Eine Mitgliederversammlung

IMG_5761Was ist für die größte Schwierigkeit bei diesem Artikel zur Mitgliederversammlung? Es ist etwas anderes, wenn man als stiller Beobachter schreibt, denn als jemand, der selbst mit einem Antrag bei der Veranstaltung vertreten war. Und schon im Vorfeld Werbung für einen Kandidaten für den Aufsichtsrat gemacht hat. Und wohl während der Aussprache die längste Redezeit am Mikrofon hatte, was mir bei goalgetter13 den Titel „Dauerfragesteller“ einbrachte. Als Selbiger bin ich nun auch dem Präsidium und Aufsichtsrat bekannt. Also möchte ich zur Mitgliederversammlung 2013 nur meinen Senf zu den Themen abgeben, die in diesem Blog noch unbedingt abgehandelt gehören.

Die Nichtwahl von Borgard und Klimmt

Auch wenn es hier seit Monaten in Anlehnung anderer bekannter Seiten als – nun aktualisierte – Übersichtsseite aufgeführt ist, möchte ich das Scheitern von Paul Borgard und Reinhard Klimmt bei der Aufsichtsratswahl nicht mit Häme begleiten. Sondern mit Erklärungsversuchen.

Dass Borgard es nicht schaffen würde, deutete sich für mich schon bereits in seinem Bericht an. Borgard versuchte fehlende Erfolge mit emotionalen Querverweisen wett zu machen. Vielleicht ist es Borgards Ruf oder fehlendes Charisma, aber es zündete einfach nicht. Daniel Hager zeigte später mit seiner Wahlrede, wie es funktioniert (Obwohl er in meinen Augen diese Rede nicht hätte halten müssen). Zudem schaffte es Borgard nicht, mit irgendwelchen Punkten aufzuwarten, die eine Wahl schmackhaft gemacht hätten. Er sagte, dass es ein Teil der „Kultur“ des Vereins wäre, den scheidenden Präsidenten in ein Kontrollgremium zu wählen. Das mag sein, aber so etwas kann man nicht als einziges Wahlargument vorbringen.

Bei Klimmt muss ich sagen: Ich war sehr überrascht, da ich nicht damit gerechnet hätte, dass es nicht für den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden reichen würde. Nach einigen Momenten schierer Ungläubigkeit machte sich bei mir ein etwas flaues Gefühl im Magen breit, was sich einerseits darauf gründete, dass ich in der Aussprache bereits mit mehreren Fragen bei Klimm über die Arbeit seines Gremiums nachhakte. Andererseits die langsam wachsende Erkenntnis: Einen 1. FC Saarbrücken ohne Reinhard Klimmt in einem Amt kenn ich nicht.
Für unsinnig halte ich die von vielen vertretene Haltung, dass Klimmts Abwahl eine „Schande“ sei oder dem Verein schaden könne. Demokraten müssen auch Wahlniederlagen akzeptieren und Klimmts Verhalten bei vergangenen Mitgliederversammlungen haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, einer kleinen Wahl für ein Kontrollgremium politische Dimensionen zu verleihen. Zum anderen: Hartmut Ostermann hat bekanntlich nicht nach Klimmts Abwahl – so geschockt auch er war – die Fahnen eingerollt. Der neue Aufsichtsrat hat das Präsidium im Amt bestätigt.
Klimmts Abwahl war sehr knapp und wäre meiner Meinung nach nicht eingetreten, hätte es einen zweiten Wahlgang gegeben. Klimmt hat die Wahl auch nicht wegen der beiden sogenannten „Fanvertreter“ Florian Kern und Claude Burgard verloren. Ich denke eher, dass es von Klimmt enttäuschte Vereinsanhänger waren, die ihm einen Denkzettel verpassen wollten (vor allem die Wiederwahl von Petry und Abel sehe ich als Beleg für meine These). Klimmt nahm dieses Risiko an und verschärfte es selbst noch einmal mit einer wenig versöhnlichen Haltung während der gesammten Versammlung, etwa beim Antrag über das Vereinslied. Er verzockte sich am Ende schlicht.

Die Wahl von Florian Kern und Claude Burgard

Neu-AR-Mitglied wird von der Nauwiesbande kritisch befragt.

Neu-AR-Mitglied wird von der Nauwiesbande kritisch befragt.

Gewinner des Abends waren die zwei Kandidaten, die im Vorfeld der Versammlung eben nicht auf die Unterstützung der Vereinsführung zählen konnten. Bei Burgard war die Wahl – wie ich es erwartet hatte – etwas knapper (51% der Stimmen), als es bei Kern (66% der Stimmen) der Fall war. Andere hatten mir in den vergangenen Wochen mit Argumenten wie „Der Kern ist denen zu jung“ oder „Der hat noch nix geschafft“ oder „Die wählen lieber einen Versicherungsvertreter“ versichern wollen, es käme genau anders herum. Das Ergebnis zeigt zum einen, dass diejenigen die sich wandelnde Altersstruktur des Vereins unterschätzt haben – schließlich haben sich die Mitgliederzahlen im Vergleich zu 2007 stark erhöht, was auch viele junge Neumitglieder bedeutet. Zum anderen halte ich das Votum für Kern für das Ergebnis eines sehr sichtbaren Wahlkampfs. Burgard setzte vor allem auf das Internet – und hier auf Facebook und ludwigspark.de. Kern bearbeitete das Internet mit eigenen Seiten, war aber auch im Stadion auf Stimmenfang.

Für beide ändern sich nun die Gegebenheiten. Sie sind nun Teil des Kontrollgremiums, das auch von den Neuen eine genaue Beschäftigung mit den Finanzen des Vereins und dem Vereinsrecht erfordert. Zudem hat gerade Reinhard Klimmt noch mal in der Aussprache betont, dass zu diesen satzungsmäßigen Aufgaben beim 1. FC Saarbrücken jeder noch etwas in den Aufsichtsrat mitbringt. Das sind Kontakte in die Wirtschaft und die Politik. Beides haben Burgard und Kern wohl nicht unbedingt im gleichen Maße wie ihre Kollegen. Ihr Vorteil ist der gute Draht in die Fanszene. Klimmt und Borgard konnten nur vom Podium die Fans immer wieder loben. Burgard und Kern haben jedoch genug Selbstvertrauen, um auch weiter den Austausch mit den Zuschauern zu suchen und Ideen von dort in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins – hier wollen beide anpacken – einfließen zu lassen. Daran werden sich die beiden in den kommenden drei Jahren messen lassen werden.

Revolution oder Entwicklung?

In der Presse wird diese Mitgliederversammlung als „Fan-Revolution“ dargestellt, was sowohl gute, wie schlechte Erinnerungen hervorrufen wird. Aber ist sie das überhaupt gewesen? Abseits der durchaus überraschenden Wahlen mit nicht sehr überraschenden Hintergründen ist wenig passiert, was auf eine „Fan-Revolution“ schließen lässt. Die im Vorfeld viel diskutierten Satzungsänderungsanträge aus der Basis wurden abgelehnt. Die Aussprachen waren so, ich sie mir eigentlich in jedem Jahr wünschen würde – auf sachlich hohem Niveau, sowohl auf Frage-, wie auch auf Antwort-Seite. Selbst Hartmut Ostermann, der in der Vergangenheit öffentliche Auftritte meist vermied, konnte bei seinem Comeback als Präsident auch viele Kritiker überzeugen, da er eine ruhige, zwischen den Fronten moderierende Art an den Tag legte und auch das Votum – so sichtlich es ihn mitnahm – akzeptierte. Die ungewohnte Lage nach der Mitgliederversammlung 2013 ist keine Revolution. Sie ist eine Entwicklung, die dem Verein nun viele Chancen bietet. Es lohnt sich.

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