Der FCS nach Milan Sasic

Foto: Leuchtturm/Oldforest.de

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Mitte September hat Milan Sasic das Amt als Trainer des 1. FC Saarbrücken übernommen. „Feuerwehrmann“ oder „Schleifer“ sind Rufe, die dem 55-jährigen Kroaten meist vorauseilen. Als Reformator wurde er weder in Kaiserslautern, noch in Duisburg bekannt. Im Saarland zeigte Sasic in den wenigen Wochen nach seiner Amtsübernahme bislang ungewohnte Züge. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger scheint Sasic konkrete Vorstellungen für einen FCS im Profifußball zu haben. Für den 1. FC Saarbrücken bedeutet dieser Umstand zugleich Chance wie Risiko.

Zunächst brachte Sasic einen neuen Co-Trainer mit – ein branchenüblicher Vorgang. Der Deutsch-Türke Fuat Kilic kam mit sieben Jahren in den Westerwald, spielte bei Vereinen wie Wirges und Roßbach. Später entschied er sich für ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln und absolvierte die Trainerausbildung – zusammen mit Sasic. Er wurde schließlich sogar Lehrbeauftragter der Trainerschmiede, bis Sasic ihn als Co-Trainer nach Kaiserslautern holte. Kilic, der ähnlich wie Sasic nach Deutschland kam und über den Amateurfußball ins Profilager aufstieg, ist als fachlich kompetent anzusehen. Und hat alleine schon aufgrund der guten Ausbildung einen Vorteil gegenüber Andreas Fellhauer – dem ja nicht einmal die Tätigkeit als Interimscoach anvertraut wurde.

Fellhauer raus, Kling rein

Stattdessen wurde Fellhauer zum „Teamkoordinator“ ernannt. Für Verwirrung stiftete der Verein, als er nur zwei Wochen später Stephan Kling zum neuen Teamkoordinator ernannte. Der ehemalige Bayern-Verteidiger spielte zwischen 2005 und 2007 in Saarbrücken und hatte immer wieder mit Verletzungen zu hadern. Nach seinem frühen Karriereende war er laut FCS als Teammanager in Homburg und Scout in Kaiserslautern aktiv – freilich wohl nicht allzu lange, um wirklich in diesen Positionen aufzufallen. Es scheint so, als erhoffe sich der FCS eine erfolgreiche Kopie des Elversberger Models. Dort wurde Ex-Profi Ronald Benschneider erst Teammanager, dann Sportdirektor. Allerdings führte dies auch mitunter zu Streitfragen um die Aufteilung der Kompetenzen zwischen Trainer und Sportdirektor. In Saarbrücken kommt hinzu, dass Klings Vorstellung angesichts der Degradierung von Fellhauer nicht glücklich wirkte.

Ähnlich wie Kling ist auch die Verpflichtung eines Videoanalysten eher überraschend erfolgt – obgleich dies nicht mit einer Degradierung anderer einherging. Alex Andone-Grommes wurde als Neuzugang für das Trainerteam mit den Aufgabenbereichen Scouting und Videoanalyse vorgestellt. Bis auf eine angebliche Zusammenarbeit mit Urs Siegenthaler, ist Andone-Grommes ein unbeschriebenes Blatt. Der erst 27-jährige kickte in der Bezirks- und Kreisliga und ist ausgebildeter Sportwissenschaftler. Wie für Kling bedeutet für Andone-Grommes das Engagement in Saarbrücken eine Chance sich im Fußball-Geschäft zu beweisen und erste Verdienste zu sammeln. Die Fallhöhe ist dabei nicht wirklich vorhanden.

Ärger um die Jugend

Für richtige Verstimmung sorgte dann erst eine andere Maßnahme, in der Sasic von Präsident Ostermann freie Hand bekam. Der Umzug der ersten Mannschaft ins Sportfeld, über den Oldforest.de zuerst berichtete, wurde öffentlich als Affront gegenüber der Jugendabteilung wahrgenommen. Zudem hatte es fast etwas von einem Schildbürgerstreich: Die erste Mannschaft, die keinen Fußweg mehr zum Trainingsfeld beschreiten muss und die Jugendabteilung, die aus dem frisch sanierten Haus geworfen wird. Öffentlich sah sich der Verein veranlasst, am Montag in einer Pressemitteilung auf die Umstrukturierung einzugehen. Zwischen den Zeilen liest es sich wie eine Replik auf den Beitrag auf Oldforest.de, der zumindest darauf schließen lässt, dass Dennis in seinem Blog ein wenig den Nerv des Vereins getroffen hat.

Alles oder nichts

Die genannten Fakten zeigen: Selten hatte ein Trainer so kurz nach Amtsantritt während einer Saison eine ähnliche Machtfülle wie Milan Sasic. Mit allen – für den Moment – unangenehmen Folgen. Dies wird nun unterschiedlich interpretiert. Wer von der Behäbigkeit des späten Lugingers schon bis zur Weißglut gereizt war, setzt seine Hoffnungen in Sasic. Ein erfahrener Profi, der einen Haufen von Amateuren auf Vordermann bringen soll. Einer, der im Gegensatz zum beurlaubten Trainer konkret weiß, was er will. Andere fühlen sich unangenehm an die Abstiegsjahre erinnert. Viele vermeintliche Retter installierten kurzerhand ihre eigene Entourage, mit langfristigen Verträgen. Ein Trainer als Alleinherrscher, der Umstände halber. Bei Sasic dürfte es – ganz simpel – vom Ausgang dieser Spielzeit abhängen. Gelingt der Klassenerhalt, kann Milan Sasic dem FCS weiter nach seinen Vorstellungen professionalisieren. Doch der Einsatz könnte bei einem Scheitern schlicht zu hoch gewesen sein.

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2 Antworten zu Der FCS nach Milan Sasic

  1. Kees Jaratz schreibt:

    So weit ich den Werdegang in Duisburg einschätze, kann Milan Sasic nicht aus seiner Haut. Er nutzt seine Machtfülle sicher im besten Wissen und Gewissen, um den Erfolg für den Verein zu erreichen. Er braucht ein Umfeld und Spieler, die absolut loyal zu ihm stehen. Krisen aber, In Duisburg scheiterte er aber wie in Kaiserslautern daran, dass er in Krisen keine Handlungsmöglichkeit besitzt, die in solchen Situationen unweigerlich auseinander treibenden Kräfte zusammen zu halten. Anscheinend stößt er schnell an seine Grenzen, Konflikte zu moderieren und zu kanalisieren, wenn er das Gefühl bekommt, jemand agiert nicht, so wie es ihm vorschwebt. In Vereinen mit beschränkten finanziellen Mitteln werden solch moderierenden Fähigkeiten aber irgendwann mit Sicherheit gebraucht. Bis es dazu kommt, aber nur das Beste gewünscht. Sagen wir mal, mit Ausnahme von dem einen Tag dieses auch mich sehr interessierenden Heimspiels von euch. 😉

    • Carsten schreibt:

      Interessanter Kommentar. Wenn dem so ist, sehe ich die Gefahr, dass Sasic nicht schnell genug Erfolg hat. Bislang ist seine Bilanz zwar besser als die von Luginger, aber noch nicht gut genug, um aus dem Keller herauszukommen. Da wächst die Gefahr, dass unser ungeduldiges Umfeld zu einer Kettenreaktion beiträgt.

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