Zitate des Tages: Nichts gelernt…

…hat offenbar die BILD Saarland. Gut, das Kerngeschäft dieser Zeitung sind möglichst spektakuläre Überschriften, die zum Aufschlagen des Blattes und vor allem zum Kauf verführen sollen. Aus Sicht eines Fans des 1. FC Saarbrücken, der hier seit Wochen Zurückhaltung zum Thema Aufstieg fordert, verhalten sich die zuständigen Redakteure gefährlich dämlich(beim Artikel vom Freitag fehlt die namentliche Kennzeichnung, normalerweise ist Daniel Fischer Autor zum FCS). Aber der Reihe nach.

„Wir sind diesmal ein kalkuliertes Risiko eingegangen. So viel Geld haben wir seit Jahren nicht ausgegeben.“

„Vom Papier her sind wir ein Aufstiegskandidat. Vom Papier her…“

Das sind zwei Aussagen von Schatzmeister Dieter Weller. Dieser äußert sich zur Kaderplanung in diesem Jahr, die ja schon bei vielen FCS-Fans für vorschnelle Aufstiegsträume sorgte. Diese beiden Aussagen stellt die BILD Saarland nun in den Kontext zweier alter (!) Zitate von Paul Borgard, dem Präsidenten des FCS:

„Wir sind vorsichtig optimistisch, was den Aufstieg angeht.“

„Wir müssen raus aus der Liga. So schnell wie möglich…“

Abgesehen vielleicht von diesem letzten Zitat sind das alles Aussagen, die jetzt nicht sonderlich spektakulär sind. Trotzdem versucht die BILD eben das herzustellen, in dem sie die Aussagen in eine bestimmte Richtung deutet:

BOSSE MACHEN DRUCK AUF LUGINGER

Unter dieser Überschrift finden wir schwarz umrahmt, mit einem Foto eines in Gedanken versunkenen Jürgen Luginger (Untertitelt mit: „Nachdenklich: Trainer Jürgen Luginger“) garniert, eine Geschichte, die keine ist. In einem Anflug von Journalismus darf eben dieser Trainer kurz Stellung nehmen und die Aufstiegsforderungen etwas zurückweisen: Er betont, dass die Mannschaft erst einmal geformt werden müsse und alles andere derzeit Träumerei sei.

Aber wo waren denn die Aufstiegsforderungen? Oder gar die Forderung mit dem konkreten Adressaten Jürgen Luginger? Mit viel, viel Interpretationskunst lässt sich aus Wellers Zitaten folgendes herauslesen: Es wurde viel Geld ausgegeben, um den Aufstieg anzupeilen. Das ist vielleicht ein klein wenig spektakulär, aber wo steht hier die Forderung an Jürgen Luginger? Die gleiche Frage zu Borgards Zitaten: Wenn Borgard „vorsichtig optimistisch“ in Sachen Aufstieg ist, was fordert er denn von Luginger?

Die Krönung bildscher (oder fischerscher) Zitateinterpretation gibt folgender knackige Abschnitt preis:

Der Auftrag der Klub-Chefs an den Trainer ist klar: Aus starken Individualisten eine Aufstiegs-Mannschaft formen!

Das muss ich dann wohl überlesen haben.

Warum hat nun aber die BILD-Zeitung nichts gelernt? Nun, eigentlich war ich bei Betrachten der Überschrift alleine versucht, den Präsidiumsmitgliedern ein mangelndes kollektives Gedächtnis vorzuwerfen. Wenn schon vor Saisonbeginn der Aufstieg zur Forderung erhoben wurde, endete das immer blamabel für den FCS. 2001, als Präsident Hartmut Ostermann den Aufstieg in die Bundesliga „auf dem ersten Platz“ der Tabelle forderte. 2005, als ein paar übereuphorisierte Spieler auf dem Halberg Open Air den Aufstieg versprach und der Song „In der 2. Liga Deutscher Meister“ im Stadion gespielt wurde.

In beiden Jahren gab es schon vor dem vierten Spieltag eine Trainerentlassung und am Ende den Abstieg. Genau aus diesem Grund habe ich eine Aversion gegen Aufstiegsforderungen vor Saisonbeginn. Niemand profitiert davon – außer der BILD, die mit einer prächtigen Schlagzeile aufmacht. Beim FCS löst es schon vor Saisonbeginn schlimmstenfalls Trainerdiskussionen aus. Denn was, wenn frühzeitig das angepeilte Ziel Aufstieg in weite Ferne rückt? Es wird im Artikel nicht ausgesprochen, aber natürlich will die BILD erreichen, dass dann die Trainerfrage gestellt wird. Die richtigen Emotionen sollen angeregt werden. Denn inhaltlich funktioniert der Artikel letztlich nicht, da die Aussagen der „Bosse“ keine Forderungen an Luginger sind.

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