Angsthasenfuatsball

DSCN0462Heimniederlage, 0:2 gegen den MSV Duisburg. Für den 1. FC Saarbrücken und sein Umfeld ändert sich von der Gefühlslage her vielleicht zum zehnten Mal innerhalb einer Saison, dabei schafft die Mannschaft eigentlich nur langsam Fakten. Die Dritte Liga 2014/2015 wird höchstwahrscheinlich ohne die saarländische Landeshauptstadt stattfinden – und das ist Ergebnis einer langen Kette von Fehlentscheidungen. Ob nun die törichte Annahme, man brauche keinen Sportdirektor, oder Fehlleistungen der Trainer in Trainingsbetrieb und Taktik oder schlichtes Unvermögen gepaart mit Unerfahrenheit. Auch unter Fuat Kilic konnte sich das nicht ändern.

Beim Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Verein musste Kilic in der Abwehr umstellen, da Florian Ballas mit einer Verletzung Platz auf der Tribüne (und in der Halbzeit im Fanradio) nahm. Statt den im Winter verpflichteten und eingespielteren Kevin Pezzoni neben Tim Knipping aufzustellen, musste Nils Fischer erneut einen Positionswechsel vornehmen und spielte statt im defensiven Mittelfeld nun in der Innenverteidigung. Fischer hatte dabei noch nach einem Standard die erste Großchance – vergab aber. Nach einer weiteren Gelegenheit für den FCS kamen die von Karsten Baumann trainierten Duisburger häufiger vor das Tor von Timo Ochs. Dieser musste zwei Mal in höchster Not Kopfbälle der Duisburger Angreifer abwehren, war aber chancenlos, als Michael Gardawski von einer Unkonzentriertheit der Hintermannschaft profitierte und frei vor dem FCS-Kapitän zum Schuss kam. In der Folge wirkte der FCS gehemmt und ohne klares Angriffskonzept. Ein Treffer von Marcel Ziemer kurz vor der Pause wurde aberkannt, weil der FCS-Stürmer zuvor ein Foul begangen hatte.

DSCN0456Auch in der zweiten Halbzeit blieben die Blau-Schwarzen im eigenen Stadion erschreckend schwach und zaghaft in ihren Angriffsversuchen. Warum? Das bleibt das Geheimnis der Männer auf dem Platz und ihrem Trainer. Die Großchancen der zweiten Halbzeit wirkten im Abschluss zu sehr, als wollten die Beteiligten sich ein Alibi für ein längst verloren geglaubtes Spiel verschaffen. Marcel Ziemer rannte auf verlorenem Posten gegen Duisburg an. Manuel Zeitz wirkte im zentralen Mittelfeld ideenlos und brachte zuweilen einfache Flankenwechsel und Pässe nicht zum Mitspieler. Patrick Schmidt konnte im Mittelfeld nicht so befreit aufspielen, wie es gegen Rostock der Fall gewesen war. André Mandt irrte im defensiven Mittelfeld unterstützungslos umher. Und Kilic beraubte sich in der 63. Minute mit dem Wechsel Vito Plut für Raffael Korte seiner einzigen kreativen und schnellen Option im Mittelfeld – mit dieser Handlung offenbarte sich Kilics Unvermögen, einer harmlosen Duisburger Mannschaft etwas entgegen zu setzen.

Das 2:0 für die Gäste per Handelfmeter durch Branimir Bajic nach der ersten Aktion des eingewechselten Taku Ishihara war mehr eine Bestrafung des nachlässigen und mutlosen Angriffverhaltens, denn das Sanktionieren einer ungeschickten Abwehraktion. Der Mannschaft dürfte es freilich knapp zwölf Minuten vor Spielende den Glauben an Punkte gegen Duisburg geraubt haben – selbst ein Unentschieden ist für den Tabellenletzten FCS derzeit viel zu wenig.

Im Fanradio: Florian Ballas

Im Fanradio: Florian Ballas

Wer sich derzeit über vermeintliche Söldner beim FCS aufregt und meint die Wurzel allen Übels gefunden zu haben, hat nicht wirklich die Probleme dieser Mannschaft verstanden – freilich sind diese nicht deckungsgleich mit den andere, längerfristigen Problem des Vereins. Söldner erfüllen ihren Auftrag gegen Bezahlung, ohne sich wirklich emotional mit ihrer Aufgabe zu beschäftigen – dieser verunsicherten, teilweise sehr jungen FCS-Mannschaft sieht man an, dass eben oft die zu emotionale Erfahrung, die durchlebt wird, das Problem ist. Das fängt bei unnötigen Beschimpfungen durch das Publikum an und hört auf dem Platz auf. Aber auch in sportlicher Hinsicht wird auch unter dem dritten Übungsleiter der Saison weiter zu viel falsch gemacht. Fuat Kilic mag den Spielern den Spaß an der Sache zurückgegeben haben – die Niederlage gegen Duisburg war hausgemacht. Die Ballas-Verletzung mag da nicht als Ausrede für den Trainer herhalten, der offensiv auf die selben Kräfte wie gegen Rostock setzen konnte. Auch erscheint es wenig wahrscheinlich, dass andauernde trainingsfreie Tage jetzt im Abstiegskampf dazu beitragen, die Eingespieltheit und taktische Disziplin der Truppe zu erhöhen.

Rechnerisch ist der FCS auch mit der 18. Saisonniederlage noch nicht abgestiegen. Doch im Umfeld ist keine Stimme mehr zu hören, die Fuat Kilic und seiner Mannschaft noch das Wunder zutraut. Die Gedanken gehen schon in Richtung Regionalliga. In dieser darf man dann auch die längerfristigen Baustellen des Vereins gerne einmal angehen – leider wird das wohl zum großen Ringen der unterschiedlichen Fraktionen innerhalb des Vereins.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2013/14, 3. Liga, Erlebnisbericht, Rückrunde abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Angsthasenfuatsball

  1. Pingback: MSV-Sieg auch ohne notwendiges Glück | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus

Kommentare sind geschlossen.