Der FCS im Kaufrausch

Erneut gibt es einige Verpflichtungen für die anstehende Saison zu berichten. Nachdem zuletzt der Fokus auf der Defensive lag, kann Jürgen Luginger nun auch einige Neue für das Mittelfeld und den Sturm präsentieren. Die spannende Frage aber: Dürfen wir nun überschnappen? Nein, das nicht. Aber die Schwarzmalerei der vergangenen Wochen darf man sich nun auch sparen.

Julian Kern:

Das unbeschriebene Blatt unter den Neuzugängen. Der Linksverteidiger kommt aus der Oberliga Baden-Württemberg vom SV Stadelhofen und darf mit seinen 19 Jahren als Perspektivspieler bezeichnet werden. Die Verpflichtung erinnert ein wenig an Tim Stegerer, der im Vorjahr auch primär für die U23 verpflichtet wurde und am Ende zum Stammspieler in der Dritten Liga reifte.

Bei Kern wird der Fall durchaus spannend zu beobachten. Sämtliche Versuche, in den letzten Jahren die Probleme auf der Linksverteidigerposition zu beseitigen, scheiterten – bis der gelernte Stürmer Lukas Kohler nach hinten beordert wurde. Dass Kohler eher durch den Drang nach vorne auffiel, ist kein Geheimnis. Julian Kern hat also durchaus Chancen – wenngleich nicht allzu viele, da er nur einen Einjahresvertrag erhalten hat. Hier wird der Verein wohl nur handeln, wenn sich der Neue als absoluter Glücksgriff erweist.

Andreas Glockner:

Nach Nils Fischer der zweite Neuzugang aus Reihen des VfL Osnabrück. Der 25-Jährige stammt aus der namhaften Jugend des SC Freiburg und ist im rechten Mittelfeld beheimatet – dort wo der Abgang von Manuel Stieffler eine Lücke hinterlassen hat. In Osnabrück landete Glockner 2011 nach erfolgreichem Probetraining und war in seiner ersten Saison Stammspieler mit 34 Einsätzen. 2012/13 kam Glockner noch auf 23 Einsätze, allerdings stand er nur sechsmal in der Startelf.

Für den FCS ergibt sich durch die hohe Zahl der Abgänge die Notwendigkeit nach einer breiten Verstärkung im Mittelfeld. In diesem Kontext ist der Glockner-Transfer zu sehen. Die Konkurrenz aus Osnabrück wurde gewiss nicht geschwächt, dafür war Glockner in seinem zweiten Jahr zu unkonstant. Allerdings hat die Vergangenheit gelehrt, dass Spieler, die beim vorherigen Verein nicht unbedingt ihre besten Leistungen abriefen, in einer neuen Hierarchie oft wieder bessere Leistungen erzielen. Dies war etwa bei Marius Laux der Fall. Glockners Fall ist ähnlich gelagert: Der FCS ist eine Chance, noch mal mit 25 Jahren Stammspieler im Profifußball zu werden – bevor es für eine größere Karriere zu spät ist.

Raffael Korte:

Möglicherweise konkurriert Glockner dann mit Raffael Korte um einen Platz in der Startelf. Der 22-Jährige ist bei Eintracht Braunschweig und soll laut dem Saarländischen Rundfunk für ein Jahr das blau-schwarze Trikot zur Leihe anziehen. Im geliehenen Dress könnte der talentierte Spielpraxis sammeln, die es im Aufstiegskader von Torsten Lieberknecht zuletzt zu selten gab. Meist durfte er dort als Einwechselspieler im rechten Mittelfeld an und kommt in der abgelaufenen Saison auf zehn Einsätze in der zweiten Liga.

Korte machte in der Oberliga Südwest in Mechtersheim auf sich aufmerksam und wechselte 2011 nach Niedersachsen. Heimweh sollte der gebürtige Speyerer also nicht in Saarbrücken bekommen. Es dürfte für den talentierten Offensivmann zwar ein Karriereknick sein, im kommenden Jahr keine Erstligaluft zu schnuppen. Es ist aber für ihn die Chance, sich noch einmal für Braunschweig zu empfehlen. Das sollten die FCS-Fan schon von vorne akzeptieren – je besser Korte spielt, desto größer die Wahrscheinlichkeit auf ein einjähriges Gastspiel im Saarland. Spannend wird allerdings die Frage, mit wem Korte den Positionskampf aufnehmen darf. Sofern der SR hier richtig liegt.

Philipp Kreuels:

Aus Babelsberg wechselt Kreuels zum 1. FC Saarbrücken. Mit 28 Jahren gehört der ehemalige Essener zu den gestandenen Neuzugängen und ist zumeist im offensiven Mittelfeld unterwegs. In der Saison 2012/13 feierte Kreuels ein spätes Debüt in der Dritten Liga – zuvor war er lange beim VfL Wolfsburg II unterwegs. Babelsberg beendete die Saison zwar auf einem Abstiegsplatz, der Mittelfeldmann kam allerdings auf sieben Tore (davon drei Elfmeter) und sechs Vorlagen.

Das sind zwar noch lange keine Werte, wie sie Sven Sökler vorweisen konnte, allerdings dürfte Kreuels genau dessen Rolle in Lugingers System einnehmen, wenn er das Niveau des Vorjahres hält oder sogar steigert. Der FCS-Coach sagte zumindest bereits:

„Eine seiner Stärken ist aber ganz klar der Zug zum Tor. Gerade in diesem Bereich hatten wir Nachholbedarf, da hat uns in der letzten Saison teilweise etwas die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss gefehlt.“

Luginger dürfte damit auf Sökler und dessen Nebenleute Laux und Stieffler anspielen, die selbst zu selten auch den Abschluss probierten. Behebt Kreuels diesen Makel der Vorsaison, fällt wohl auch viel Last von Marcel Ziemer ab.

Thomas Rathgeber:

Der letzte Neuzugang dieser Runde ist Thomas Rathgeber. Nach Marius Laux und Markus Hayer wechselt damit zum dritten Mal in Folge ein Akteur der Offenbacher Kickers nach Saisonende an die Saar – durch die Insolvenz der Hessen dieses Mal unter anderen Vorzeichen. Der 28-jährige Stürmer wurde in 34 Saisonspielen eingesetzt und erzielte für den Zwangsabsteiger sieben Tore. Rathgeber gehört zu den erfahrensten Neuzugängen der neuen Saison und war bereits für den VfL Bochum und Unterhaching aktiv.

Auch in diesem Neuzugang läst sich eine Reaktion auf die Vorsaison lesen. Die zweitbesten Torschützen im Sturm nach Marcel Ziemer (16 Tore) waren Markus Hayer und Michael Petri mit jeweils einem Treffer. Luginger will sich im kommenden Jahr nicht mehr allein auf Ziemer verlassen müssen, sondern nimmt mit Rathgeber einen Mann in den Kader, der im Zweifelsfall für einige Saisontreffer gut ist.

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