Der erste Schritt

IMG_6144Regenwetter, roter Dreck an den Schuhen, der zweite Trainerwechsel der Saison. Auch beim Heimspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching gab es um 13.59 Uhr keine Anzeichen dafür, dass sich in den kommenden 90 Minuten etwas zum Besseren hin ändern würde. Wir FCS-Fans sind halt viel Elend gewohnt, dürfen viel schimpfen und tun dies auch. Der vierte Abstieg in zehn Jahren? Weder unter Luginger, noch unter Sasic besserte sich etwas. Und doch: Der Funke Hoffnung ist plötzlich wieder da. Auch wenn der 1:0-Sieg nur ein erster Schritt war und noch nicht sicher ist, ob der FCS das Ende erreicht.

Fuat Kilic heißt der neue Mann auf der FCS-Bank. Er versuchte es mit einer erwartbaren Formation. Allenfalls konnte man Florian Ballas, Manuel Zeitz und Stefan Reisinger die Eignung für die Startelf absprechen – wenn es nicht gerade einige der Spieler wären, die erst im Winter als Hoffnungsträger an Land gezogen wurden. Überraschend vielleicht, dass Taku Ishihara den Anpfiff von der Bank verfolgte, war er doch zuletzt einer von wenigen Aktivposten.

Es kam – wie so oft in dieser Saison – anders als erwartet. Keine zehn Minuten waren gespielt, als ein Freistoß von der rechten Seite von Reisinger nicht richtig erwischt wurde. Dafür stand Marcel Ziemer an der richtigen Stelle und brachte Saarbrücken in Führung: 1:0, Torhüter Korbinian Müller machte nicht den besten Eindruck. Der Treffer per Standard täuschte dabei nicht über einen stark veränderten FCS hinweg: Erstmals in dieser Saison ließen die Blau-Schwarzen nicht den Gegner das Spiel machen, sondern versuchten einen geordneten Spielaufbau. Kilics Wirkung mag vor allem eine psychologische gewesen sein, das geübte Auge bemerkte aber wohlwollend ein sehr konsequentes Verschieben, geschickte Positionswechsel und eine taktisch stark verbesserte Leistung. Auch die Spieler schienen Selbstsicherheit getankt zu haben: Die zuletzt unsichere Innenverteidigung aus Florian Ballas und Kevin Pezzoni war solide und gerade der lange Ballas zeigte endlich genaue Tacklings. Meist kam aber kein Hachinger bis vor das FCS-Tor, da auch Manuel Zeitz im Mittelfeld schon früh Angriffe abfangen konnte. Wo in den Vorwochen schon zu Spielbeginn Unsicherheit herrschte, war diesmal verbreitete sich ein Sicherheitsgefühl, wie es in Europa zuletzt 1991 herrschte.

Der D-Block. Auch in Heidenheim am Start?

Der D-Block. Auch in Heidenheim am Start?

Kurz vor der Pause hätte der FCS seine Führung noch ausbauen können: Der laufstarke Raffael Korte kam frei vor das Tor von Müller, entschied sich für einen Schuss statt einer Flanke auf den besser postierten Ziemer – und scheiterte. Korte polarisierte sicherlich – was eher daran lag, dass seine Vorstöße im Endeffekt immer an fehlender Genauigkeit scheiterten.

Direkt nach der Pause hatte Marcel Ziemer nach einem Fehler von Haching-Schlussmann Müller dann selbst die Gelegenheit, vorzeitig für Sicherheit zu sorgen – vergab aber diese Gelegenheit. Einige Spieler zollten dem intensiven Spiel der ersten Halbzeit Tribut und gaben in der Folge die Kontrolle über das Mittelfeld aus der Hand. Haching bestimmte nun den Spielaufbau, was einerseits zu einem starken Übergewicht an Eckbällen für die Gäste sorgte. Andererseits hätte der FCS in dieser Phase erst recht seine Konter besser ausspielen können. Eigentlich müssen.

IMG_6152Auffällig war gegen Ende der Partie vielleicht, dass die meisten Chancen für die Gäste eben nicht aus einem gelungen vorgetragenen Angriff resultierten. Sondern meist aus den wenigen, kleinen Unachtsamkeiten entstanden, die der FCS zuließ. Etwa wenn Timo Ochs kurz zu weit vor dem eigenen Kasten stand und den Ball gerade noch so über die Latte lenken konnte. Am Ende zitterte der FCS lange um den ersten Heimsieg seit Oktober – war aber nach dem Abpfiff des sehr souveränen Schiedsrichters Florian Meyer umso gelöster.

Der 1. FC Saarbrücken mag nach diesem Heimsieg nur wenig veränderte Voraussetzungen vorfinden: Zwar verringert sich der Abstand zur Nichtabstiegszone, aber man ist weiter Tabellenletzter und hat noch ein schwieriges Programm vor sich. Etwa am kommenden Wochenende beim Tabellenführer Heidenheim. Aber der erste Sieg eines Interimstrainers seit 2000 (Werner Melzer gegen die Stuttgarter Kickers) könnte zugleich der erste Schritt eines neuen Weges gewesen sein. Und diesen muss man gehen, will der FCS 2014/2015 noch in der Dritten Liga spielen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2013/14, 3. Liga, Erlebnisbericht, Rückrunde abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.