Police Academy, Protestbanner und ein ärgerliches Unentschieden

Mit diesem Fahrrad wird Florian K. nach Wiesbaden aufbrechen. Das FCSBlog fordert schon mal den Stratos des Monats.

Mit diesem Fahrrad wird Florian K. nach Wiesbaden aufbrechen. Das FCSBlog fordert schon mal den Stratos des Monats.

In der Nachbetrachtung geriet der Fußball beim Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen den FC Hansa Rostock wohl ein wenig zur Nebensache. Vollkommen unverdient, da sich auf dem Platz spätestens ab der zweiten Halbzeit ein überdurchschnittlich spannendes Drittligaspiel bot – mit einem doch für meinen Geschmack etwas ärgerlichen Ausgang.

Wie so oft wählte ich die Anreise per Zug. Am Bahnhof fielen mir schon die vereinzelten Beamten der Polizei, wohl Bundespolizei, auf – vereinzelt und die Augen auf alle ankommenden Fahrgäste gerichtet. Ich dachte mir nichts dabei, da es bei einem Spiel gegen Rostock durchaus angespannter zugeht. Was vor allem an den Rostockern liegt. Aber eben nicht nur.

Der Heribert Weber der Saarbrücker Polizei

Auf dem Weg zur „Villa Blau-Schwarz“ sah ich dann hinter der Realschule am Ludwigspark ein bemerkenswertes Schauspiel: Mehrere Polizeikastenwägen – das Blaulicht wurde mal früher, mal später eingeschaltet, versuchten verzweifelt durch die engen Straßen zu fahren. Was bei zwei beparkten Seitenstreifen und anderen Verkehrsteilnehmer schlecht ging. Auch da plötzlich zwei Kastenwägen in die entgegengesetzte Richtung drängten und die Situation noch einmal verkomplizierten. Die Szene – sie schien eher aus dem Film „Police Academy“ zu stammen – fand wohl aufgrund der ca. 50 Rostocker statt, die ungestört über den Rodenhof zogen. Fünfzig (!) Gästefans, die sich im blinden Fleck der Polizei mitten durch Saarbrücken bewegten, an der Sportklause passende Gegner für ein „Match“ suchten und schließlich einen gescheiterten Blocksturmversuch unternahmen.

Mit Bezug auf die Vorfälle beim letzten Heimspiel

Mit Bezug auf die Vorfälle beim letzten Heimspiel

Im Block angekommen hatten die Rostocker dann aufgrund des Regens eine spontane Idee: Vom C-Block auf die Victor’s-Tribüne klettern, um von dort aus ihre Mannschaft anzufeuern. Selbst da fanden es weder Ordner, noch Polizei für nötig, einzugreifen. Bei einer Zahl von ca. 600 Polizisten, die alleine an diesem Tag für ein Drittligaspiel im Einsatz waren, stellt sich die Frage: Was hat sich Udo Schneider dabei gedacht? Der neue Polizei-Einsatzleiter bei Heimspielen des 1. FC Saarbrücken hat sich nach dem übertriebenen Aufgebot gegen feiernde Fans in der Innenstadt nun ein weiteres Mal blamiert. Als der Österreicher Heribert Weber einst das Amt als Trainer des 1. FC Saarbrücken übernahm, sagte er: „Die 2. Bundesliga kenne ich aus dem Fernsehen.“ Hoffentlich reden wir nicht irgendwann von Schneider als dem „Heribert Weber der Polizeiarbeit“.

Gondwana, 4. Pavillon, Theater

Nachdem Fahrrad-Experte Lifter das Zweirad von Leuchtturm-Redakteur Bobbes (siehe Foto oben) kritisch in Augenschein nahm, ging es dann tatsächlich irgendwann doch noch ins Stadion und damit zum Fußball. Nach wenigen Minuten staunte ich nicht schlecht und fragte mich, wer denn dieser Spieler mit der Nummer 5 auf dem Rücken sei, der in der Abwehr ganz ordentlich spielte. Pascal Pellowski, der Langzeitverletzte unter den Langzeitverletzten kam zu seinem Startelf-Debüt in der 3. Liga. Er wirkte stabiler als Adam Straith, der fast die Vorlage zur Gästeführung gab. Aber eben nur fast.

undihrDer Blick auf den Rasen wich mangels Unterhaltung dann irgendwann zur Victor’s-Vortribüne. Dort hatten tatsächlich einige Menschen, die via ludwigspark.de-Gästebuch um Spenden sammelten, einen Banner aufgehängt. Für meinen Geschmack war es vielleicht zu viel des Guten, extra einen Banner drucken zu lassen – eine besprühte Tapetenrolle reicht, um seine Nachricht loszuwerden. Viel wichtiger fände ich allerdings, wenn sich bei den Mehrzahl der Nutzern von ludwigspark.de die Erkenntnis durchsetzt, dass nur dann etwas passiert, wenn man Zeit und Engagement in eine Sache investiert. Das Überweisen von Eurospenden ist schön und gut, aber daraus wird nur etwas, wenn Leute auch das Geld dann in die Hand nehmen. Eine nicht sonderlich bahnbrechende Erkenntnis, die aber bislang leider nicht in alle Köpfe vorgedrungen ist.

Der verschenkte Sieg

Spannender wurde es auf dem Platz dann in der zweiten Halbzeit. Der 1. FC Saarbrücken bekam oft viel Raum zum Kontern und schaffte es schneller als Rostock, den Schalter auf Angriff umzulegen. Ganze sechs Minuten nach Wiederanpfiff verwertete Marcel Ziemer eine Flanke des guten Tim Stegerer per Flugkopfball – 1:0. In der Folge kam es immer wieder zu ähnlichen Vorstößen und besten Torgelegenheiten – allein drei „Hundertprozentige“ innerhalb von zehn Minuten. Das Tor fiel freilich nicht und so rückte ich innerlich von meinem ursprünglichen Tipp (3:0) bereits ab und stellte mich auf einen späten und unverdienten Ausgleich ein. Dieser kam dann zwar nicht spät (71. Minute), aber so wirklich verdient fand ich den Treffer von Manfred Starke dann nicht.

hro

Im Nachgang werden wir wohl eher über das „Drumherum“ reden, als über zwei verschenkte Punkte. Das Schöne daran ist: Der 1. FC Saarbrücken kann es sich leisten. Die Saison ist zwar auf dem Papier noch nicht beendet, innerlich schauen wir aber trotzdem schon in die kommende Saison. Verschenkte Punkte wünsche ich mir für die zwar bestimmt nicht, aber doch eine Mannschaft, die schneller als ihr Gegner umschalten kann. Und weniger „Police Academy“ am Rande des Spiels.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 3. Liga, Erlebnisbericht, Rückrunde abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.