Guido Nickolay, die Saarbrücker Zeitung und die verpasste Chance

227px-Saarbrücker_Zeitung_Logo.svgWenn es eine unausgesprochene Rangliste der umstrittenen Personen im Umfeld des 1. FC Saarbrücken geben sollte, wäre Guido Nickolay ein Kandidat für die ersten fünf Plätze. Der Spielerberater und Chef der Firma soccer and more aus Saarbrücken ist seit Jahren einer der wichtigsten Vertreter seines Metiers in Fußballdeutschland und entsprechend der Lage seiner Firma auch ein guter Geschäftspartner des 1. FC Saarbrücken. Aktuell sind elf Spieler des FCS laut transfermarkt.de Klienten von Nickolay, wird Testspieler Bryan Mélisse (SV Elversberg) verpflichtet, sind es derer zwölf.

Dass eine solche gute, gar vorherrschende Marktstellung aus mancher Sicht problematisch ist, bleibt nicht aus. Viele werfen Nickolay vor, eben auch Spieler zum 1. FC Saarbrücken zu lotsen, die leistungstechnisch nicht zum Verein passen. 2001/2002 hatte der FCS von der Berater-Firma Rogon überdurchschnittlich viele Spieler verpflichtet, darunter Sven Scheuer, Ante Covic oder Jonathan Akpoborie. Letzter entpuppte sich nach einem Einsatz als Sportinvalide. Der Rest ist bekannt. 2005/2006 wurden neun Spieler von Nickolays Firma vertreten. Auch dies endete mit einem Abstieg. Besteht der Zusammenhang? Er wird vermutet, allein die Beweise bringt keiner bei, denn dazu müsste man näher am Verein sein. Nun hätte allerdings der besagte Spielerberater in der Saarbrücker Zeitung die Chance besessen, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen. Aber genau dies gelingt ihm nicht.Im vor dem Spiel gegen die SV Elversberg erschienen Interview mit Michael Kipp herrscht ein sehr simples Weltbild: Es gibt gute und schlechte Spielerberater, Nickolay selbst ist natürlich einer der Guten. Das Wort „Philiosophie“ fällt einige Male, Fußball ist ein schöner Sport, Deutsche voll Missgunst und Neid. Nichts besonderes bis dahin. Interessant wird es dann, wenn über den Abstieg 2006 (fälschlicherweise steht in der SZ 2004) gesprochen wird und die Frage steht, wie sehr die Vorwürfe Nickolay getroffen haben:

Sehr. Wirklich sehr. Mir ist in der Stadt ganz schön viel Hass entgegen gepfiffen. Und das wegen der Halb- und Unwissenheit einiger Leute, die uns unwahre Dinge unterstellten – sie uns aber noch nie ins Gesicht gesagt haben.

Leider dreht sich die logische Nachfrage hier nicht um eben jene „Halb- und Unwissenheit“, mit der Nickolay nun gut aufräumen könnte. Es kommt die Frage „Wie weit ging der Hass?“, die auf inhaltlicher Sicht eher belanglos ist, aber Nickolay genug Gelegenheit gibt, sich als Opfer darzustellen. Ohne dass er über seine Rolle im Jahr 2005 wirklich referieren müsste.

Facebook-Angriffe gegen SR-Journalisten

Dass Nickolay eben nicht nur Opfer ist, sondern auch gut austeilen kann, kommt auch im Interview zur Sprache. Kipp fragt, warum Nickolay dem FCS via Facebook eine unfähige Personalpolitik unterstellt habe. Der Berater daraufhin: Er habe sich gegen das Bild des bösen Spielerberaters zur Wehr gesetzt, das nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen mit Manuel Stiefler (nun SV Sandhausen) und Lukas Kohler (wieder beim FCS) aufgekommen sei. Schade ist, dass man sich nicht näher den noch immer öffentlich einsehbaren Facebook-Texten von Nickolay widmet.

In einem gibt es neben dem sehr emotionalen Beginn: „Ich würde empfehlen, dass KEIN Trainer, der in den letzten 20 Jahren in einer der obersten 4 Spielklassen in Deutschland ein Engagement hatte, vom FCS verpflichtet wird…“, dann folgt eine Spitze gegen Vizepräsident Harald Ebertz: „Er ist mal in die Türkei geflogen… als er feststellte, dass soccer and more nun dort auch einen Mitarbeiter hat, kam er schnell zurück….“ Immerhin dann der Aufruf, persönliche Probleme ad acta zu legen und im Sinne des Vereins zusammenzuarbeiten. Natürlich endet dies mit einem Angebot am Ende, das für Nickolay nicht uneigennütig ist: „Berater gibt es schon lange, wird es noch lange geben und wenn man schon eine große Agentur vor Ort hat, sollte man vielleicht mal versuchen sie und deren Vorsprung zu nutzen…“

Neben diesem Text, gibt es noch einen weiteren, der im SZ-Interview keine Erwähnung findet. Nach einem kritischen, wenn auch nicht immer gelungenen Kommentar des SR-Journalisten Thomas Wollscheid haute Nickolay auf Facebook in die Tasten. Es entstand ein Kommentar, der durchaus unter der Gürtellinie ausfällt und deswegen nur verlinkt wird. Dazu hätte es gerne – auch wenn SZ und SR natürlich in Konkurrenz stehen – eine Frage von Michael Kipp geben können. Oder auch zwei.

Der „heimliche Sportdirektor“

Gegen Ende wird gibt es dann immer noch zwei Erkenntnisse, die das Interview liefert. Zunächst deutet Nickolay an, dass soccer and more „ihre Mitverantwortung“ für die FCS-Abstiege übernommen habe. Sprich: Finanzielle Entschädigungen. Über diesen Teil hätte ich mir auch durchaus mehr Information gewünscht. Vor allem darüber, ob es in Deutschland branchenüblich ist, dass ein Spielerberater auf diese Art und Weise Vereine für Abstiege entschädigt. War es nur die von Nickolay betonte Schuld gegenüber seinem Freund Hartmut Ostermann oder ein tatsächliches Eingeständnis, auch Fehler gemacht zu haben?

Zuletzt erfährt des geneigte FCS-Fan, sofern er es nicht bereits wusste, dass Nickolay im Auftrag des 1. FC Saarbrücken seine Kontakte genutzt hat, um eine Spielerliste abzuarbeiten: „Also haben wir telefoniert, uns mit Spielern und deren Beratern getroffen.“ Bekanntlich musste Nickolay in einigen Fällen da nicht so weit gehen.

Eine vergebene Chance

Das Interview mag vielleicht im richtigen Zeitpunkt der Versuch gewesen sein, sich der Person Guido Nickolay unvoreingenommen zu nähern, vielleicht sogar Vorbehalte aus Reihen der Fans abzubauen und Verständnis für das Metier des Spielerberaters zu entwickeln. Es reicht eben nicht, immer wieder zu betonen, dass man selbst auch Fan des 1. FC Saarbrücken ist.

Nickolay hätte für meinen Geschmack mehr Reflektion zeigen müssen, hätte sich vielleicht einsichtig zeigen können, dass wutschäumende Facebook-Beiträge gegen Journalisten kindisch sind und vielleicht hätte er noch das ein oder andere inhaltliche Statement fallen lassen können. Aber von uns weiß niemand, welche Fragen gestellt wurden, deren Antwort es nicht in das letztlich wohl autorisierte Interview gepackt haben. So wird alles beim Alten bleiben: Die Nickolay-Gegner bleiben, die Befürworter ebenso. Schade um diese vergebene Chance.

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