Ich verstehe es nicht…

Dieser Spielbericht beginnt mit einer an alle Leser: Bitte erwartet keine Kritik am „Konzept Red Bull“ oder an der fehlenden Tradition von RasenBallsport Leipzig. Ein Interview mit einem Leipziger Fanblogger hat mir schon in dieser Woche den Vorwurf eingebracht, ich würde mich mit dem Feind fraternisieren. Davon abgesehen, dass dies der wahre Bullshit ist und dass es durchaus viel angebrachte Kritik an der Leipziger Filiale gibt (Unter anderem das, was der rotebrauseblogger „Schutzbehauptung“ des eigenen Geschäftsführers nennt): Viel von dem, was ich an Argumenten auf Twitter entgegnet bekam, war schlichtweg furchtbar peinlich. Für Fans von Traditionsvereinen. Zu platt, zu simpel und streng genommen könnte man die vorgebrachten Kritikpunkte auch auf circa 95 Prozent aller Erst-, Zweit- und Drittligisten anwenden: Gewinnorientierung, Geschäftsgebaren, Aufbau einer Markenidentität, Limitierung der Einflussmöglichkeiten aktiver Fans.

IMG_5805Umso interessanter fand ich in diesem Zusammenhang, dass der große Werbestand von Borussia Dortmund in der Europagalerie. Fast unbemerkt von Saarbrücker Empörung versuchte der Bundesligaverein dem Fußball-Entwicklungsland Saarland zu zeigen, was echte Liebe ist: Mit Gewinnspielen, Fanartikeln, natürlich alles in schwarz-gelb und kindgerecht. Empörung auf Saarbrücker Seite über fußballfernes Geschäftemachen? Nicht vorhanden, denn Red Bull war ja im Ludwigspark.

Wer an dieser Stelle noch mitliest und nicht bereits wutschnaubend zum Kommentarbereich gesprungen ist oder das Blog aus seinen Lesezeichen gestrichen hat, darf nun meinen Spielkommentar lesen. Aber auch hier die Bitte: Erwartet nicht viel. Selten hat mich ein Ergebnis so geärgert, frustiert oder mitgenommen, obwohl es sich schon vorher andeutete.

Und nun zum Spiel

IMG_5815Vor ziemlich vielen Zuschauern (die Anzeigetafel blendete die Anzahl verkaufter Karten ein. Tatsächlich waren auch viele unbekannte Gesichter im Ludwigspark unterwegs, aber definitiv nicht die eingeblendeten 11.194) bot Milan Sasic erneut eine durchaus überraschende Elf auf, in der Tim Stegerer mal wieder den Rechtsverteidiger geben durfte, Raffael Korte neben Martin Forkel der zweiten Sechser im Aufgebot war und mit Serkan Göcer, Philipp Hoffmann und Maurice John Deville eine der offensiveren Varianten im Mittelfeld zu Gange war. Mutig kann man das nennen. Und nach fünf Minuten sah es auch so aus, als würde dieser Mut belohnt werden: Marcel Ziemer spekulierte nach einem hohen Ball auf einen Fehler der Leipziger Abwehr und brachte den Ball im Tor der Gäste unter.

Die Klasse der Leipziger zeigte sich in den Minuten nach der Führung für die Hausherren. Statt überrumpelt zu wirken und das eigene taktische Konzept über den Haufen zu werfen, blieb die Truppe von Alexander Zorniger diszipliniert und zog ein Flügelspiel auf, wie es in dieser Saison noch keine Gastmannschaft im Ludwigspark zeigte. Manch einer wird sagen, dass die Leipziger Akteure gegen die langsameren FCS-Außenverteidiger Stegerer und Marque auch ein leichtes Spiel hatten – allerdings zeigte RB Leipzig auch ein außerordentlich hohes Tempo, was nicht jeder beliebige Drittligist hinbekommt. Schießt Geld Tore? Den Ausgleich gab es jedenfalls nach 15 Minuten, als eine Eckballvariante der Gäste aufging und Fabian Franke den Ball einköpfte.

Überlegen, aber nicht überlegt

Leipziger Fans

Leipziger Fans – zu wenig Tradition, sagt die Fachwelt

In der Folge blieb Leipzig aktiv, konnte aber trotz Überlegenheit und relativ guter Chancen kein weiteres Tor erzielen. Warum? An der FCS-Abwehr, mit Ausnahme von Timo Ochs, konnte es nicht liegen. Vermutlich ist das die Antwort, warum eben Heidenheim und nicht der vom österreichischen Zuckerbrausenkonzern unterstützte Verein an der Tabellenspitze steht: Den eher jungen Akteuren fehlt vor dem Tor das, was Fußballer gerne „Abgezocktheit“ nennen. Angriffe, die mit chirurgischer Präsizion ausgeführt werden, machen keinen glücklich, wenn der Ball am Ende nicht reingeht.

Der „Abgezockteste“ Saarbrücker ist hingegen wohl Marcel Ziemer. Der zog kurz nach Wiederanpfiff (so dass ich den Treffer erst später in der SR-Zusammenfassung sehen konnte) einfach mal aus gut 30 Metern ab – RB-Torhüter Erik Domaschke war noch nicht in der zweiten Halbzeit angekommen und sah nur zu, wie langgezogene Heber hinter ihm einschlug. Nach der 2:1-Führung gab es erstmals für etwa fünf Minuten ein Spiel zu sehen, wie der 1. FC Saarbrücken es durchaus hätte haben können: Schnelles Umschalten, gute Laufwege und Torchancen. Doch schon in der 53. Minute kam Leipzig durch Joshua Kimmich zum 2:2-Ausgleich. Zuvor scheiterte Denis Thomalla am – wie so oft – starken Ochs. Kurz darauf hatte auch die etatmäßige Nummer zwei der Leipziger, Domaschke, seine einzige starke Szene: Göcer scheiterte freistehend am Vertreter von Fabio Coltorti.

Stürmende Innenverteidiger

IMG_5816Nun war es wieder das alte Spiel: Leipziger Dominanz und ein FCS, der irgendwie ein leistungsungerechtes Unentschieden über die Zeit retten wollte. Klappte diesmal nicht: Tobias Willers, vor Saisonbeginn beim FCS im Gespräch, schoss in der 73. Minute das 3:2 für die Gäste, das auch zugleich das Endergebnis werden sollte. Willers ist übrigens Innenverteidiger.

Die Überschrift des Spielberichts auf der Seite des 1. FC Saarbrücken fasst es eigentlich treffend zusammen: „Leipzig zeigt sich effektiver – FCS unterliegt 2:3„. Die effizientere Mannschaft war dabei eigentlich der FCS: Aus drei Chancen zwei Tore erzielt. Da es aber eben nicht reicht, sich auf eine sehr wacklige defensive zu verlassen, war der Leipziger Sturmlauf am Ende effektiver.

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