilung auf den Prüfstand stellen.

4. Der Erfolg der ersten Mannschaft ist wichtig, die Jugend aber auch.

Die erste Mannschaft mag das Aushängeschild des Vereins sein und auch der Grund, warum wir alle irgendwann zu Fans des Vereins geworden sind und uns sogar in unserer Freizeit mit ihm beschäftigen. Das befreit niemanden davon, die Jugendabteilung herabzuwürdigen. Wieso wird sich jedes Jahr darüber beschwert, dass die Rosinenpicker der Bundesligisten am Ende des Jahres die besten Talente weglocken, wenn kaum Empörung darüber herrscht, dass das Nachwuchsleistungszentrum noch auf sich warten lässt? Oder dass es zum Spielball zwischen medialen Auseinandersetzungen zwischen einem Trainer und einem Blogger wird?

Die Jugendabteilung, auch wenn der FCS weiterhin damit leben müssen wird, Lieferant für Hoffenheim, Kaiserslautern, Mönchengladbach, Nürnberg und andere zu sein, muss gestärkt werden – sowohl in der Außendarstellung als auch tatsächlich finanziell.

5. Jeder nimmt sich zurück und denkt erst an das große Ganze – dann an sich.

Der 1. FC Saarbrücken 2013/14, aber auch zuvor, glänzte durch die Abwesenheit einer erkennbaren Hierarchie. Mal war der Präsident der schwache Mann im Verein, mal der starke Mann. Dann stand plötzlich der Trainer der ersten Herrenmannschaft in allen Belangen über dem Leiter der Jugendabteilung. Dann konnte der Schatzmeister einfach mal wieder überraschende Entscheidungen genehmigen – HALT, STOPP, AUFHÖREN! Tickt Ihr alle noch richtig?

Der 1. FC Saarbrücken braucht eine klare, hierarchische Struktur, an der sich schon vor jeder Entscheidung ablesen lässt, wer für diese konkrete Entscheidung zuständig ist. Und dann wird sich gefälligst auch an die Hierarchie gehalten. Wer in der Hierarchie nicht auftaucht, kann zwar seinen Senf dazugeben (mache ich ja auch), aber mehr auch nicht. Kritik sollte im Sinne einer gesunden Kritikkultur erlaubt, ja sogar erwünscht sein – so lange sie sich eben auch an Regeln des respektvollen Miteinanders halten. Und dazu gehört auch, dass man Kritik akzeptiert und nicht eingeschnappt reagiert. Leider scheinen beim FCS derzeit aktuell das Gerücht herumzugehen, dass man schon auf jedes bisschen Kritik tiefbeleidigt reagieren müsste. Bitte, verlasst Euren Kindergarten und verhaltet Euch altersgemäß! Auch Sie, Herr Ostermann.

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