Wackere Saar-Elf muss sich geschlagen geben

Unsere Saar-Auswahl!

Unsere Saar-Auswahl!

Natürlich war der Text, sowie die kurze Umgestaltung des Blogs, Teil des Aprilscherzes 2014. Nostalgiker dürfen aber gerne noch einmal ins Jahr 1954 reisen und den „Blogbericht“ zum Spiel lesen:

Er ist ausgeträumt, der Traum von einer saarländischen Teilnahme an der Endrunde der Weltmeisterschaft im Sommer. Während die Vertreter von Deutschland in der Schweiz packende Kämpfe mit den besten Auswahlmannschaften Europas und Südamerikas erwartet, müssen unsere Männer von der Saar die Spiele an den Rundfunkgeräten mitverfolgen. Für die 53.000 Schlachtenbummler im weiten Rund des neuen Ludwigsparks war das Aufeinandertreffen zweier Brüder sicher ein Fußballfest. Für die wackeren Kicker von der Saar war die 1:3-Niederlage letztlich ein bitterer Abschluss einer bis dato vielversprechenden Qualifikationsrunde.

Unser Auswahltrainer Helmut Schön setzte auf die vertraute Formation, hauptsächlich Angehörige unseres 1. FC Saarbrücken. Im Tor begann Erwin Strempel, vor ihm die beiden Stopper Keck und Biewer. Als Außenläufer wurden Fips Philippi und Clemens, einziger Vertreter des SV Saar 05, aufgeboten, „Bomber“ Peter Momber als Mittelläufer. Hochkarätig besetzt, die Angriffsreihe mit Otto, Siedl, Schirra, sowie den vermutlich talentiertesten Ballakteuren des 1. FCS, die beiden Herberts: Binkert und Martin. Gerade der Name Martin, mit 32 Toren Schützenkönig der Oberliga Südwest, dürfte die deutschen Verteidiger schon beim Gang von der Kabine auf den grünen Rasen einen gehörigen Schrecken eingejagt haben.

Ärgerlicher Beginn

Aber es kam leider so, dass ich fast – diese persönliche Bemerkung sei mir gestattet  – verleitet war, zu mir selbst zu sagen: Typisch FC! Angesichts der politischen Stimmung in diesem Lande war es fast unvermeidlich, dass einige Störenfriede per Schallplatte das „Deutschlandlied“ erklingen ließen, obwohl sich beide Auswahlmannschaften im Sinne des „Sportsmanship“ darauf geeinigt hatten, auf Hymnen zu verzichten. Nun denn! Als ob dies nicht Ärgernis genug, verweigterte der Schiedsrichter Bronkhorst aus den Niederlanden unserem Herbert Martin einen regulären Treffer, obwohl sogar sein eigener Linienrichter keinen Anlass sah, die Fahne zu heben! Das vermeintliche Urteil einer Abseitsstellung kostete die Saar-Auswahl die 1:0-Führung. Stattdessen brachte der Nürnberger Morlock die Herberger-Elf in Führung. Die Saar-Recken mussten mit einem Rückstand in die Pause.

Kurzzeitige Hoffnung

Unser Trainer Helmut Schön

Unser Trainer Helmut Schön

Auch nach dem Seitenwechsel wendete sich das Spiel nicht zum Besseren. In der 54. Minute war es erneut Max Morlock, der Strempel überwand. Zwei Tore galt es nun aufzuholen, wollte man noch die Billets für die Schweiz lösen! Und für kurze Zeit zeigte sich sogar Hoffnungsschimmer für Helmut Schöns Spieler. Eine ungeschickte Abwehraktion der Deutschen Elf führte zum Pfiff: Handelfmeter für die Saar-Elf. Herbert Martin drosch den Ball unhaltbar für den Düsseldorfer Schlussmann Turek in die untere Ecke: 1:2, Hoffnung zurück!

Doch es war eben auch der Tag der skandalösen Entscheidungen. Der Kölner Hans Schäfer erzielte sieben Minuten vor Abpfiff das 3:1 für die Gäste – eigentlich hätte Schiedsrichter Bronkhorst die Situation aufgrund einer Behinderung von Erwin Strempel abpfeifen müssen. Trotz einer ansehnlichen Leistung der Saar-Elf war damit ihr Schicksal besiegelt. Als parteiischer, aber dennoch fairer Beobachter der Begegnung möchte ich mir aber noch die Bemerkung erlauben, dass der DFB-Auswahltrainer Sepp Herberger mit seiner großen Beobachtungsgabe nicht unwesentlichen Anteil am Sieg seiner Elf hatte. Den Kaiserslautrer Fritz Walter ließ er geschickt mit seinem Bruder Ottmar die Positionen tauschen, um so seinen „Kettenhund“ Waldemar Philippi zu verwirren. Auch für unseren 1. FCS wünsche ich mir gerne solche gewitzten Einflüsse dieses als „modern“ beschriebenen Fußballs, der vor allem auf ein genaues Studium des Gegners setzt.

Nicht verzagen!

Trotz der Tränen, die wir ob der verpassten Qualifikation geweint haben, macht der Auftritt der überwiegend vom 1. FCS gestellten Saar-Auswahl Mut für die kommenden Jahre. Eine Weltmeisterschaft findet gewiss nur alle vier Jahre statt, aber bis 1958 könnte die Mannschaft unter Helmut Schön zu einer konkurrenzfähigen Auswahl heranwachsen. Doch bevor in derlei Hinsicht Luftschlösser gebaut werden, müssen sich unsere „Molschder“ auf die kommende Aufgabe in der Meisterschaft konzentrieren. Am Sonntag, dem 4. April, geht es zum Auswärtsspiel in die „Schuhstadt“ Pirmasens. Auch ich hoffe auf einen erfolgreichen Ausflug unserer Spieler!

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Satire abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.