Aufgeregt und empört – Der Kartenvorverkauf

Der Kartenvorverkauf geht weiter - und die Diskussionen gehen wieder los.

Der Kartenvorverkauf geht weiter – und die Diskussionen gehen wieder los.

Warum eigentlich? Das Halle-Spiel war – zugegebenermaßen ärgere ich mich ebenfalls über den dürftig begründeten Handelfmeter, den Sascha Stegemann gegen den 1. FC Saarbrücken verhängte – ganz ordentlich. Reicht aber offenbar nicht als Diskussionsstoff aus. Die Mitgliederversammlung interessiert dann auch nicht so viele und urplötzlich kommt das DFB-Pokalspiel wieder. Das zwar erst im Dezember stattfindet, aber jetzt in die heiße Phase des Vorverkaufs startet. Also Phase II, in der es Kombi-Tickets für jedermann zu erwerben gibt.

Und natürlich gibt es wieder Anlass sich aufzuregen. Anlass, das heißt nicht unbedingt, dass es auch immer gute Gründe hierfür gibt.

1. Chaos, lange Warteschlangen etc.

Ein vorhersehbarer Reflex. Auf Bildern (wie hier bei SR-online.de) lässt sich gut sehen, dass es vermutlich lange Wartezeiten gab. Das sagt eigentlich wenig über die Organisation des 1. FC Saarbrücken aus. Es stand nirgendwo auf einer Ankündigung zum Kartenvorverkauf des Vereins: „Kommen Sie bitte alle gleichzeitig an die Kassenhäuschen, um gemeinsam für lange Wartezeiten zu sorgen!“ Es ist nur der typische Herdentrieb, wenn Menschen für ein Produkt anstehen, das als besonders rar wahrgenommen wird. Gab es beim Verkauf des letzten iPhones oder einer besonderen Kollektion irgendwelcher Discount-Modehäuser im Anschluss massenhafte Beschwerden über ein angebliches „Organisationschaos“? Ich würde mich wundern. Der 1. FC Saarbrücken macht nichts anderes – er bietet ein Produkt an, was begrenzt ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt halt frühstmöglich an den Verkaufsstand. So funktioniert es auf einem Markt.

Was man dem Vereins allenfalls vorwerfen darf: Er hat in der Sommerpause auf dem vorletzten Fantreffen die Einführung eines Online-Ticketing-Systems angekündigt. Und bislang nicht eingeführt. Vermutlich kennen viele, die sich nun über das  „Organisationschaos“ beschweren, nicht einmal diesen Umstand.

2. Die Kombitickets

Einige Käufer haben sich – laut Augenzeugen – an Kassenhäuschen des Ludwigsparks über das Kombiticket-System beschwert. Dieses führt dazu, dass Käufer einer Karte für den DFB-Pokal noch zusätzlich eine Karte für das Spiel gegen Münster oder Leipzig erwerben müssen. Was sie mit dieser Karte tun, ist freilich ihnen überlassen. Für eine Stehplatzkarte bedeutet dies 22 Euro Kosten für zwei Spiele, bzw. ein Spiel, wenn man sich die 3. Liga nicht antun will. Nicht übertrieben teuer: In Dortmund kostet der Stehplatz 16 Euro.

Noch unverständlicher für mich allerdings: Wieso kommt man extra zum Vorverkauf und beschwert sich dann über den Umstand, eine Zusatzkarte kaufen zu müssen? Es war längst bekannt – wer keine Zusatzkarte kaufen will, kann auch im freien Vorverkauf der Phase III seine Karte erwerben. Wer Angst hat, dann keine Karte mehr zu bekommen, muss eben in Phase II zuschlagen – daran führt kein Weg vorbei. Bei anderen Vereinen ist diese Praxis ebenfalls nicht unüblich – und sie ist an sich fairer als ein Topzuschlag, bei dem für nur ein Spiel mehr Geld bezahlt werden muss.

3. eBay

Indes haben sich die treuen blau-schwarzen Fans einen anderen Grund zur Ärgernis ausgesucht: eBay. Dort tauchen seit einigen Wochen Karten auf, deren Preise den dreistelligen Eurobetrag durchbrochen haben. „Schwarzmarkt“ heißt der Ruf und eigentlich habe ich sogar ein wenig Verständnis für die Empörung: Es wirkt nicht unbedingt wie die feine Art, dass einige Dauerkartenbesitzer oder Mitglieder ein paar Euro extra mit teuren Tickets verdienen wollen. Der Verein hat bereits öffentlich sein Einschreiten angekündigt.

Bei genauerer Betrachtung finde ich gerade diese Empörung übertrieben. Zunächst ist der Startpreis für Karten bei eBay meist bei einem Euro – dass die Preise am Ende bei mehr als 100 Euro liegen, ist also das Ergebnis der Wettbieterei einiger Auktionäre. Es ist nicht die Schuld des Verkäufers, wenn Käufer eben Unsummen für ein einfaches Pokalspiel bezahlen wollen. Und eigentlich finde ich es vom Verein auch inkonsequent, einerseits einzelne eBay-Verkäufer wegen ihrer Angebote anzugehen (obwohl die rechtliche Grundlage hierfür eher dünn sein dürfte), während das Thema Viagogo komplett ignoriert wird. Dort wurden, wie Viagogo selbst bestätigte, Karten von „Werbepartnern, Sponsoren und ähnlichen Gruppen“ eingestellt – nicht zum Prinzip der Preisbildung über den Markt, sondern vor offiziellem Verkaufsstart mit Phantasiepreisen. Ich persönlich empöre mich eher über die Verfahrensweise bei Viagogo – als über Leute, die bei eBay unsinnige Gebote abgeben.

Natürlich wird der ein oder andere überrascht sein, an welchen Stellen ich – der sonst gerne Kritik übt – den Verein hier verteidige. Aber ganz im Ernst: Ich freue mich darauf, den 1. FC Saarbrücken zum ersten Mal in meiner Fankarriere im DFB-Pokalachtelfinale zu sehen – und das können mir nur wirklich triftige Gründe vermiesen.

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Eine Antwort zu Aufgeregt und empört – Der Kartenvorverkauf

  1. Necaro schreibt:

    Ganz ehrlich ? RIESEN – Kommentar !!! Vielen Dank, und schön dass es auch noch etwas Anderes gibt als diese ewigen Pessimisten, die immer und überall einen Grund suchen sich über alles und jeden aufregen zu können !

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