Kommentar: Rückschritt statt Rücktritt

Foto: oldforest.de

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Paul Borgard ist als Präsident zurückgetreten, der Aufsichtsrat hat als seinen Nachfolger den Vorvorgänger eingesetzt: Hartmut Ostermann ist wieder Präsident des 1. FC Saarbrücken. Was heute wohl erst öffentlich verkündet wird, fand die Saarbrücker Zeitung (SZ) durch Recherche heraus.

So weit die Fakten. Für eine kränkelnde Vereinsführung scheint die Wiedereinsetzung von Ostermann der letztmögliche Befreiungsschlag. Nach Hinschbergers Abschied im Streit, der sportlichen Misere und der faktischen Entmachtung des Präsidiums bei der Besetzung des Trainers war es eigentlich nur konsequent, dass Paul Borgard den Posten räumt. Er wird in die Geschichte eingehen als der Mann, der wohl nie wirklich Präsident werden wollte und es auch nie wirklich war. Warum er nun in den Aufsichtsrat will, also das Aufsichtsgremium für den Präsidenten, ist mir ebenso schleierhaft wie die Tatsache, dass es vom Saarländischen Rundfunk (und zunächst auch der SZ) so vermeldet wurde, als würde er in dieses Gremium „wechseln“. Darüber haben die Mitglieder zu entscheiden, auf einer Mitgliederversammlung.

Eben diese dürfte das Hauptmotiv für den Wechsel im Präsidum sein. In diesem Jahr wird der fünf- oder siebenköpfige Aufsichtsrat neu gewählt, mit Florian Kern, Claude Burgard und (vermutlich) Claudio Mariotto gab es drei von Ostermann unabhängige Kandidaten im Rennen, noch bevor die aktuelle Vereinsführung Namen präsentieren konnten. Reinhard Klimmt ist immer deutlicher unter Druck geraten – Ostermann ist für ihn die Flucht nach vorne. Die Neuwahl des Präsidenten noch vor der Mitgliederversammlung zu stellen, ist dabei kein sehr demokratieverliebtes Vorgehen.

Aber auch die Spontanumfrage auf ludwigspark.de, bei der aktuell mehr als zwei Drittel der Seitenbesucher Ostermanns Rückkehr auf den Chefposten begrüßen, dürfte die Vereinsführung beruhigen. Wie in der Politik in Krisenzeiten das Bewährte, also die Koalition aus SPD und CDU, gewünscht wird, so sorgt Ostermann für Besänftigung. Er ist das vereinigende Element des Vereins, die große Koalition in Saarbrücken.

Ostermann wird sich Fragen gefallen lassen müssen: Wird er wieder sportlichen Einfluss nehmen wollen? Wird er Getreue wie Dr. Bernd Coen oder Dominique Rossi wieder in Vereinsfunktionen installieren? Treibt ihn die Liebe zum 1. FC Saarbrücken an oder eher das beschädigte Ego, dass nun Frank Holzer mit der SV Elversberg sportlich und in der Infrastruktur am großen FC vorbeizieht? Ostermanns Stil war es bislang, die Antworten auf solche Fragen stets auszusitzen. Dies gelang ihm dann, wenn es dem Verein auch sportlich gut ging. Ob der von Fans viel beschworene Wandel eintritt und Ostermann aus seinen Fehlern gelernt hat, darf bezweifelt werden. Er war die vergangenen sechs Jahre nie wirklich weg. Er hat nur andere in die erste Reihe treten lassen.

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