Die fünf wichtigsten Duelle: 1. FC Saarbrücken – FC Hansa Rostock

200px-Hansa_Rostock_Logo_Neu.svg1. Der Zweckoptimismus gegen die Besiegelung des Abstiegs

Die Gewissensfrage: Bei jedem Abstieg des 1. FC Saarbrücken beginnt – sobald sich der Ligenwechsel abzeichnet – die Spaltung der Anhänger. Auf der einen Seite die Zweckoptimisten, die ihren unerschütterlichen, fast religiösen Glauben an das Gute und Wunder daran festhalten, bis zur letzten Minute der Mannschaft die vollste Unterstützung zukommen zu lassen. Auf der anderen Seite die Abschenker, die es vielleicht „schon gewusst“ hatten, die lautstark fordern, Verträge für die Regionalliga abzuschließen und sich in der Ursachenforschung versuchen. Da wird Präsident Hartmut Ostermann zum Schuldigen, der am 19. November 2013 noch als gottähnliche Gesalt über dem FCS-Umfeld schwebte. Halt nein, ist ja doch ein Spielerberater, der die Fäden zum Umwohle des Vereins zieht. Grüppchenbildungen innerhalb der Mannschaft? Oder doch Florian Kern und Claude Burgard? So sachlich die Ursachenforschung zum jetzigen Zeitpunkt beginnt, sie endet im anderen Extrem der Emotionälität und wird schnell unbrauchbar. Schade.

2. Die Winterneuzugänge gegen ihren eigenen Anspruch

Was haben wir gefeiert! Stefan Reisinger, letztes Jahr Torjäger bei Fortuna Düsseldorf und mit einer satten Million Euro bei transfermarkt.de gelistet! Juri Judt, ehemaliger Bundesligaspieler und zuletzt bei den Roten Bullen in Leipzig! Kevin Pezzoni, auch bundesligaerfahrener Stabilisator in der Abwehr! Mittelgroße Namen für die 2. Liga vielleicht, aber doch sicher Starneuzugänge für die 3. Liga.

Die Realität sieht eher enttäuschend aus: Reisinger scheint sowohl den Torriecher vergessen zu haben, als mit der Schnelligkeit der Liga überfordert. Ob er im Kopf schon bei seiner erst nach der Karriere anzustrebenden Rolle als Trainer stecken geblieben ist? Judt scheint hingegen derart außer Form, dass er seit dem Trainerwechsel von Milan Sasic zu Fuat Kilic nicht einmal dem 34-jährigen Martin Forkel die Rolle streitig macht. Kevin Pezzoni, in Darmstadt mit anständiger Leistung, ist gerade bei Zweikämpfen im Strafraum ungeschickt und verursachte bereits mehrfach Strafstöße. Leute, da muss mehr kommen!

3. Die Schiedsrichterleistungen gegen den FCS

Stegerers nicht gegebenes Führungstor in Darmstadt leitet dabei das nächste Thema ein: Das Pech mit den Schiedsrichtern. Thomas Stein, 31 Jahre alt und in dieser Saison erst mit sieben Regionalliga- und acht Drittligaeinsätzen, war der höchste Wächter des Regelwerks im Lilienspiel. Ein unerfahrener Mann, dem mehrere entscheidende Fehler unterliefen. Als der FCS zuletzt einige Male mit erfahreneren Spielleitern bedacht wurde, lief es durchaus besser. Ist die Lösung also, dass Hartmut Ostermann bis Saisonende beim DFB nur noch Bundesligaschiedsrichter ordert? Unwahrscheinlich.

Stattdessen sollte sich der 1. FC Saarbrücken bei allem Ärger zumindest auf dem Platz darauf besinnen, nicht den Ärger über vergangene Fehlentscheidungen auf jeden kommenden Schiedsrichter zu übertragen. Jedes Spiel beginnt in der Hinsicht bei null – und wer bekannt dafür ist, sich schnell provozieren zu lassen von Dingen, die er selbst nicht beeinflussen kann, macht sich für jeden Gegner noch verwundbarer.

4. Sebastian Pelzer gegen Marcel Ziemer

Die Beziehung von Sebastian Pelzer zum 1. FC Saarbrücken dürfte eine ganz besondere sein. Der gebürtige Trierer (Randbemerkung für Geographen: Trier liegt nicht in der Pfalz) spielte in der Jugend des FSV Salmrohr und Kaiserslautern, spielte ein Jahr im Mutterland des Fußballs bei den Blackburn Rovers und kam 2004 zu seinem Heimatverein Eintracht Trier. Am 22. Mai 2005 erlebte er im Ludwigspark den bittersten Karrieremoment – Abstieg mit der Eintracht. Pelzer blieb aber beim damals größten Rivalen der Römerstädter und heuerte als Linksverteidiger beim FCS an. Im Ludwigspark sollte er dann so heimisch werden, dass er dort seiner Freundin einen Heiratsantrag stellte. Den Abstieg des FCS ein Jahr nach der Eintracht sollte er nicht verhindern. Seit ist Pelzer Rostocker und nun bis zum Kapitän aufgestiegen.

Ein anderer ehemaliger Spieler „vom Feind“ scheint die letzte Hoffnung des Vereins zu sein: Marcel Ziemers Tore galten lange als die Lebensversicherung des Vereins. In diesem Jahr scheint es allerdings nicht auszureichen, was wohl auch daran liegt, dass Ziemer das Verletzungspech verfolgte. Die Hoffnung, dass es wenigstens in den restlichen Spielen für die entscheidenden Tore reicht, ist gering, aber sowas wie der Rettungsanker einiger FCS-Fans (siehe Punkt 1.).

5. Der Verein gegen die Professionalität

Meine im letzten Blogeintrag vor der kleinen Schreibpause gestellten Fragen bleiben aktuell:

  • Wie kann es sein, dass ein Verein mit einem der höchsten Etats der Liga in eine Saison gibt und einfach so die wichtigsten Spieler der Vorsaison ohne wirkliche Not ziehen lässt?
  • Wie kann es sein, dass Spieler mit schwerwiegenden Verletzungen oder Krankheiten, die ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, verpflichtet werden?
  • Wieso wird seit dem Abgang von Dieter Ferner die Stelle des Sportdirektors nicht neu besetzt?
  • Wieso bekamen/bekommen einzelne Personen im Verein (etwa Milan Sasic) eine derartige Machtfülle zugestanden?
  • Warum tauscht man während der Saison fast einen kompletten Spielerkader aus?
  • Warum gibt es immer noch kein Nachwuchsleistungszentrum?
  • Warum kann Fuat Kilic einen Monat nach Amtsantritt und mitten im Abstiegskampf noch einen weiteren Co-Trainer verpflichten?
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