Sasic-Truppe beendet Dreifach-Belastung

Stadion am Schwimmbad, Mettlach - vor Anpfiff

Stadion am Schwimmbad, Mettlach – vor Anpfiff

„Wir in der 3. Liga haben alles schlechte, was es im deutschen Fußball gibt. Wir haben die meisten Spiele und bekommen das wenigste Geld“, wurde Milan Sasic noch am Mittwoch von der Saarbrücke Zeitung zitiert. Verständlich, dass so eine Dreifach-Belastung aus 3. Liga (mit 20 Mannschaften), DFB-Pokal (wo erstmals seit fast 20 Jahren wieder ein Achtelfinale ansteht) und dem lästigen Saarlandpokal störend wirkt. Auch wenn nach dem Auftritt in Mettlach am Mittwochabend nach erfolgreichem Weiterkommen erst wieder im März 2014 ein lästiges Verbandspokalspiel angestanden hätte. Immerhin hat die Mannschaft ihrem Trainer genau das erspart.

Manch ein FCS-Spieler hätte wohl besser den Ratschlag befolgt und die Fußballschuhe ganz zu Hause gelassen.

Manch ein FCS-Spieler hätte wohl besser den Ratschlag befolgt und die Fußballschuhe ganz zu Hause gelassen.

Auf drei Positionen nahm Milan Sasic vor dem Achtelfinale im Saarlandpokal Änderungen vor: Für Kim Falkenberg durfte auf der Rechtsverteidigerposition Nico Floegel ran. In der Offensive kam Thomas Rathgeber herein, Talent Philipp Hoffmann nahm zunächst auf der Bank Platz. Und dann vielleicht die größte Überraschung: Für Martin Forkel, der in der Liga als „Sechser“ derzeit an seine Grenzen stoßt, kam der erst am Dienstag verpflichtete Julien Humbert zum Startelfdebüt. Der Franzose spielte bereits von 2006 bis 2008 beim FCS, war in der vergangenen Saison Ergänzungsspieler bei Hansa Rostock und war laut Sasic „seit Sommer nicht im Wettbewerb und kann deshalb noch nicht die optimale Fitness mitbringen.“ Der FCS-Trainer wechselte Humbert nach 108 Minuten aus.

An dieser Stelle möchte ich nun die Geschichte des Achtelfinals abkürzen. Der 1. FC Saarbrücken spielte von Beginn an nicht so, wie es sich für einen Drittligisten im Saarlandpokal gehört. Statt eines geordneten Spielaufbaus gab es irgendwann wieder lange, hohe Bälle nach vorne. In der 36. Minute war die Mettlacher Abwehr mal nicht auf dem Posten und die Braunschweiger Leihgabe Raffael Korte erzielte das zu diesem Zeitpunkt nach vertretbare 1:0 für den FCS. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause.

Keine Gegenwehr nach Ausgleich

Nach dem Seitenwechsel schien der in blauen Trikots angetretene Saarlandligist die klassenhöhere Mannschaft. Die Spieler des 1. FC Saarbrücken ließen all das vermissen, was im Verbandspokal eine Profimannschaft auszeichnet: Spielerisches Vermögen, Laufbereitschaft, Einstellung. Stattdessen verließ sich der FCS wie auch in der Liga darauf, dass Torhüter Timo Ochs – derzeit einer der wenigen echten Profis innerhalb der Mannschaft – alles ausbügelt. Gegen Mettlach war diese Taktik in der 61. Minute passé, als Salvatore Frenda der FCS-Abwehr und dem Linienrichter (der das Abseits übersah) enteilte und Ochs machtlos gegen den Treffer zum 1:1 war.

Nach der Mettlacher Führung

Nach der Mettlacher Führung

In der Folge zeigte sich der FCS nicht etwa besorgt um das Weiterkommen, sondern eher bewundernd für die Fähigkeit des SVM zum schnellen Umschalten – etwas, das an diesem Abend nicht vom Drittligisten zu erwarten war. Gefährlich wurde es gegen Ende der regulären Spielzeit nur durch Standardsituationen – und selbst hier zeigte sich der 1. FC Saarbrücken einfallslos. Mettlach bekam durch nachlässiges Verteidigen immer bessere Kontergelegenheiten und hätte den Blau-Schwarzen eigentlich in der Schlussminute den Knockout versetzen müssen. So quälten die beiden Mannschaften – die auch beide gut in der Saarlandliga spielen könnten – die anwesenden Zuschauer mit weiteren 30 Minuten Spielzeit bei frostiger Kälte.

Mischung aus Unlust und Unvermögen

Immerhin hatten die Spieler dann ein Erbarmen und ließen den SV Mettlach mit einem weiteren erfolgreichen Konter zum verdienten 2:1 kommen. Andreas Becker bekam von der FCS-Abwehr freies Geleit. In der Folge waren die Hausherren dem 3:1 stets näher als der FCS dem Elfmeterschießen. Spielerisch konnten auch die eingewechselten Philipp Hoffmann, Artur Schneider und Tim Kruse keine Akzente mehr setzen. Ob dies ausschließlich an fehlender Lust sah, bleibt mir rätselhaft – leider sahen viele Aktionen nach purem Unvermögen aus.

IMG_5743Nach dem Schlusspfiff strömten die einen zum Ausgang, während andere die Spieler sogleich auf dem Platz zur Rede stellen wollten. Mit markigen Worten wie „Dich will ich nicht mehr in unserem Trikot sehen!“ wurden die Spieler hinter eine Kette aus Polizisten gescheucht – ein Schlusspunkt, der verdeutlicht, dass auch die Fans nur mit Ohnmacht diesen Leistungsverweigerungen gegenüberstehen. Denn auch solche spontanen Wutausbrüche bringen nichts, außer dass manch einer es „den Ultras“ zu Lasten legen will, den Fußball und seine Fankultur weiter auseinanderzutreiben. Was bleibt ist jedoch ein Fazit, dass Forumsnutzer „goalgetter13“ treffend zusammengefasst hat:

„Im Kopf sind die nicht Vorletzter in der 3.Liga und scheiden im Saarlandpokal aus, im Kopf sind die großen Stars ohne punktverlust Erster und schießen Dortmund im Pokal aus dem Park.“

So lange selbst der Trainer mit wenig hilfreichen Äußerungen in der Presse diese Arroganz der Topverdiener im Kader stützt, sehe ich den FCS 2014 in der Regionalliga spielen. Trotz geringerer Belastung nach dem Ausscheiden im Pokal.

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