Spielbericht: Bitte keine vorschnellen Schlüsse!

Strohhut-Florian beim Spiel. Teile der FCS-Troopers konnten das Spiel nicht mehr verfolgen.

Strohhut-Florian beim Spiel. Teile der FCS-Troopers konnten das Spiel nicht mehr verfolgen.

Dieser Spielbericht muss mit einer warnenden Vorbemerkung beginnen: Nein, der 1. FC Saarbrücken ist kein Abstiegskandidat. Und wer vom „selben Mist wie die vergangenen Monate“ spricht, hat die Zeit im Ludwigspark am Samstag eher am Bierstand verbracht, als wirklich das Spiel zu schauen. Die 1:2-Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden offenbarte Schwächen, die vor allem eines sind: Vermeidbar. Und alleine das sollte Grund genug sein, die Saison nach dem ersten Spieltag nicht abzuschenken.

Jürgen Luginger bot eine Startelf auf, wie sie in der Form fast schon zu erwarten war. Im Tor agierte Timo Ochs, der auch im Mannschaftsrat sitzt. Vor ihm in der Innenverteidigung Neuzugang Nils Fischer und Kapitän Marc Lerandy. Rechts davon Kim Falkenberg, auf links vielleicht doch etwas überraschend Pascal Pellowski. Im defensiven Mittelfeld sollten Kevin Maek und Philipp Kreuels für Stabilität und Spielaufbau sorgen. Auf den Außenbahnen durften Raffael Korte und Serkan Göcer ran. Auch die Doppelspitze aus Thomas Rathgeber und Marcel Ziemer spiegelte das wider, was die Zuschauer in der Vorbereitung sehen durften.

Nervöser Start

Die Trinkpausen wurden vor allem im F2 hämisch kommentiert. Man erinnere die Zuschauer bitte beim nächsten "Wasser-Desaster" an die eigenen Dumpfbacken-Kommentare.

Die Trinkpausen wurden vor allem im F2 hämisch kommentiert. Man erinnere die Zuschauer bitte beim nächsten „Wasser-Desaster“ an die eigenen Dumpfbacken-Kommentare.

Zum Start zeigte sich trotz allem FCS-Engagement schnell: Im Spielaufbau waren die Blau-Schwarzen nicht auf ihren Gegner eingestellt und schafften es kaum mal, einen Angriff über die Mittellinie vorzutragen. Allenfalls kam ein Ball mal über einen langen Versuch aus der Abwehr nach vorne – aber auch das brachte wenig ein.

Gefährlich wurde es dann, wenn Kreuels oder Maek den Ball im Zentrum verloren. Wiesbaden regierte stets schnell und konnte fast unbehelligt durch das Zentrum marschieren und kam ein ums andere Mal gefährlich vor das Tor von Ochs. Daraus resultierten Chancen und auch der ein oder andere Eckball. Nachdem der SVWW bereits an der Latte des FCS-Gehäuses und an Kim Falkenberg scheiterte, klingelte es dann in der 19. Minute: Marcus Mann erzielte per Kopf das verdiente 1:0 für die Gäste. Mann verzichtete an alter Wirkungsstätte auf Jubel (was eine eher verzichtbare Modeerscheinung ist), der Ludwigspark erhob sich – als die Leute gemerkt hatten, wer da traf – zum Pfeifkonzert. Auch verzichtbar.

Rathgeber ließ hoffen

Um die verzichtbaren Dinge dann fortzuführen: Das 2:0 nach einem erneuten Fehlversuch im Spielaufbau. Der sonst starke Falkenberg scheiterte beim Versuch eines Doppelpasses, lief zu spät zurück, um Vunguidica noch den Ball abzujagen. Der hatte dann etwas Glück, da Ochs den Ball abprallen ließ und der Nachschuss den Weg ins Tor fand.

Anschließend ließen die schwarz-roten Gäste dem FCS mehr Raum, um selbst nach vorne zu kommen. Doch meist blieben Chancen Zufallsprodukte, da auch der sonst spielstarke Marcel Ziemer nach einem hässlichen Foul von Nico Herzig nicht mehr richtig ins Spiel fand. Der Anschlusstreffer von Thomas Rathgeber mutete fast unpassend an: Nach einer Flanke über die rechte Seite verpassten die Wiesbadener Abwehrspieler den Klärversuch, Rathgeber verwandelte souverän vor Gurski.

Eine Mannschaft, die sich noch nicht kennt

Nach der Pause zeigte sich die Mannschaft von Jürgen Luginger aktiver. Dies lag zu einem guten Teil daran, dass Wehen Wiesbaden nach dem vermeidbaren Gegentreffer vor der Pause nun vorsichtig agierte, um die drei Punkte nicht mehr herzugeben. Aber alleine das sorgte für keine spielerische Evolution in der Luginger-Elf. Der Spielaufbau im Mittelfeld blieb zu anfällig für Fehler, die langen Bälle erreichten selten einen der beiden Stürmer. Keine Bälle zum Ablegen, keine Spielintelligenz.

Auffällig wurde dieses Manko meist in den Situationen, wenn es in Schlagweite zum gegnerischen Tor zu Passversuchen kam. Kein einziger Ball wurde korrekt in den Lauf des Mitspielers gepasst. Diese Erkenntnis ist bitter und zeigt, wie viel Potenzial durch kleine Unachtsamkeiten verschenkt wird.

Lerandy mit Verletzung

IMG_4567Später kamen Schäfer und Stegerer für Göcer und Pellowski ins Spiel, allein Stegerer schaffte es noch in den Anfangsminuten für ein wenig Hoffnung zu sorgen, blieb aber auch unter seinen Möglichkeiten. Den letzten Wechsel gab es verletzungsbedingt: Nach einem Zweikampf musste Kapitän Lerandy für Christian Eggert raus und wurde anschließend mit dem Krankenwagen abtransportiert. Nicht selten kommentierten das einige Zuschauer mit offener Freude – da sie Lerandy seit Längerem eine stagnierende Leistung bescheinigen. Als Fan sollte man sich sowas eigentlich sparen.

Kurz vor Schluss gab es noch einige Chancen für den FCS, Timo Ochs eilte nach vorne mit – vergebens. Sein Gegenpart Michael Gurski, zuletzt nicht unumstrittene Nummer eins der Gäste, hätte mit eigener Dummheit dann fast noch zwei Punkte verschenkt. Weil er sich lautstark beim Schiedsrichter beschwerte, gab es kurz vor Abpfiff einen indirekten Freistoß im Strafraum und Gelb für den Torhüter. Aber auch das brachte dem 1. FC Saarbrücken nichts mehr ein.

Und jetzt bitte die Nerven behalten!

Im Anschluss an die Partie bleibt eigentlich nur zu sagen, dass solche Spiele überhaupt nichts ungewöhnliches für diesen Zeitpunkt der Saison sind. In der Startelf standen sechs Neue, zudem fehlen verletzungsbedingt zwei Spieler aus dem erweiterten Stamm (Deville/Glockner). Gerade in den Details zeigte sich, dass vor allem mangelnde Abstimmung und fehlende Eingespieltheit zur Auftaktniederlage führten. Deswegen ist es Quatsch, hier die Probleme der letzten Saison fortgeführt zu sehen. Vielmehr sind diese Erscheinungen eher die Regel, denn eine Ausnahme. Für Jürgen Luginger gilt es nun trotz der Verletzungen die richtigen Schlüsse aus der Auftaktniederlage zu ziehen – und gerade im Mittelfeld die notwendigen Umstellungen vorzunehmen.

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter 2013/14, 3. Liga, Erlebnisbericht, Hinrunde abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.