Gastbeitrag: Einen auf den Dutt

Bekanntlich war das FCSBlog nicht vor Ort, als gestern im Ludwigspark das kleine Pokalwunder geschah. Deshalb werde ich keinen eigenen Beitrag zum Spiel bringen können. Aber sowas muss trotzdem aufgearbeitet werden. Zunächst darf einer zu Wort kommen, der gestern leiden musste. Björn ist Gründer des Blogs „Der Libero“ und Werder-Fan. Ich finde es nur richtig, dass er mit seinem kleinen Ausbruch hier als Erster schreiben darf. Im Laufe der Woche gibt es noch weitere Beiträge zum Pokal.

mailMenschen, die aus Norddeutschland stammen, die dürften die umgangssprachliche Redewendung„einen auf den Dutt bekommen“ vielleicht kennen. Das bedeutet mit fußballerischem Bezug in etwa so viel wie, sich woanders eine Klatsche abholen. Wenn man, wie ich, Werder Bremen leidenschaftlich die Daumen drückt, entfaltet jene Redewendung derzeit gleich ihre doppelte, ja geradezu fatale Wirkung. Denn wir alle wissen wie Thomas Schaafs Erbe an der Bremer Seitenlinie bekanntlich mit Nachnamen heißt.

Wie es heute durch alle Medien schwirrt, bekam Werder am gestrigen Sonntag in der vermaleideten ersten DFB-Pokalrunde einen auf den Dutt – beim groß auftrumpfenden 1. FC Saarbrücken. Gratulation an den FCS und seine treuen Fans. Werder setzte hingegen dank seiner dritte Erstrundenpleite in Folge bei einem Drittligisten seine „Tour de Blamage“ im Pokal fort, deren Stationen Heidenheim, Münster und neuerdings Saarbrücken heißen. Augenzwinkernd kann man als Werderaner immerhin behaupten, es wie in 2012 auch 2013 immerhin in die Verlängerung geschafft zu haben. Hämische Zeitgenossen twitterten schnell etwas davon, dass dreimal halt Bremer Recht sei. Undsoweiter, undsofort. Aber so ist das nun mal: wer den Schaden hat…

Sicher, für alle Werderaner ist die neuerliche Pokalpleite einfach nur enttäuschend! Eigentlich wie die gesamte jüngste Entwicklung. Werders Elf verlor durch die Abgänge von De Bruyne und Sokratis an Substanz, der substantielle Zugewinn durch die Neuen wie Makiadi und Caldirola ist aber, sagen wir einmal, noch nicht sichtbar. Dazu gesellte sich eine Ergebniskrise in der Vorbereitung sowie besagtes Pokal-Aus. Werders aktuelle Generation um den seinen jungen Torsteher Mielitz, Abwehrchef Prödl, die Kapitäne Fritz und Hunt, frühere Hoffnungsträger wie Elia oder Arnautovic scheint wie zuletzt unter Trainer-Idol Schaaf ein furchtbar fragiles Gebilde zu sein. Werder wirkt oft zu „grün“, agiert bei robust auftretenden Klubs wie dem FCS verunsichert und hat auch unter Robin Dutt die Balance zwischen geordneter Defensive und ansprechendem Angriffsspiel noch nicht gefunden. Ob Otto Rehhagels „kontrollierte Offensive“ wohl in ein Paket passt, damit Otto sie ins Weserstadion schicken kann?

Leider muss man sagen: Werders gute, alte Herrlichkeit – auch als typische Pokalmannschaft – ist längst vorbei. Pokalsensationen und die wohligen „Wunder von der Weser“ sind bis auf Weiteres allenfalls schöne Erinnerungen, helfen Werder gegenwärtig aber nicht weiter. Denn Obacht, die 51. Bundesligasaison steht vor der Tür. Erste Hürden sind für Werder bei Eintracht Braunschweig und daheim gegen den FC Augsburg zu nehmen – realistisch betrachtet sind dies schon zum Saisonstart zwei „6-Punkte-Spiele“ für Werder. Selbst wenn dies zwei Klubs sind, die lange Zeit buchstäblich nicht mit Werder in einer Liga gespielt haben.

Doch, für Werder geht es geht längst nicht mehr um weitere „Wunder an der Weser“ oder gar ersehnte Europapokalteilnahmen; es geht wohl einzig darum, nicht weiter einen nach dem anderen „auf den Dutt“ zu bekommen. Die eben gepriesene Melodie der „6-Punkte-Spiele“ stimmen zwar ansonsten ausschließlich Klubs und deren Anhänger an, die um den Klassenerhalt kämpfen. Doch, ich befürchte, genau jene Melodie wird Werder über die kommenden 34 Bundesligaspieltage hinweg begleiten. Nichtsdestotrotz kann es daher für alle Werderaner auch künftig nur heißen: ALLEZ GRÜN!

Björn Hoeftmann (Fußball-Blog »Der Libero« | www.der-libero.de)

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3 Antworten zu Gastbeitrag: Einen auf den Dutt

  1. nedfuller schreibt:

    2012 hat der HSV nicht gegen den 1. FCS gespielt. Das mir hier keine falschen Gerüchte aufkommen!

    • Carsten schreibt:

      Korrigiert. Der Libero hatte wohl noch im Kopf, dass es beim HSV Probleme mit einem damaligen Drittligisten gab.

  2. Pingback: #Link11: Altbekanntes Kopfkino | Fokus Fussball

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