FCSBlog-Sommerinterview: Der Kollege aus Neunkirchen

1616_471227706284867_175484145_nDamals hieß sein Blog noch „Schwarz auf Weiss“, aber Stammleser kennen sicher den Bloggerkollegen aus Neunkirchen. Nicky stand dem FCSBlog schon zu Beginn der vergangenen Saison Rede und Antwort, als es Dieter Ferner in die Hüttenstadt zog. Nun sprachen wir erneut mit dem Gründer des „Stahlwerks“ über Ferner, Elversberg und das Bloggen. Ab der kommenden Woche wird hier dann auch wieder – nach Rückkehr von einer kurzen Reise – regelmäßiger gebloggt.

FCSBlog: Hallo Nicky! Zunächst: Glückwunsch an die Borussia zum Ellenfeld-Jubiläum und Dir zur weiteren Blog-Saison!

Nicky: Das Jubiläumsjahr des Ellenfelds ist fast schon rum, leider. Was in Erinnerung bleibt ist sicherlich die Ausstellung vom Vereinsarchiv in Person von Tobias Fuchs und Dr.Jens Kelm im Saarparkcenter. Was die beiden da auf die Beine gestellt haben das war sicherlich dem Anlass mehr als würdig. Neben einzigartigen Fotos, konnte man auch noch Trikots, Fussballschuhe, Ehrenring des Vereins und ähnliche bedeutungsvolle Gegenstände bewundern. Auch der ein oder andere ehemalige Spieler oder Trainer ließ sich blicken und erzählte auch im persönlichen Gespräch die ein oder andere Anektode. Wie man überhaupt sagen muß das dieses Jahr zumindest viele Erinnerungen in der Borussenfamilie wieder zu Tage gefördert hat. Ein weiteres Highlight ist sicherlich das „100 Jahre Ellenfeld-Stadion „Vom Borussia Sportplatz – zum Erinnerungsort“ Buch. Klingt eigentlich staubtrocken ist aber alles andere als das. Es ist wohl das niedergeschriebene Vermächtniss an dieses einmalige Stadion. Sicherlich für jeden Stadioninteressierten ein Pflichtlektüre im Bücherregal.

An der Zukunft des Ellenfelds hat sich leider nichts geändert. Es ist und bleibt fraglich wie lange das Stadion noch bestehen bleibt. Bekanntlich hat die Familie des 1.Vorsitzenden ein Kaufinteresse. Die Stadt auch das Bedürfniss das Stadion loszuwerden, aber letztlich kriegt man sich seit anderthalb Jahren nicht geeinigt. Der Kaufpreis dürfte dabei wohl das kleinste Problem sein…es wird viel spekuliert, aber als Fan kann man nur noch abwarten und bange in die Zukunft schauen. Protest hat sich nicht wirklich erhoben, leider…

Was mein Blog angeht seh ich das recht nüchtern, die letzten Monate hielt sich der Spaß eher in Grenzen. Wenn selbst die treusten den Untergang schon vor Augen sehen…

Ein Jahr Dieter Ferner in Neunkirchen: Enttäuschung, Erdung oder doch entsprechend aller Erwartungen?

Schwierig zu beantworten, weil da wohl jeder seine eigene Meinung zu hat. Im Saarland wird er bekanntlich gerade von den blau-schwarzen als Held und Retter gefeiert. Für mich als Außenstehenden wirkt das manchmal etwas schräg. Fand ich doch einige seiner Entscheidungen für mich nicht nachvollziehbar z.B. warum er unbedingt sein taktisches System durchziehen musste, obwohl ihm dazu eigentlich der passende Kader besonders zu Saisonbeginn fehlte. Für Krauß zum Beispiel dürfte es ein recht verlorenes Jahr gewesen sein. Naja am Ende zählt das er das ausgegebene Saisonziel erreicht hat, wobei man natürlich auch sagen muss das ein Ergebniss unter den ersten Sechs mit dem Kader keine allzugroße Herausforderung war. Eher schon dieses Ergebniss unter diesen Umständen und der Unruhe im Verein zu erreichen. Da hätte ich mir dann schon gewünscht das er mal lautstark Kritik übt und deutlich macht das manches so nicht geht. Gerade dank seiner Position die er in den Medien und bei den meisten Fussballanhängern im Saarland geniesst.

Wie schätzt Du Ferners Entscheidung ein, in Neunkirchen zu bleiben?

Mh, ehrlich gestanden hat es mich sehr verwundert. Wirkte er die letzten Spiele eher frustriert, aber so ein bißchen nörglerisch sieht er ja immer aus an der Seitenlinie . Nein wenn sowas an die Öffentlichkeit geht und er sich letztlich Bedenkzeit nimmt, dann dürfte das sicherlich ernst gewesen sein. Gründe gab es sicherlich, scheinbar hat man ihn aber wieder beruhigen können und irgendwie glaub ich ja auch das der Mann sehr gerne vertragstreu ist und das sicherlich auch mit da reinspielte. Nur würde ich dem Vorstand empfehlen jetzt besser auch den Reden Taten folgen zu lassen sonst könnte er auch schnell das Handtuch schmeißen. Vorwürfe hätte man ihm im Ellenfeld sicherlich nicht gemacht, geniesst er doch auch hier bei vielen ein hohes Ansehen.

Ferners erste Neuzugänge für 2013/14 kommen meist aus der Region und sind meist Mitte 20. Ein Weg, mit dem Du Dich anfreunden kannst?

Naja viel ist im Gegensatz zu den Abgängen noch nicht gekommen. Aber wie jeder Fan träume auch ich von der jungen talentierten Mannschaft mit Wurzeln in der näheren Umgebung die am Ende auch noch Erfolg hat. Fakt ist nunmal Borussia hat kein Geld, von daher ist das der einzigst machbare Weg. Zu wünschen wäre das man die Spieler so mit Verträgen austatten kann das im Falle das die Jungs Begehrlichkeiten höherer Clubs wecken entsprechend etwas Geld einnehmen kann. Das das ein erfolgreicher Weg sein kann hat man schon einmal nach der Insolvenz 2003 bewiesen, als man zwei Jahre später Oberligameister wurde. Damals standen neben dem ein oder anderen erfahrenen Borussen, auch Jungs aus unterklassigeren Ligen im Team.

Zur Borussia als Verein: Du hast in Deinem Blog zuletzt eine Initiative nach Wuppertaler Vorbild für Neunkirchen gewünscht. Was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Naja wie in Wuppertal hat auch Borussia so seine Geldgeber in Funktionen im Verein sitzen. Was immer schwierig ist wenn es um das Thema Transparenz geht, auch weil immer die Angst mitspielt das der Zahlende am Ende abspringen könnte wenn mal Kritik an der Person laut wird. Somit steht und fällt ein Verein am Ende mit seinem Mäzen…Stichwort Abhängigkeit. Genau das versucht die Initiative WSV 2.0 in Wuppertal zu ändern. In dieser Initiative sind Geschäftsleute, Politiker, Kunstschaffende, Bürger der Stadt die einfach einen Neuanfang wollen, aus dem Glauben heraus das es das Potenzial gibt, aber eben nur durch einen Neuanfang. So will man finanziell eine „Stunde null“ einleiten und ab da wieder mit diesem Netzwerk was diese Initiative ist wieder neustarten. So kann man im Internet z.B. nachverfolgen wie hoch man den Etat für Liga 5 plant und wie die verschiedenen Positionen aussehen. Man kann sich das komplette Konzept angucken und weiß wofür und für wen man stimmt. Genau das könnte das Konzept sein mit dem man wieder Erfolg haben kann auch im Ellenfeld. Denn mit Geschäftswelt, Politikern, Kunstschaffenden, all den Ehrenamtlichen im Verein und den Vereinsmitgliedern hätte man nicht nur eine breite Basis sondern eben auch ein großes Netzwerk…

Stichwort Unternehmer: Die Vereine nagen am finanziellen Tuch und die Zahl der prominenten Insolvenzen ist in dieser Saison hoch. Ist Fußball zu teuer geworden oder müssten mehr Unternehmen ins Sponsoring einsteigen?

Eine Frage die man gar nicht so leicht beantworten kann. Da spielt wohl vieles rein, zum einem ist die Ligareform bis auf die 3.Liga nach hinten losgegangen. Die Regionalliga ist wie vorher auch völlig unrelevant, kostet nur und hat kaum eine öffentliche Akzeptanz. Die 3.Liga ist eigentlich gar keine so schlechte, der beste Beweis sind die Sportschau Übertragungen und die Fernsehpräsenz im Dritten. Das Problem ist die Vermarktung und die Verteilung der TV Gelder. Die oben wie Bayern oder Dortmund verdienen sich dumm und dämlich in der Champions League und greifen auch noch am dicksten in der Liga ab. Doch abgeben will man nichts, nicht in der ersten und nicht in der zweiten. Man ist sich halt selbst am nächsten, Hauptargument die Konkurrenzfähigkeit. Warum sollte man also der dritten Liga jetzt mehr TV Geld überweisen, damit schafft man sich ja nur unnötig Konkurrenz? Das ist halt der Nachteil wenn die Liga (Vereine) bestimmt und nicht mehr der Verband. Davon ab haben sich viele Vereine beim Stadionbau übernommen egal ob Offenbach, Aachen oder Duisburg. Da muß man dann auch fragen wieso das so oft vorkommen kann, wo da das Problem liegt. Beim Sponsoring handelt es sich nunmal um eine freiwillige Maßnahme da kann man schlecht fordern. Der fussball hat die Stellschraube so langsam bis Optimum gedreht, man fängt schon an sie zu überdrehen, am ende ist es aber das System was kränkelt. Auch wenn mancher es nicht einsehen will, die Vereine gehören wieder in Mitgliederhände und nicht in Gmbh´s oder Ag´s ausgegliedert. das würde glaube ich schon vieles helfen…denn dem Fan geht es um den Verein, dem Geschäftsmann um Kohle.

Was denkst Du, bedeutet der Aufstieg der SV Elversberg für die anderen Saarvereine?

Puh, schwere Frage ich glaube erstmal ändert sich gar nichts. Der Saarländer scheint manchmal ein Gewohnheitstier und gerade beim Fussball ist der Zuspruch doch deutlich verteilt. Aber die SVE hat durch den Erfolg sicherlich in Zukunft die Möglichkeit eben auch Zuschauer und Fans für sich zu gewinnen, allerdings glaube ich das es noch Jahre dauern wird bis es soweit ist. Anders sieht es fussballerisch in der Jugend aus, bisher war der FC die unumstrittene Nummer eins, aber auch in Elversberg tut sich was. Man hat Top Trainingsbedingungen geschaffen, die Struktur im Verein wird immer mehr verbessert. Das Ehrenamt wird abgelöst durch richtige Trainer und dank Liga 3 hat der FC nur noch seinen Traditions und Landeshauptstadtbonus, der aber wenig zählt wenn es eben um Geld geht.

Dich hat es um die Jahrtausendwende ins Saarland verschlagen und bist der Borussia aus Neunkirchen verfallen. Mal angenommen, das Schicksal hätte Dich erst 2013 hierher geführt: Hätte es sein können, dass Deine Sympathien dann auf Elversberger Seite gelandet wären?

Nein garantiert nicht. Ich beneide die SVE um ihren Erfolg sportlich und um das was man sich da geschaffen hat. Fakt ist aber auch das verdankt man alles der Familie Holzer, wenn die mal keine Lust mehr haben ist Zapfenstreich an der Kaiserlinde. Die SVE stand aber sportlich schon vor der Borussia wie ich ins Saarland kam, von daher hat sich an der Situation nicht grundlegend viel geändert. Ich steh auf Underdogs…

Zum Abschluss: Was dürfen die Leser von Dir nächste Saison erwarten?

Sicherlich weiterhin ein kritischen und streitbaren Blog, aber so bin ich als Typ und so setzt sich das eben auch beim Schreiben fort. Das könnte ich auch gar nicht ändern selbst wenn ich das wollte. Da sportlich kleinere Brötchen gebacken werden sollen, wird auch in Zukunft das Augenmerk auf dem „Borussenfeeling“ liegen, sprich Interviews mit Fans, alles was den Verein umgibt und wenn möglich natürlich auch mit den Akteuren auf dem Platz selbst. Große Ideen braucht man da gar nicht haben, weil ohne große Medienpräsenz vieles auch einfach „Ehrensache“ ist. Vieles was für den FC Fan normal ist, ist es für den Borussenfan längst nicht. Zum Beispiel Spielberichte von Auswärtsspielen, wo bei euch der SR und die SZ berichten, berichtet bei Borussia niemand wenn diese weiter weg sind. Pokalspiele unter der Woche das selbe.Entsprechend gut kennt man Gastmannschaften oder die Oberliga im Allgemeinen. Kurz die Infos die ich will, finde ich nicht. Deshalb mach ich den Blog, weil die Infos such ich mir sowieso, so kann ich aber andere Borussen daran teilhaben lassen. Entsprechend wenig Zeit bleibt dann sich noch mit Themen ausserhalb des schwarz-weissen Kosmos zu beschäftigen. Lust hätte ich schon ewig auf so eine Podcastshow aber auch da sind die Möglichkeiten leider sehr begrenzt, mal schauen was die Zukunft bringt. Die Resonanz zeigt aber das es so langweilig nicht sein kann , aber das wirds wohl bei einem Traditionsverein wie Borussia Neunkirchen nie

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