Gastbeitrag: Nach dem Pokal ist vor dem Pokal

Einen hab ich noch. Florian, Kollege vom Leuchtturm und Physik-Mathe-Blogger war beim DFB-Pokal vor Ort und sorgt für die letzte Facette der Pokalwoche: Der FCS-Sieg aus Sicht eines Ludwigspark-Gängers.

„Wenn wir weniger als drei Gegentore bekommen, haben wir uns achtbar geschlagen.“ Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich diesen Satz in der Woche vor dem Pokalspiel gesagt habe. Auf jeden Fall war es so etwas wie meine Autoreply, wenn es in Diskussionen um das Spiel gegen Werder Bremen ging.

Wenig hoffnungsvoll beschritt ich den zweiwöchentlichen Weg zum Ludwigspark hinauf. Ja, die Hoffnung war mir in der letzten Woche verloren gegangen. Ein Spiel innerhalb von nur wenigen Minuten so herzugeben wie in Kiel und eine Mannschaft, die sich für den Rest des Spiels so aufgegeben hat, das war ein Schock, der länger als eine Woche anhält.

Erstes Anzeichen, dass da doch etwas im Busch sein könnte, war die traditionelle Tippabgabe vor dem Spiel. Saarkasmus-Rolf, der in Kiel ohne größeres Zögern fünf Gegentore vorhergesagt hatte, prophezeihte einen FCS-Sieg im Elfmeterschießen. Noch bis zum Anpfiff des Spiels fiel es mir schwer die Euphorie zu teilen. Eine Pressekonferenz wegen der ausführlichen Vorbereitung des Caterers einzuberufen, empfinde ich zu überdimensioniert, gab es doch zu vor 7/8 Jahren noch des Öfteren Spiele mit Zuschauerzahlen über 10.000. Trotz aller Vorbehalte musste ich meine Meinung bereits im Laufe der ersten Halbzeit ändern. (Kritiker würden meine Haltung wohl an dieser Stelle als traditionell schwäbisch bezeichnen.) Die Mannschaft überzeugte durch Kampf, Wille und Leidenschaft. Gute Chancen werden liegen gelassen. Pessimistisch erwartete ich, dass sich das im Spielverlauf rächen würde und man so am Ende das unglückliche Pokalaus bedauern würde.

Es kam aber anders. Obgleich der Schwäche der Werderaner oder der Stärke in Blau-Schwarz, der FCS siegte gegen Bremen, und das verdient. Der Ludwigspark bricht in Jubel aus, welchen man seit dem Drittligaaufstieg wohl nicht mehr gesehen hat. Die unwahrscheinliche Pokalsensation, von der immer alle reden, wurde tatsächlich geschafft.

Ich mahne dennoch – in luxemburgischer Manier – zur Wachsamkeit: „Nach dem Pokal ist vor dem Pokal.“ Der Erfolg im Drittligaalltag sollte im Vordergrund stehen. Mit dem Spiel gegen die SV Elversberg steht eines der wichtigsten Duelle vor der Tür: Eine Niederlage gegen Elversberg ist nach einem Sieg gegen Werder Bremen undenkbar. Nicht wegen Elversberg selbst, sondern viel mehr wegen der anhaltenden Schmach, der der bekennende FCS-Fan dann im Alltag sicher länger als eine Woche ausgesetzt ist. Es gilt also die Euphorie des Pokalerfolgs auf die Saison zu übertragen, dort zumindest mal einige Punkte zu sammeln und in der zweiten Runde des Pokals – mit einem womöglich spannenden Los – möglichst erfolgreich zu sein.

Dann verspreche ich auch, ganz unschwäbisch, euphorisch zu sein.

Florian Kern

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