Hinschbergers Rücktritt und was er bedeutet

hinschbergerHorst Hinschberger ist gestern als Aufsichtsratsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des 1. FC Saarbrücken zurückgetreten. Laut dem Saarländischen Rundfunk sei das „Vertrauensverhältnis innerhalb des höchsten Vereinsgremiums sei empfindlich gestört“. Deswegen sei eine professionelle Zusammenarbeit nicht mehr weiter möglich. Und Wumms. Ein lauter Abgang, der so vor wenigen Wochen wohl noch nicht so für Aufsehen gesorgt hätte.

Dass Hinschberger im Verein durchaus Differenzen mit Präsidiumsmitgliedern hat, ist wahrlich nichts neues. Von daher wirkt der Abgang auch ein wenig kalkuliert. Allerdings heißt es auch aus vereinsnahen Kreisen, Hinschberger habe von der Beurlaubung von Jürgen Luginger erst aus der Presse erfahren. Ein Vorgang, der mal wieder sinnbildlich für vieles steht, was im Verein falsch läuft. Und das ist so unnötig, wie so manches aktuelle Präsidiums- und Aufsichtsratsmitglied.

Der Blick auf die letzten fünf Jahre FCS zurück zeigt, dass gar nicht mal alles grundverkehrt gemacht wurde. Unter Dieter Ferner kehrte Professionalität ein, unter Jürgen Luginger kam der Verein zeitweise dem Aufstieg in die 2. Liga nahe. Im DFB-Pokal ist der Verein Dauergast. In der Jugendarbeit ist der FCS wieder auf einem guten Stand, einige Kicker haben den Sprung in den Profifußball geschafft. Ein Jugendleistungszentrum kommt. Der Ruf vom Skandalverein in Sachen Fanszene wurde nicht beseitigt, aber immerhin durch viele Initiativen – auch aus der Fanszene selbst – verbessert.

Das Problem: Die fünf Jahre wurden nicht genutzt, um professionelles Verhalten auch ins Präsidium oder in den Aufsichtsrat zu bringen. Machtkämpfe werden weiter – teils offen, teils verdeckt – ausgetragen. Ämter werden in der Regel so vergeben, wie es dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klimmt passt. Dass diese amateurhafte Haltung dem Verein in seiner Gesamtheit schadet, zeigen die schier endlose Geschichte um das Stadion, wie das PR-Debakel beim Pokalspiel gegen Schalke. Es lähmt den Verein an vielen Stellen. Und ich frage mich ernsthaft: Soll ich als Vereinsmitglied diesen Leuten das Recht überlassen, die Sparte Profifußball einfach so ausgliedern zu können? Da bekomme ich Angst und Bange.

Wahrscheinlicher werde ich mich aber mit der Frage auseinandersetzen müssen: Will ich, dass Horst Hinschberger künftig wieder den Verein führt? Aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten ist oft zu hören, dass er gerne wieder zurückkäme. Unter seiner Führung gab es durchaus Bewegung, seine dem Fußball gegenüber unvoreingenommene Haltung stieß vieles in die richtige Richtung. Andererseits war es nicht wirklich schwierig, nach Hartmut Ostermanns Präsidentschaft für neue Impulse zu sorgen. Die Stadionfrage konnte Hinschberger in seiner Amtszeit nicht lösen. Und will er den Verein wieder übernehmen, bleibt die Frage: Ist er ein Präsident von Ostermanns Gnaden? Wie wir seit dem vergangenen Fantreffen wissen, hält Victor’s die Marketingrechte am Verein. Das ist ein Pfund, mit dem sich bei der Vergabe von Ämtern wuchern lässt. Es bleibt abzuwarten, ob Hinschberger den Schritt wagt – und welche Lösungsvorschläge er mitbringt.

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