Gastbeitrag: König der Saar-Derbys

Frederic Graus ist Redakteur beim FCS-Fanmagazin Leuchtturm und war zuvor Blogger. Für einen Gastbeitrag im FCSBlog 2.0 kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und stellt Überlegungen an, ob sich ein Spiel gegen Elversberg denn wie ein wirkliches Derby anfühlt.
Derby-Stimmung? Foto: Oldforest.de/Leuchtturm

Derby-Stimmung?
Foto: Oldforest.de/Leuchtturm

Derby oder kein Derby? Darüber wurde im Vorfeld der Partie gegen die Sportvereinigung Elversberg viel diskutiert. Zwar existiert der Verein bereits seit 1907, die Fanmassen übersteigen aber auch mehr als 100 Jahre später nicht den dreistelligen Bereich. Das dürfte spätestens beim Anblick des Gästeblocks am Samstag deutlich geworden sein: Gerade einmal 250 SVE-Anhänger versammelten sich dort. Bei diesem Anblick sollten sich auch die hartnäckigsten „Saar-Derby“-Befürworter eingestanden haben, dass es weitaus stimmungsvollere Spiele gibt.

Insgesamt fanden beachtliche 7.800 Zuschauer den Weg in den Ludwigspark, was wohl der starken FCS-Leistung gegen Bremen zu verdanken ist. Kann der FCS in den kommenden Wochen weitere Punkte einfahren und überzeugen, sind diese Zuschauerzahlen vielleicht zu halten. Gerade dann, wenn Gästemannschaften wie Rostock, Duisburg oder Osnabrück mit einer weitaus größeren Anhängerschaft als die SVE im Ludwigsparkstadion ihre Zelte aufschlagen.

Beim Blick auf das Spielfeld gab es keine große Überraschung. Jürgen Luginger, vor wenigen Tagen noch von vielen zur „Pfeife“ degradiert und mittlerweile von selbigen als „Taktikfuchs“ gefeiert, schickte dieselbe Formation auf den Platz, die gegen Robin Dutts Mannschaft die beste FCS-Leistung seit einer geraumen Zeit im heimischen Park zeigte. Das bedeutete auch, dass er weiterhin dem aus der Oberliga-Mannschaft aufgerückten Philipp Hoffmann, sowie Tim Knipping vertraute.
Da beide auch im Spiel gegen Elversberg souverän agierten, dürfte Marc Lerandy zukünftig einen schweren Stand beim FCS haben. Vor der Saison wieder einmal zum Kapitän berufen, wird er sich in den kommenden Wochen auf der Bank finden – sollte sich kein Abwehrspieler ernsthaft verletzen. Dieser Schritt ist aus Lugingers natürlich absolut nachvollziehbar, für Lerandy aber bestimmt nicht einfach zu handhaben. In den letzten Jahren hat sich der (vermutlich ehemalige) Abwehrchef immer in den Dienst der Mannschaft gestellt und für den ein oder anderen unvergesslichen Moment gesorgt. Hier sei nur an sein Tor in allerletzter Sekunde gegen Waldhof Mannheim in der Regionalliga-Saison 2009/2010 verwiesen. Legendär ist auch „Leandros“ oscarreife Perfomance gegen Offenbachs Occéan im Jahr 2011. Für seine Leistung der letzten Jahre sollte man ihm also danken und hoffen, dass er in dieser Phase von Mannschaft und Trainerteam unterstützt wird.

Zurück zum Spielgeschehen. Teilweise gestalteten sich Szenen im E-Block interessanter als die erste Halbzeit. Da sich ein älteres Ehepaar dazu entschloss, das Spiel im Stehplatzbereich sitzend zu verfolgen und anschließend wegen schlechter Sicht stehende Fans anmotzte, kam es zu brandheißen Diskussionen. Brandheiß wurde es auf dem Platz nur direkt zu Beginn: Marcel Ziemer kam nach einer Ecke von Göcer zum Kopfball, doch Kronholm konnte rechtzeitig klären (5.). Notfalls hätte aber auch ein SVE-Spieler auf der Linie geklärt. Der FCS hatte hingegen Glück, dass ein klares Handspiel von Falkenberg im Strafraum nicht mit einem Elfmeter für die SVE bestraft wurde. Sowieso zeigte Falkenberg die ein oder andere Unsicherheit an diesem Tag. Den kurz darauf folgenden Schuss aus 20 Metern semmelte Thorsten Reiß knapp übers FCS-Gehäuse. In der 38. Minute entschärfte Timo Ochs dann noch einen stramm geschossenen Freistoß von Timo Wenzel per Faustabwehr.

Emotion - zumindest in der 92. Minute war sie da. Foto: Oldforest.de/Leuchtturm

Emotion – zumindest in der 92. Minute war sie da.
Foto: Oldforest.de/Leuchtturm

In einer ausgeglichenen Partie zeigten sich die Blau-Schwarzen im zweiten Spielabschnitt weitaus bemühter als noch in den ersten 45 Minuten. Da der anfangs schwache Eggert jetzt mehr Sicherheit in seine Pässe brachte, funktionierte auch der Spielaufbau besser. Wirklich spielentscheidend sollte aber eine Einwechslung sein: In der 55. Minute brachte Luginger Rathgeber ins Spiel, der für deutlich mehr Schwung sorgte und auch das erste Tor für den FCS besorgte. Eingeleitet wurde dieses aber vom Elversberger Daniel Jungwirth, der nur das Lattenkreuz traf. Im direkten Gegenzug ließ Rathgeber einen Elversberger stehen und verwandelte trocken zum 1:0. Im Anschluss daran brachte es die SVE zu keiner Zeit fertig, wirkliche Gefahr auszustrahlen oder den FCS in große Bedrängnis zu bringen. Lediglich Felix Luz hatte kurz vor Schluss per Kopfball die Möglichkeit zum Ausgleich. So aber spielte der FCS seine Führung runter und konnte in der Nachspielzeit durch den wieder einmal bemühten Göcer den 2:0-Endstand herstellen. Mit einem satten Schuss unter die Latte ließ er dem Elversberger Schlussmann keine Chance. Für die SVE wird der Klassenerhalt mit solchen Leistungen zu einer schweren Aufgabe.

Zwar erlebte man am Samstag keine Sahne-Leistung, wie es noch gegen Bremen der Fall war. Man konnte aber deutlich feststellen, dass die Spieler unbedingt die ersten drei Punkte einheimsen wollten – und das gelang. Dass jetzt stellenweise schon wieder beklagt wird, eine Handschrift Lugingers sei nicht erkennbar, ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Genauso wie der Spielbericht von offizieller SVE-Seite, indem der Erfolg der Molschder als „Zittersieg“ bezeichnet wird.
Am gestrigen Abend wurde dem FCS im Zuge der von Sky produzierten Sendung „Samstag LIVE!“ dann noch Paderborn für die zweite Runde im DFB-Pokal zugelost. Fazit: Furchtbare Sendung – unnattraktiver Gegner. Das Achtelfinale scheint aber erstmals seit 19 Jahren wieder erreichbar. Bis dahin müssen die Blau-Schwarzen in der Liga weiter um Punkte kämpfen. Bereits am nächsten Wochenende gegen den VfB Stuttgart II, was genauso viel Derbycharme wie das Spiel gegen die SVE versprühen dürfte.

Frederic Graus

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9 Antworten zu Gastbeitrag: König der Saar-Derbys

  1. Gerd Müller schreibt:

    Boah, wie das Gelaber des Leuchtturms nervt. Ja, mittlerweile dürfte es jeder, der sich für den FCS interessiert, verstanden haben: Aus eurer Sicht ist FCS-SVE kein Derby. Dazu braucht es Rivalität, jaja, 12 Millionen Fans, natürlich, Geschichte, blabla, Stimmung, FCS-Mannheim, das ist ein Derby, was denn sonst… Das sind nämlich die Kriterien, Leuchtturm-approved. Simple örtliche Nähe? Neee, sicher nicht.

    Hoffentlich ist bald der nächste Spieltag, und die Leuchttürme legen endlich eine neue Platte auf.

    • Carsten schreibt:

      Zwei Tage sollten doch gereicht haben, die Niederlage zu verdauen. Oder doch nicht?

      • Gerd Müller schreibt:

        „Zwei Tage sollten doch gereicht haben, die Niederlage zu verdauen. Oder doch nicht?“

        Wenn’s an Argumenten fehlt, wird einfach das Thema gewechselt. Dabei mit Unterstellungen zu agieren zeugt dabei von einem ganz besonderen Charakter. Nein, ich bin FCS-Anhänger.

        Glaubst du also wirklich, dass jeder, der von der Leuchtturm-Endlos-Diskussion genervt ist, Elversberger ist? Der Verfasser schreibt direkt zu Beginn:

        „Derby oder kein Derby? Darüber wurde im Vorfeld der Partie gegen die Sportvereinigung Elversberg viel diskutiert.“

        Wie kann es denn eine Diskussion geben, wenn niemand anderer Meinung ist? Ach nein, diejenigen mit anderer Meinung sind natürlich Elversberger Fans. Aber wie kann dann „viel diskutiert“ werden, wenn Elversberg doch keine Fans hat?

        Nochmal: Ist ja schön, wenn FCS-SVE für die geistigen Leuchttürme kein Derby ist. Das wurde ja auch ganz hervorragend argumentativ untermauert:

        – Derby braucht Rivalität. (Siehe Derby FCB-BVB)
        – Rivalität braucht Historie. (Siehe zB Hoffenheim/RB Leipzig gegen den Rest der Welt.)
        – Derby braucht Stimmung, (Siehe U’haching-FCB, was war da immer Stimmung!)
        – Derby braucht Fans. (Siehe U’haching-FCB)

        Wer ernsthaft der Meinung ist, ein Derby definiere sich über lokale Nähe, hat halt einfach keine Ahnung / ist Elversberger, richtig? SVE-FCS ist kein Derby. FCS-Lautern / FCS-Mannheim natürlich schon.

        Es ist gut, jeder hat’s kapiert, aber man wird doch noch hoffen dürfen, dass nicht für den Rest der Saison darauf rumgeritten wird – auch wenn ich nachvollziehen kann, dass die Masse an Kommentaren bei FB (und die damit verbundenen Klicks) natürlich Ansporn ist.

        PS: Der Leuchtturm kann bei seinen 300 FB-Likern ja mal eine einfache „Ja“-„Nein“-Umfrage machen. *g* (Zur Not dann am Ende einfach behaupten, alle, die anderer Meinung sind, seien Elversberger.)
        PPS: Es lebe der Meinungspluralismus und die Akzeptanz anderer Meinungen. Auch in der Kurve.

      • Carsten schreibt:

        Ihre Tirade ist ermüdend, weil sie sich in persönlichen Bezugnahmen auf den Leuchtturm ergeht, statt inhaltlich was zu bieten. Wenn Sie ja schon das Fanmagazin so ins Felde führen, sollten Sie auch gemerkt haben, dass innerhalb der Redaktion die Meinungen zu FCS – SVE auseinandergehen. Natürlich passt es Ihrer Argumentation besser, wenn Sie den Beitrag von Dennis verschweigen:

        http://leuchtturm-fcs.blogspot.de/2013/08/was-ist-eigentlich-ein-derby.html

        Zitat: „Saarbrücken gegen Elversberg lässt sich als Derby bezeichnen, genießt aber in FCS-Kreisen natürlich nicht den Stellenwert wie es ein Spiel gegen Homburg oder Kaiserslautern tut.“

        Dennis ist unser Redakteur und Fotograf, sein Beitrag wurde explizit als Debattenbeitrag im Leuchtturm-Blog und auf FB veröffentlicht. Wo war Ihr Kommentar denn da? Oder suchen Sie lieber nur alles heraus, was Ihnen gerade passt?

        Wir haben übrigens auch auf unserer Facebook-Seite Beiträge von Elversbergen (und Fans anderer Vereine) zugelassen und nicht zensiert, solange Sie grundsätzliche Regeln der Nettiquette nicht missachtet haben. Ich habe in meinem privaten Blog, das kein Teil des Leuchtturms ist, ebenso alle Kommentare zugelassen. Also was ist nun Ihr Vorwurf in Sachen „Es lebe der Meinungspluralismus und die Akzeptanz anderer Meinungen. Auch in der Kurve.“? Ihr Beitrag geht ins Leere, da er sich in einem Zweikampf mit dem Leuchtturm messen will, aber Inhaltliches auf der Strecke bleibt. Verzeihen Sie auch daher meine spontane Reaktion. Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es auch heraus.

  2. Gerd Müller schreibt:

    „Ihre Tirade ist…“
    … keine Tirade, sondern eine Rückmeldung eines Lesers dahingehend, dass das Dauerfeuer auf allen Kanälen ermüdend ist.

    „Wo war Ihr Kommentar denn da?“
    Ich sah mich bisher nicht in der Pflicht, alles und überall zu kommentieren. Der Beitrag ist allerdings einigermaßen gelungen. So gelungen ein Beitrag eben sein kann, der mit „tut“ endet…

    „Also was ist nun Ihr Vorwurf in Sachen “Es lebe der Meinungspluralismus und die Akzeptanz anderer Meinungen. Auch in der Kurve.”“
    Das bezog sich auf die Unterstellung, ich könne natürlich kein FCS-Anhänger sein. Anscheinend hielten Sie es ja für unmöglich, dass ein FCS-Anhänger der Meinung sein könnte, dass die Debatte und die wiederholte Positionierung des geistigen Leuchtturms ermüdend ist.

    „Ihr Beitrag geht ins Leere, da er sich in einem Zweikampf mit dem Leuchtturm messen will, aber Inhaltliches auf der Strecke bleibt.“
    Kompletter Blödsinn. Wie kann denn mein Beitrag ins Leere gehen, wenn ich nur anmerke, dass mich (und ich könnte mir vorstellen, viele andere auch!) die olle Leier bei der x-ten Wiederholung schlicht nervt(e)?

    Und gerne nochmal: wer ernsthaft bestreitet, dass es sich bei SVE-FCS um ein Derby handelt, und dabei o.g. „Belege“ (Rivalität, Historie, Zuschauerzahlen) anführt, hat den Begriff Derby schlicht nicht verstanden.

    • Carsten schreibt:

      Lieber Gerd Müller,

      so langsam sind Sie es, der die Leser ermüdet. Sie werfen dem Leuchtturm vor, dass seine Texte auf allen Kanälen darüber, was ein Derby ist – und was nicht – Ihnen auf den Keks gehen. Dann kennen Sie nicht nicht einmal alles, was wir schreiben. Womöglich haben wir Sie ja so ermüdet, dass Sie an den entscheidenden Stellen geschlafen haben.

      Der Punkt ist aber: Bislang war Ihre als Rückmeldung eines Lesers getarnte Tirade nichts weiter als eine Aufzählung, was die Redakteure des Leuchtturms – teils nicht mal unter dem Dach des Heftes – zum Derby geschrieben haben. Und was Sie daran doof finden. Die Gerd Müller Definition des Derbys haben wir noch nicht gehört – das wäre das erste, was ich bei einer sachlichen Auseinandersetzung hören wollte.

      • Gerd Müller schreibt:

        „Sie werfen dem Leuchtturm vor, dass seine Texte auf allen Kanälen darüber, was ein Derby ist – und was nicht – Ihnen auf den Keks gehen. Dann kennen Sie nicht nicht einmal alles, was wir schreiben.“

        Anders formuliert: Ich bin genervt davon, dass es bei euch scheinbar nur noch ein Thema gibt, und jetzt soll ich auch noch alle diesbezüglichen Beiträge komplett lesen? 😀 Mit Verlaub, das ist der Humor, den ich wirklich an euch mag!

        „Die Gerd Müller Definition des Derbys haben wir noch nicht gehört – das wäre das erste, was ich bei einer sachlichen Auseinandersetzung hören wollte.“

        Anders formuliert, ihr (oder jetzt du oder Sie? Egal) werft mir vor, dass ich nicht alle eure 2 Trillionen Anspielungen auf „Derby“ verinnerliche, aber meine gerade mal DREI Kommentare hierunter werden eurerseits/deinerseits/Ihrerseits nicht gelesen? Da oben steht, was das Kriterium für ein Derby ist.

        PS: Uuuunbedingt nach „Südwest-Derby“ jetzt mit „Brück-Derby“ weitermachen. Es ist ja so unfassbar lustig!

      • Carsten schreibt:

        Na, wenn es nur scheinbar das einzige Thema des Leuchtturms ist, dann ist doch alles in Ordnung.

  3. Gerd Müller schreibt:

    Sonst gibt es nichts mehr zu sagen?

    Weitere Anregungen:

    Haching: Geht als Süd-Derby (gerne auch: Süd-Schlager) durch. Ebenso Regensburg und Stuttgart.
    Chemnitz: Ost-vs. Osten des Westens-Derby. Ebenso: Leipzig. Erfurt. Halle.
    Dortmund II: Derby der Kohleverlierer.
    Münster: Umlaute-Derby.
    Paderborn, Burghausen, Heidenheim: Keiner weiß wo‘s liegt-Derby.
    Darmstadt: Das „ganz-klar-Derby“ (siehe Mannheim)
    Kiel, Rostock: Nord-Süd-Derby
    Wiesbaden: West-Derby.

    Geht alles, nur bitte nie vergessen: gegen Elversberg, das ist kein Derby.

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