Der Profi

Bommer, kurz nach seiner Beurlaubung in Saarbrücken (Foto: MSV Duisburg)

Energie Cottbus hat den bisherigen Übungsleiter Rudi Bommer beurlaubt. Warum das für dieses Blog hier von Bedeutung ist? Die Leser aus den grauen Anfangstagen des Vorgängerblogs werden sich erinnern, dass ganz zu Beginn der Bloggerei eben jener Rudi Bommer die sportlichen Geschicke des 1. FC Saarbrücken leitete. Im September 2005 beerbte er den Einöder Horst Ehrmantraut und den kurzzeitigen Interimstrainer Fritz Fuchs.

Als Bommer nach der 0:4-Heimniederlage gegen die Offenbacher Kickers Anfang Mai 2006 seinen Hut nehmen musste, war das filmreifer Stoff. Bommer behauptete nach seinem Abgang gegenüber dem Kicker: „Präsident Hartmut Ostermann kam in der Halbzeit in die Kabine und hat mich in der Dusche gedrängt, Tamandani Nsaliwa auszuwechseln. Das habe ich, wie auf dem Platz zu sehen war, abgelehnt.“ Ostermann spielte den Ball zurück und warf Bommer vor, schon Verhandlungen mit dem MSV Duisburg geführt zu haben, während sich der FCS noch mitten im Abstiegskampf befand – ohne dies dem Verein mitzuteilen. Der scheidende Trainer hatte zunächst die Sympathien auf seiner Seite. Bis er dann erstaunlich schnell eine neue Anstellung in Duisburg fand.

Die Verklärung begann. „Der einzige Profi“ wurde Bommer von den Fans in Berichten des aktuellen berichts aus dem FC-Sportfeld gelobt, auch der ehemalige Fanbeauftragte schloss sich an. Dies mag durchaus nicht verkehrt sein, im Gegensatz zu anderen ehemaligen Trainern wie Didier Philippe oder Alfred Kaminski fand Bommer immer wieder Beschäftigung als Cheftrainer im deutschen Profifussball. Allein: Es wird vergessen, was Bommers Leistung in der Hinrunde war.

Beginnend bei seinem Amtsantritt am vierten Spieltag 2005/2006 (0:4 in Aachen) holte Bommer aus seinen ersten zehn Spielen fünf Punkte. Nur ein glücklicher Sieg in Unterhaching gelang Bommer bis zum 13. Spieltag. Bommer bekam natürlich die Freiheit, weitere Spieler zu verpflichten. Er lotste den ehemaligen FCK-Verteidiger Hany Ramzy, sowie den Mittelfeldmann Marcel Mahouvé nach Saarbrücken. Beide über 30, Ramzy zuvor fast nur noch dauerverletzt. Im Grunde lässt sich aus der Nachbetrachtung sagen: Abgestiegen ist der FCS damals schon in der Hinrunde. Auch Bommer hat seinen Anteil.

Und nun zurück ins Jahr 2013. Milan Sasic hat – ähnlich wie Bommer – viele Freiheiten bekommen. Das Sportfeld exklusiv für die Profis, ein neuer Trainerstab, zwei neue Spieler. Kein Wunder, wenn sich manch einer unangenehm an Bommers Amtsantritt erinnert fühlt. Brachte damals nämlich nichts. Der Unterschied zu Bommer liegt bislang darin, dass Sasic immerhin früher beginnt, Ergebnisse zu liefern. In den ersten sechs Ligaspielen unter dem neuen Trainer holte bereits sieben Punkte, zudem stellte das Erreichen des Achtelfinals im DFB-Pokal Mehreinnahmen sicher. Ein ganz anderer Trend also. Hoffentlich hält das auch an. Das wäre mir persönlich lieber, als dass nach einem weiteren Abgang eines erfolglosen Trainers dieser zum „einzigen Profi im Verein“ verklärt wird.

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