Gastbeitrag: Pokalmannschaft?

Frederic Graus ist Redakteur beim Leuchtturm, hat bereits beim Spiel gegen Elversberg mit einem Gastbeitrag das Blog bereichert und hat nun den Sieg gegen Paderborn unter die Lupe genommen. Wird der FCS zur Pokalmannschaft?
Foto: Jarlhelm (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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Bereits jetzt steht fest, dass sich der Einkauf von Thomas Rathgeber gelohnt hat. Mit seinen zwei Treffern in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den SC Paderborn beschert er dem 1. FC Saarbrücken den nächsten Zahltag. Nachdem der Verein in den ersten beiden Runden insgesamt 350.000€ (Zuschauereinnahmen nicht einberechnet) einstreichen konnte, dürfte das Herz von Schatzmeister Weller ein weiteres Mal höher schlagen. Denn der Achtelfinal-Einzug bringt dem FCS mindestens 535.000€ Mehreinnahmen. Sollte Bundesjogi dem FCS einen attraktiven Gegner bescheren (Auslosung am Sonntag in der ARD, 18 Uhr), winken sogar 790.000€ plus Zuschauereinnahmen, da dann das Spiel womöglich im Free-TV übertragen wird. Der 1. FC Saarbrücken wird in dieser Saison mindestens knapp 900.000€ im Pokal erspielen. Rechnet man die Zuschauereinnahmen hinzu, könnte die Grenze von einer Million Euro sogar geknackt werden.
Als letzter verbliebener Drittligist im Wettbewerb sieht man sich zehn Bundesligisten und fünf Zweitligisten gegenüber gestellt. Unter diesen verweilen immer noch unattraktive Gegner wie der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, der SV Sandhausen oder der FC Ingolstadt. Der Großteil der blau-schwarzen Anhänger liebäugelt vermutlich mit einem Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern, der auch schlagbarer als eine Bundesliga-Truppe erscheint. Sicher sind zum jetzigen Zeitpunkt nur zwei Dinge: Am 3. oder 4. Dezember wird es auf jeden Fall eine weitere DFB-Pokal-Begegnung im Ludwigspark geben, in der es für den FCS um weitere 1.125.000€ gehen wird.

Dass sich die Chance auf das richtig große Geld überhaupt erst ergeben hat, war vor dem Spiel gegen den SC Paderborn relativ ungewiss. Die Verletztenliste beim FCS machte jedenfalls keine Hoffnung auf eine Überraschung. Neben Marcel Ziemer, Nils Fischer und Andreas Glockner musste nun auch Kevin Maek ersetzt werden, der mit einem Kreuzbandriss mindestens sechs Monate ausfallen wird.
Milan Sasic, dem die Idee zum 4-1-4-1-System „nachts im Bett“ kam, setzte auf die Jugend und stellte mit Arthur Schneider und Philipp Hoffmann zwei Spieler ohne große Pokalerfahrung in die Startaufstellung. Bekanntermaßen ging der Plan des kroatisch-serbischen Fußballlehrers auf. In der ersten Halbzeit bekamen die Zuschauer nach der Bremen-Vorstellung die beste Leistung in dieser Saison zu sehen. Fehlten wenige Tage zuvor gegen die Zweitvertretung der Dortmunder Borussia noch die Akzente im Offensivbereich, so wurden diese im Spiel gegen Paderborn reihenweise geliefert. Besonders schön war die Kombination anzusehen, die dem 2:0 vorausging. Dem an diesem Tag mehr als abgezockten Rathgeber war anzusehen, dass er diesen schönen Spielzug unbedingt vollenden und nicht etwa einen Elfmeter herausholen wollte – es sollte ihm gelingen.
Im zweiten Durchgang wurde den Anhängern schnell klar, dass es bis zur Überraschung noch ein hartes Stück Arbeit sein würde. Paderborn erhöhte den Druck – und das Saarbrücker Publikum die Unterstützung. Unschön würde es, als Manuel Zeitz bei seiner Einwechslung von einem Großteil des Publikums ausgepfiffen wurde. Nach seinen beim FCS gezeigten Leistungen hatte er das jedenfalls nicht verdient.
Auf dem Platz konnte der Ex-Saarbrücker Mahir Saglik (spielte 2006/07 beim FCS) nach Abstimmungsschwierigkeiten im Defensivabteil der Blau-Schwarzen auf 2:1 verkürzen. Nicht wenige Fingernägel wurden ab diesem Zeitpunkt stark beansprucht.

Als es dann aber geschafft war, ließ Sasic im Interview nach dem Spiel keine Zweifel offen, was er von seinem Team erwartet: „Wenn einer denkt, dass er wird verlieren, der soll zu Hause bleiben“.
Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft diese Einstellung auch heute gegen den SV Darmstadt 98 auf den Platz bringen kann. Sie sollte schnellstens unter Beweis stellen, dass sie nicht nur eine Pokalmannschaft ist, sondern auch in der Liga überzeugen kann.

Frederic Graus

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