Fehlstarts seit 01/02

Foto: Leuchtturm/Oldforest.de

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Zwei Spiele hat der 1. FC Saarbrücken verloren, davon sogar eines beschämenderweise gegen eine Aufsteiger. Während in den Internetforen alles beim Alten ist und der Kopf von Jürgen Luginger gefordert hat, will ich heute mal wieder doch lieber die Fakten bemühen. Das liegt mir näher als über diejenigen zu schimpfen, die vor ein paar Wochen noch vom gleichen Publikum für ihre „kluge Transferpolitik“ gefeiert wurden. Leider sind sich viele dieser Beliebigkeit ihrer Worte nicht einmal bewusst.

Auch ganz unbewusst ist vielen, dass der Sportjournalismus die Sprache der Fans zu vielen Teilen mitprägt. Das ist keine große Feststellung, die meisten Sportjournalisten waren vor Ergreifung ihres Berufs Sportfans. Und so manch einem gelingt es ja auch es zu bleiben. Ein besonders schönes Beispiel ist der „Fehlstart“. In der klassischen Verwendung bedeutet der Fehlstart meist, dass in den ersten beiden Spielen nur zwischen null und zwei Punkten eingefahren wird. Inzwischen verwenden Sportjournalisten mitunter schon nach einer Auftaktniederlage die Formulierung „Mit einem Fehlstart in die Saison“. Die traditionelle Variante verlangt eher ein „Der Fehlstart ist komplett“ nach zwei Niederlagen. Damit wird der Fehlstart mit Fakten unterfüttert, die es für den Sportfan einfacher machen zu kapieren: Aha, da war der Fehlstart.

Tatsächlich ist die Seite der Fakten nicht wirklich das Interessante am Fehlstart. Die meisten Fußballmannschaften verlieren in einer Saison mehr als zwei Spiele. Es ist die Verteilung: Wer zu Saisonbeginn schlecht aus den Löchern kommt, erzeugt Überlebensängste bei der Anhängerschaft. Obwohl es bei noch ausstehenden 36 Spieltagen faktisch ziemlicher Quatsch ist, von Abstieg zu reden.

Aber wie beendete der FCS denn die Saison, wenn es einen Fehlstart gab? Die Rechnung beginnt 2001/2002 und als Fehlstart gelten alle Spielzeiten, in denen in den ersten beiden Spielen weniger als drei Punkte eingefahren wurden:

01/02: 2. Bundesliga, 0 Punkte, 2:5 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 16. (Abstieg)
04/05: 2. Bundesliga, 0 P., 1:4 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 12.
05/06: 2. Bundesliga, 0 P., 0:9 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 16. (Abstieg)
09/10: Regionalliga West, 0 P., 1:9 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 1. (Aufstieg)
10/11: 3. Liga, 0 P., 0:5 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 6.
11/12: 3. Liga, 2 P., 1:1 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: 10.
13/14: 3. Liga, 0 P., 1:7 Tore. Tabellenplatz zum Saisonende: ?.

Den Fehlstart gab es seit 2001 also in sieben Jahren, die aktuelle Saison eingerechnet. Genau in zwei Fällen wurde der Klassenerhalt auch wirklich verpasst. Im Extremfall 2009/2010 stieg der 1. FC Saarbrücken sogar auf – das haben die wenigsten nach den Niederlagen gegen Elversberg und Trier erwartet.

Interessanter sind aber die beiden Abstiegsjahre 2001/2002 und 2005/2006. Diese haben nämlich noch eine Gemeinsamkeit: In beiden Fällen wurde früh zu Saisonbeginn der Trainer beurlaubt. 2001 war nach vier Niederlagen zu Saisonbeginn Schluss für Thomas von Heesen. Für ihn kam der kaum bessere Heribert Weber. 2005/2006 wurde Horst Ehrmantraut nach zwei Niederlagen und einer Fast-Blamage im Pokal durch Rudi Bommer ersetzt. Am Ende hieß es immer Abstieg.

Ich bin weder Sportpsychologe, noch Trainer, aber Sportjournalisten sind im Zweifel ja beides. Was ich nur vermuten kann: In beiden Jahren hat es sich nicht unbedingt ausgezahlt, die Mannschaft so kurz nach Vorbereitung und Saisonbeginn noch einmal von null anfangen zu lassen. Der neue Trainer hatte weder eine lange Einarbeitungszeit, noch die Chance, den Kader seinen Vorstellungen anzupassen. Ein Trainerwechsel ist auch stets eine Notlösung. Für Saarbrücken war ein Trainerwechsel zu Saisonbeginn bislang nie eine erfolgreiche Lösung. Und genau diesen Fakt sollte jeder im Kopf behalten, der jetzt eine sofortige Ablösung von Luginger fordert.

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