Ist Sasic schon gescheitert?

Foto: Leuchtturm/Oldforest.de

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Große Erwartungen, noch größere Enttäuschung. Der Auftakt zum Fußballjahr 2014 geriet für den 1. FC Saarbrücken zum Debakel, die 1:3-Niederlage bei der oft belächelten SV Elversberg versetzte Mannschaft und Umfeld einen Schlag in die Magengrube. Die Rückkehr von Hartmut Ostermann und das vermehrte Auftreten des Spielerberaters Guido Nickolay weckt Erinnerungen an die Chaosjahre 2006 und 2007. Ist Sasic also schon gescheitert? Der Versuch einer Analyse.

1. Die Kaderzusammenstellung

Auf dem Papier genießt Sasic eine Machtfülle, wie kein Trainer vor ihm – allein zwölf neue Spieler hat er bislang während der laufenden Saison verpflichtet. Viele von ihnen kommen vom Saarbrücker Spielerberater Guido Nickolay, der als de facto freiberuflicher Sportdirektor im Dienste des FCS unterwegs war und eine Liste von Spielern abarbeitete, die mutmaßlich von Sasic zusammengestellt wurde. Ob Nickolay wirklich alle Wunschspieler liefern konnte? Ob er nicht verfügbare Spieler mit Alternativen aus dem eigenen Portfolio ersetzt hat? Fragen, die nur er beantworten kann, aber im SZ-Interview nicht beantworten konnte.

Es ist also schwierig, Sasic aufgrund der Kaderzusammenstellung nach einem Spiel den schwarzen Peter zuzuschieben. Es fehlt zwar unter den Neuzugängen bislang ein Kandidat für die Schlüsselposition (die, die seit dem Abgang von Sven Sökler verwaist ist. Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr), aber noch besteht hier Zeit zum Handeln. Außerdem darf tatsächlich nicht von einem Ligaspiel auf die Fähigkeiten aller Neuzugänge geschlossen werden.

2. Der Führungsstil

Sasic wird oft ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Ein Vorwurf, der kritisch zu sehen ist, da gerade seinem Vorgänger mangelnde Strenge und Konsequenz zur Last gelegt wurde (auch von mir). Eine Fußballmannschaft im Wettkampf braucht gerade dann Disziplin, wenn interne Streitigkeiten drohen, die sportliche Leistung zu gefährden. Gerade das trat in der Vergangenheit oft ein. Unter Sasic wird dieses Verhalten konsequent sanktioniert.

Auf einer anderen Ebene ist eben diese Mentalität aber problematisch: Es fehlt ein Sportdirektor, der in der Hierarchie über Sasic steht und dessen Arbeit reflektiert. Die Nickolay-Lösung schien allen Beteiligten vielleicht eine pragmatische und unkomplizierte Variante, sie war aber tatsächlich die schlechtere, da sie eben keine Professionalisierung darstellte. Im Gegenteil: Wer soll Sasic denn bei dieser Position im Machtgefüge ehrlich und konstruktiv kritisieren, sodass dieser Kurskorrekturen vornimmt? Höchstens Ostermann, aber der ist bekanntlich kein Trainer oder Sportdirektor.

3. Die Tatik

Sichtbar werden Mängel an Sasics Arbeit an der Taktik des 1. FC Saarbrücken, die da lautet: Hoch und weit nach vorne. Während in den vergangenen Jahren eine komplexe Taktiklehre selbst Einzug in die Welt der Fußballblogs gehalten hat und selbst Sportjournalisten sich dem nicht entziehen können, scheint Sasic auf Altbewährtes zu setzen. Damit mag er zwar einzelne Spiele gewonnen haben und auch gegen taktisch überlegene Mannschaften überraschende Kontrapunkte gesetzt haben. Gerade auf direkte Konkurrenten – wie nun die SV Elversberg – wirkt diese Taktik aber wenig überraschend. Mit dem Ergebnis, dass Sasic den FCS verwundbar gemacht hat.

Sasic ist noch nicht gescheitert, er steht aber kurz davor. Vielleicht darf ich an dieser Stelle daran erinnern, wie der am Ende von allen Seiten kritisierte Jürgen Luginger es schaffte, zum Trainer mit der längsten Amtszeit der letzten Jahre zu werden. Manche werden darauf verweisen, dass es kein Geld für einen Trainerwechsel gegeben hätte. Dabei übersehen sie: Immer dann, wenn es für Luginger eng wurde, konnte er mit einer kleinen taktischen Innovation die große und auch gewünschte Wirkung erzielen. Eben daran sollte sich Sasic versuchen. Es ist der einzige direkte Ansatz, um vielleicht noch die Klasse zu halten.

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5 Antworten zu Ist Sasic schon gescheitert?

  1. Matthias schreibt:

    Über Kader/Spielerberater kann ich nichts sagen, da kenn ich mich nicht aus.
    In Sachen autoritärer Führungsstil denke ich, dass es nicht schlecht sein muss. Magath oder van Gaal waren damit durchaus erfolgreich, umgekehrt sind Freunde-Trainer auch nie ewig erfolgreich.
    Was die Taktik angeht so trifft es das auf den Punkt. Auch Bayern spielt mal nen langen Ball, aber ansonsten halten die sich an modernes Spiel. Damit sind Mannschaften heute erfolgreich bis in untere Ligen. Wenn der Trainer da nichts ändert, und den Eindruck habe ich nicht, wird der Klassenerhalt äußerst theoretisch.

  2. Stan schreibt:

    zunächst: sachlich, guter Einstiegs-Beitrag!
    Auch ich war gestern in Elversberg u. zog wie viele völlig frustriert u. enttäuscht davon.
    Klar, sehr oft erfüllen solche „Spitzenspiele“ nicht die Erwartungen.
    Aber das, was uns da geboten wurde war nix, gar nix!
    12 neue Spieler, mehrere Trainingslager, geheimes Training, frühzeitiges Zusammenziehen des Kaders bis hin zum neuen Trikotsponsor.
    Zu ziemlich alles wurde geändert. Und ??? Ergebnis ???
    Keine Spur von leistungsmäßigem Aufschwung. Ein schwaches Spiel von einer schwachen Mannschaft mit einer völlig indiskutablen Taktik.
    Aufbäumen, kämpfen — hat jemand von euch davon etwas gesehen?

    Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird. Von mir aus können noch 12 Spieler kommen. Ich muss sie nicht bezahlen, ihr sicher auch nicht. Und der klamme FCS ganz sicher auch nicht. Also sch…egal wie viel Geld hier verbrannt wird.
    Jetzt kann man es eh nicht mehr ändern. Dieser Trainer, den ich nie gewollt habe u. dem ich immer skeptisch gegenüber gestanden habe ist nun mal. Kostenfrei, dank Ostermann. Aber wie soll das weitergehen?
    Ganz ehrlich: mir inzwischen auch sch…egal.
    Dann halt im nächsten Jahr Regionalliga, vielleicht oben dabei gegen Homburg, Trier, Waldhof, Ulm, Offenbach, Worms, Hessen Kassel, Koblenz, Kaiserslautern II , Frankfurt II, Mainz II u. Hoffenheim II.
    Mir sind diese Teams doch 100x lieber als Halle, Erfurt, Burghausen od. Kiel. Und ob Stuttgart II od. Frankfurt II sch…egal.
    Aber zum Schluss mein ganz persönliches Fazit:

    Ein Trainer, der solche Bedingungen geboten bekommt – wo gibt es das noch???
    Ein Trainer, der solche Bedingungen geboten bekommt u. ein Spiel wie gestern abliefert, sorry aber der kann ganz sicher nix!

    • Carsten schreibt:

      „Zu ziemlich alles wurde geändert. Und ??? Ergebnis ???“

      Eben das ist der Punkt. Es wurde so „ziemlich alles“ geändert. Bis auf die Taktik. Und die passt nicht zu dem Spielermaterial, das Sasic verpflichtete und noch weniger zu den aktuellen Gegnern. Leider wird in vielen Sasic-Analysen zu wenig Zeit auf den Punkt Taktik verwendet.

  3. Milan Sasic schreibt:

    „Sasic wird oft ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Ein Vorwurf, der kritisch zu sehen ist, da gerade seinem Vorgänger mangelnde Strenge und Konsequenz zur Last gelegt wurde (auch von mir).“

    Nochmal die Definitionen der Wörter durchgehen. Autoritär ist keinesfalls gleichzusetzen mit Strenge und Konsequenz. Das sind total unterscheidliche Begriffe mit eben auch unterschiedlichen Bedeutungen. Man weiß, was du sagen willst, von der Wortbedeutung her ist es aber einfach falsch.

    • Carsten schreibt:

      Interessanter Kommentar, aber ich widerspreche. Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, weiß eigentlich auch warum ich jetzt meine Wortwahl verteidige. Strenge und Konsequenz werden nicht mit dem Führungsstil gleichgesetzt, sondern sind die logische Folge aus eben diesem, zumindest was die Rolle von Sasic als Trainer betrifft. Aber um den Duden zu Rate zu ziehen:

      „unbedingten Gehorsam fordernd“

      Das mag innerhalb der Mannschaft sogar zu den Grundprinzipien des Umgangs der Spieler mit dem Trainer gehören – ob dieser nun Luginger oder Sasic heißt. Das eigentliche Problem – und deshalb benutze ich ja überhaupt erst das Wort – kommt in anderen Beziehungen zum Ausdruck. Sasic scheint auch diesen unbedingten Gehorsam gegenüber allen anderen Beteiligten einzufordern, ob andere Trainer innerhalb des 1. FC Saarbrücken, ob Journalisten der saarländischen Medien usw. Dies steht auch direkt in dem Absatz unter jenem, den Sie zur Sprachkritik heranziehen. Aber noch einmal danke, dass ich aufgrund Ihres Kommentars noch einmal meinen Standpunkt besser herausstellen konnte.

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