Rezension: Saarboteur 4

saarb4 Die Saarbrücker Fanszene steht nicht unter dem Verdacht, allzu häufig Fanzines unter die Leute zu bringen. In den Stadien hat gewiss ein Medienwandel stattgefunden, bei dem immerhin noch einzelne wackere Schreiber versuchen, nur auf Papier zu sagen, was im Internet schon gar in einem Meer der Belanglosigkeit untergehen würde. In diese Kerbe schlägt seit einigen Jahren der „SAARBOTEUR“, das sich ganz und gar dem Thema Groundhopping verschrieben hat. Kurz vor Weihnachten erschien die lang ersehnte vierte Ausgabe.

Knapp ein Jahr Pause deutet in einigen Fällen auf eine Kreativpause, in anderen auf Unlust und in ganz anderen Fällen darauf, Qualität statt Massenware liefern zu wollen. Im vorliegenden Heft findet der Leser von allem ein bisschen. Die Redaktion wurde noch einmal verstärkt, weswegen neben den Ursaarboteuren Landauer und Ray, dem erfahrenen Tim nun mit MW und Pommes (welcher die geringsten Anteile am neuen Heft hat) zwei Neuzugänge auf große Tour gehen. Entsprechend ist das Fanzine wieder ein Genremix.

Während Pommes sich noch sehr an Ray orientiert, aber schon solide über Erlebtes zu schreiben weiß, gelingt MW im Heft deutliche Farbtupfer zu hinterlassen. Das geht von sehr meinungsstarken Berichten, die sich an der Stimmung orientieren, hin zu einem lesenswerten Ausflug in den amerikanischen Nordwesten. Dass MW sich auch kleine Spitzen gegen Chefredakteur Ray leistet, lässt sicher den ein oder anderen Stammleser schmunzeln. Tim beweist hingegen in seiner Malta-Reise die klassischen Tugenden des erfahrenen Grundhoppers: Überlegt und das Wesentliche im Blick behaltend, obwohl das Umfeld einen für völlig geisteskrank halten muss, sich unter die Zuschauer beim Länderspiel Island U17 – Malta U17 zu mischen. Wenn man nicht gerade das Elternteil eines Spielers ist.

Sich treu geblieben sind die beiden Gründer Landauer und Ray. Bei Erstgenanntem führte ein längerer Auslandsaufenthalt in Botswana zu einer Fülle von Spielberichten, bei denen wohl der puristische Groundhopper schon fast die Frage stellen wird, ob die Grenze zum Hobbyfußball überschritten wurde. Der Blick auf die organisatorischen Eigenheiten des Fußballs in mehreren afrikanischen Staaten mag vielleicht zu eurozentristisch ausgefallen sein, aber er ist doch ungeschönt und authentisch. Es kommt dem oft beschworenen „Blick über den Tellerrand“ sehr nahe und bildet definitiv eines der Highlights der vierten Ausgabe.

Ray strauchelt hingegen in einigen Texten, in denen er selbst zugibt, dass zwischen Spielbesuch und Niederschreiben einige Wochen vergangen sind. Seine alte Vorliebe für lange Sätze gestaltet es in diesen Texten schwierig, die Leselust beizubehalten. Seine Stärken entwickeln sich dort, wo er selbst einem unscheinbaren Kick am Rande Luxemburgs noch die ein oder andere Beobachtung entlocken kann, sowie bei den exotischeren Reisen. Zum Glück ist der Vorrat an Sportplätzen im SaarLorLux-Raum nach vier Ausgaben des Saarboteurs doch so langsam erschöpft.

Was bleibt? Die alte Kritik am Layout, trotz des erneut gut gewählten Titelbildes bleibt. Der Saarboteur steckt zudem mehr in den Kinderschuhen, ist reicher geworden, wenngleich er sich nicht scheut, auch die eher mauen Spiele mit einem Platz im Heft zu würdigen. Groundhopper haben am Heft sicher ihre Freunde, ebenso sollten auch andere den Kauf nicht scheuen. Man wird vielleicht nicht 100 Prozent der Berichte lieben, aber es sind mit über 70 Seiten doch genügend Erfahrungen für viele verschiedene Geschmäcker beisammen. Drei Euro wirken angesichts der Mühen, Kosten und sonstigen Entbehrungen, die diese Redaktion aus purer Neugier und Lust am Fußball auf sich genommen haben, eher symbolisch.

Kontakt zur Saarboteur-Redaktion und Heftbestellung: saarboteur – at – web.de

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