Einfach nur mal freuen?

lupafcshroEs gab gestern Abend diesen einen, kurzen Moment, in dem der eigentliche Wunsch von mir aus den tiefen des Unterbewusstseins hervordrang: Der ICE nach Paris Gare de l’Est, 21:00 Uhr am Gleis Zwölf des Saarbrücker Hauptbahnhofs. „Komm, steig einfach ein und weg vom FCS!“ Sehnsucht die Zeit eine Woche zurückzudrehen vielleicht, noch eine weitere Woche in Marseille. Aber natürlich ist die Realität: Es zieht mich doch zu jedem Heimspiel auf diesen Ludwigsberg. Und eigentlich ist der 2:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock ja eigentlich mal ein Grund, sich einfach nur zu freuen, denn…

…Premium-Blogger und Twitterheld Markus (TextundBlog) beehrte seinen Heimatverein ein weiteres Mal. Wie der Kollege vom alten Wald bereits richtig festgestellt hat, geht ein Besuch vom Wahlpaulianer und Hispanisten stets mit einem Flutlichtspiel einher. Und dann auch immer noch mit einem Heimsieg. Aus diesem Grund möchte ich mich hiermit für einen Expresszug zwischen Hamburg und Saarbrücken aussprechen, damit Markus im Fall der Fälle immer schnell dem FCS vor Ort beistehen kann.

hrofans…die Fans von Hansa Rostock waren nicht das bestimmende Thema des Spiels. Meldungen über große Polizeiaufgebote, die frühe Anreise einiger Hansestädter per Flugzeug und Horrorszenarien über Auseinandersetzungen in der Stadt waren zwar kurzzeitig Thema auf den Fußballplattform – aber eben auch nur am Rande, wo sie bestenfalls hingehören. Beim dritten Mal hat sich auch der übliche Rostocker Kletterakt auf die Gegengerade peinlichst abgenutzt und interessiert höchstens noch die Ordnungshüter im Ludwigspark.

…Patrick Schmidt hat mit seinem Startelfdebüt eigentlich alle belohnt. Aus der Schalker U23 von Milan Sasic verpflichtet, sortierte der Ex-Trainer den Stürmer schon fast mit der Verpflichtung wieder aus. Ein Akt unglaublicher Blindheit, wenn man sich das gestrige Spiel von Schmidt vor Augen führt. Das lag weniger am technisch feinen Kopfballtreffer zum 1:0. Sondern eher an der Laufbereitschaft des 20-Jährigen, der sowohl mit dem Part neben Ziemer, als auch später im Mittelfeld keine Probleme hatte, sich in die Mannschaft einzufügen. Der Weg dorthin war für Schmidt, dem die Unzufriedenheit mit den geringen Einsätzen zuletzt spürbar anzumerken war, nicht leicht. Gegen Rostock, immerhin in der Tabelle unter den besten sechs Mannschaften, spielte er dafür so, wie es sich die Fans schon seit Januar von Starneuzugang Stefan Reisinger wünschen würden. Kommt bei Schmidt die Routine rein, wird er auch sich selbst noch öfters belohnen.

spielszene…mit dieser Leistung lässt sich dem Verein weder Söldnertum, noch absichtlich schlechte Leistungen vorwerfen. Spieler wie André Mandt oder Florian Ballas, junge Fußballer mit einem gewissen Talent, dass durchaus auch für höhere Aufgaben als die Dritte Liga reichen könnte, sind gute Beispiele. Für sie ist ein Abstieg in die Regionalliga mit Gewissheit nichts, was in der Vita auftauchen sollte – es schränkt die Wahl künftiger Arbeitgeber ein. Auf der anderen Seite sind es eben zwar fertig ausgebildete Fußballer, denen aber die Erfahrung fehlt. Die Folge sind auch desolate Auftritte wie etwa in Chemnitz, aber eben auch die unbeschwerten Leistungen wie gestern gegen Rostock.

…ein Sieg gegen Hansa Rostock war letztlich auch nicht mehr und nicht weniger als die zwingende Voraussetzung für einen Verbleib in der Liga, so unvorstellbar dieser auch weiterhin bleibt.

Auf diese Freuden folgt – nicht weil ich ein absolut freudenfeindlicher Mensch wäre oder masochistisch veranlagt wäre (wobei man das als FCS-Fan sowieso ist) – folgt dieses Wörtchen „aber“. Aaaaaaaber…

…es war auch nur ein Sieg. Der 1. FC Saarbrücken führt die Drittligatabelle weiter am falschen Ende an und die Zeit wird knapp.

…bei Abstieg braucht sich auch kein FCS-Fan Hoffnung zu machen, dass Spieler wie Patrick Schmidt, Manuel Zeitz, Florian Ballas oder André Mandt in der Regionalliga noch auf dem Platz stehen, wenn es zum vierten Mal nach Toppmöller um einen Neuanfang für die Blau-Schwarzen geht.

…ein Sieg kann auch nicht verdecken, dass die langfristigen Baustellen im Verein alles andere als gelöst sind. Zu nennen sind der Posten des Sportdirektors, der ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten von einzelnen Fraktionen oder auch Spielerberater Guido Nickolay mit einem externen Mann zu besetzen ist. Da Dieter Ferner hierfür rausfällt, scheint die Diskussion in den Hinterzimmern der Residenz-Hotels eröffnet.

90esrevival…selbst im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zeigen die Fans weiter ihre Schlafmützigkeit und jammern lieber über Baustellen, die sie kaum beeinflussen können, als die lang eingeforderte und nun benötigte Kreativität an den Tag zu legen (ich weiß, dass das nichts mit dem 2:0 gegen Rostock zu tun hat, aber ein wenig Polemik gegen unsere pomadigen Internetfans muss sein). Für Interessierte aber doch der LINK zur Aktion.

…im Zweifelsfall nutzen Argumente nicht viel, wo eine große Masse einfach Köpfe rollen sehen will. Diese urtypische Saarbrücker Verhaltensweise, in die das Vereinsumfeld so sicher mehrfach pro Saison fällt, wie es keinen Autobahntunnel in Saarbrücken geben wird, war schon unter Luginger, Sasic und deren Vorgängern zu beobachten. Um es auf den Punkt zu bringen: Verliert der FCS am Samstag gegen Duisburg, werden die Spötter sagen, dass der Sieg gegen Rostock nur das Leiden künstlich verlängert hat. Gewinnt der FCS gegen Duisburg, wird sich beschwert, dass die Mannschaft nicht früher mit dem Gewinnen angefangen hat. So ist das hier.

Und jetzt freue ich mich einfach mal über drei vielleicht wichtige Punkte.

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3 Antworten zu Einfach nur mal freuen?

  1. Hanseator schreibt:

    Ich gratuliere zum Sieg und drücke alle Daumen, dass ihr irgendwie noch die Kurve bekommt.

  2. Pingback: Endlich wieder mal im Ludwigspark: Hoffnung für den FCS? » Text & Blog – Das Weblog von Markus Trapp

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