Nicht genug

niemals„Ich habe schon nach Gründen gesucht, heute nicht kommen zu müssen“, habe ich mehr als einmal Bekannte an diesem Samstagnachmittag sagen gehört. Öffentlich anschließen möchte ich mich nicht, wenngleich der unerbittliche Regen, die nicht betonierten Stufen und der nicht sehr angenehme Windstoß, der noch noch mehr Wasser in mein Gesicht befördert, sagten: Geh lieber. War ich des 1. FC Saarbrücken wegen gekommen? Ja, aber was ist der Verein im Jahr 2014? Mein zweiwöchentlicher Besuch bei Freunden? Ein personeller Aufbruch? Oder doch just a little bit of history repeating?

Der Stimmung weiter abträglich war die Entscheidung von Trainer Milan Sasic, Marcel Ziemer zunächst auf die Bank zu setzen. Neuzugang Stefan Reisinger, in Elversberg einer der Schlechteren, durfte im Sturmzentrum wirken. Überraschend (oder vielleicht auch nicht) wirkte auch Martin Forkels Einsatz von Beginn an, dieses Mal aber nicht als Sechser, sondern auf seiner ursprünglichen Position hinten rechts. „Wir müssen kämpfen, organisiert kämpfen, die Bälle erobern und dann Fußball spielen„, so Sasics für die Presse autorisierter Matchplan. Genauso kryptisch mutete seine Bemerkung über den Gegner an: „Stuttgart wird versuchen, vieles mit spielerischen Mitteln zu lösen. Ich denke, dass kommt uns entgegen.

Auf dem Platz sah das in der ersten Halbzeit nicht ganz so aus, wie ich es mir nach der Ankündigung vorgestellt hätte. Saarbrücken ließ den VfB Stuttgart durchaus spielen, stand aber in der Abwehr solide, sodass Kapitän Timo Ochs in der ersten Halbzeit relativ wenig zu Halten hatte. Die Schwaben hatten ihre Schwierigkeiten im Angriffsspiel, was der Sasic-Truppe eben nur bedingt entgegen zu kommen schien, da sie selbst nicht schnell genug von Abwehr auf Angriff umschalten konnte. Hohe und weite Bälle gab es selten zu sehen, dafür den Versuch, schnell und über wenige Stationen den Ball vor des Gegners Tor zu bringen. Das klappte zu selten. In einer Szene hätte Stefan Reisinger den weit herausgelaufenen VfB-Torhüter Odisseas Vlachodimos umspielen oder überlupfen können, um die Führung zu markieren. Er entschied sich für einen schlecht platzierten Pass und vergab so die beste Gelegenheit des FCS in der ersten Halbzeit.

IMG_6121Kurz nach dem Seitenwechsel kam die Entscheidung – wie bereits oft in dieser Saison nach einer Fehlentscheidung des Mannes an der Pfeife. Schiedsrichter Karl Valentin machte seinem Namen alle Ehre und zeigte für einen Rempler von François Marque außerhalb des Strafraums auf den Elfmeterpunkt. Alexander Riemann verwandelte zum 1:0 für die Gäste.

Danach hatte Milan Sasic ein Einsehen und brachte Marcel Ziemer, der in seiner ersten Aktion bereits Vlachodimos prüfte. Kurz danach gab es für den Wormser eine weitere Großchance und Ziemers Kollegen schienen mit dessen Einwechslung plötzlich wach und setzten Stuttgart II unter Druck. Martin Forkel versuchte mit Flanken den eingewechelten Thomas Rathgeber zu füttern. Der bereits in der ersten Halbzeit bemühte Taku Ishihara versuchte es mit Spielwitz und überraschenden Momenten, fiel dem Publikum dann aber eher dann auf, wenn er sich einen Fehler leistete. Etwa mit einer ins Toraus getretenen Ecke. Auch er scheint nun in Saarbrücken angekommen zu sein.

IMG_6118Die sich abzeichnende vierte Niederlage in Folge wurde beim Publikum kurz vor Ende weniger mit „Sasic-raus“-Rufen, denn mit Galgenhumor verarbeitet. Der F-Block wies auf die auch im Saarland populäre fünfte Jahreszeit hin und skandierte „Allez hopp!“ (Für Nicht-Saarländer: Das ist das saarländische Pendant zu ‚Helau!‘ oder ‚Alaaf!‘) und selbst die oft als humorlos abgestempelten Ultras der Virage Est stimmten in diesen Schlachtruf ein. Ebenso forderte das Stadion eine Rückkehr von Traineridol Horst Ehrmantraut – wohl wissend, dass selbst das keine Garantie für Erfolg ist.

Es war definitiv eine Steigerung auf spielerischer Ebene sichtbar. Der FCS 2014 ist taktisch nicht mehr auf „hoch und weit“ limitiert und selbst diese 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart II wäre zu einem früheren Saisonzeitpunkt noch eine Pleite gewesen, die ein wenig Hoffnung auf Besserung macht. Jetzt, Anfang Februar 2014, ist das nicht genug. Ohne zählbaren Erfolg füttert eine solche Leistung nur Durchhalteparolen derer, die sich noch nicht mit der Möglichkeit des Abstiegs abgefunden haben.

Das Augenmerk sollte – auf den Erfahrungen früherer Abstiege fußend – nun vor allem auf einer Sache ruhen: Jetzt darf der Verein auch bei Abstieg nicht seine treuen Fürsprecher verlieren. Wenn der sonst nicht für harsche Tiraden bekannte goalgetter13 eine längere Abrechnung mit Milan Sasic verfasst, sollten die Alarmglocken läuten. Der Verein ist dabei, das in den Ferner-Jahren aufgebaute Renommee, sein Tafelsilber, für die vage Aussicht auf Klassenerhalt zu verscherbeln. Er unterstützt einen Trainer, der sich mehr darum bemühte, den eigenen Status zu festigen, denn die Mannschaft voranzubringen. Das ist es nicht wert. Vertrauen kann der Verein nur zurückgewinnen, wenn er selbst bei Abstieg keinen Trainer mehr zum Alleinherrscher macht und sich voll darauf konzentriert, das Jugendleistungszentrum zu unterstützen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2013/14, 3. Liga, Erlebnisbericht, Rückrunde abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Nicht genug

  1. Pressechef der NWB schreibt:

    Bitte nicht den „Milan-Sasic-Walzer“ unterschlagen, der im F-Block intoniert (!) wurde.

  2. Kees Jaratz schreibt:

    Bedauerlich für euch, wenn ich den Fortgang des Sasic-Unternehmens lese. Und gleichzeitig staune ich einmal mehr, wie sehr ein Mensch in seiner Persönlichkeit gefangen ist. Einen Satz des Kollegen aus dem Forum, zu dem du weiterverlinkt hast, habe ich seinerzeit beim MSV auch gedacht. Sasic funktioniert nur in einem Verein, wenn er erfolgreich ist. Sobald es um Fehleranalysen auf der eigenen Seite geht, um Kritik, die es moderieren gilt, geht alles den Bach runter. Das in Kaiserslautern so, in Duisburg und nun bei euch. Ein Mann kann nicht aus seiner Haut.

    • Carsten schreibt:

      Am Donnerstag wird sich Sasic bei einem Fantreffen quasi direkt der Kritik stellen müssen. Gab es bei Euch Vergleichbares?

      • Kees Jaratz schreibt:

        Gab es. Das macht es gleichzeitig auch schwieriger, weil er von der Mentalität her eigentlich sehr auf der Fan-Seite mitschwingt. Er wirkt wie ein ehrlicher Arbeiter. Ich denke, was er in Deutschland wie erreicht hat, wird ihm immer wieder zum Problem. Er musste sehr an sich glauben und war auf sich gestellt. So hat er sich durchgesetzt und das glaubt er gelänge ihm auch in komplexen Zusammenhängen. Mit den Fans ist er immer gut ausgekommen. Er kommt von unten und man kann ihm abnehmen, dass er das noch weiß. Gerade deshalb bedauer ich ihn, dass er aus dem geschehen der Vergangenheit anscheinend keine Schlüsse zieht.

Kommentare sind geschlossen.