Vorbericht: Preußisches Pflichtbewusstsein

200px-SC_Preussen_Muenster_Logo.svgWährend die eine Hälfte der FCS-Fanszene noch siegestrunken vom Petry-Erfolg ist und die andere (www.ludwigspark.de-Gästebuchnutzer) überlegt, mit welchen politischen Spruchbändern man künftig die Arbeit des Bundes der Steuerzahler übernehmen könnte, ruft Claudio Mariotto den „schlechtesten 1.FCS“ seit 2004 aus. Kein Mensch redet mehr vom Klassenerhalt, für den die Luginger-Truppe zwar aktuell die besten Voraussetzungen besitzt, aber der eben noch nicht unter Dach und Fach ist. Die Konkurrenz hat noch einige Nachholspiele vor sich und der FCS den SC Preußen Münster.

Der Gegner:

2009/2010 wurde der SC Preußen Münster Sechster der Regionalliga West. Bekanntlich stieg in diesem Jahr der 1. FC Saarbrücken (mehr oder weniger) überraschend zum zweiten Mal in Folge auf. Hat der FCS in diesem Jahr die Münsteraner abgehängt? Nur kurze Zeit, denn unter Marc Fascher stieg man im darauffolgenden Jahr auf, hielt in der 3. Liga die Klasse und ist nun einer der Aufstiegskandidaten. Der Trainer heißt mittlerweile Pavel Dotchev, die Mannschaft beendete die Hinrunde als Tabellenzweiter und spielt ausgesprochen attraktiven Fußball.

Das liegt am erfahrenen Kader (im Durchschnitt 27,2 Jahre alt), gespickt mit Einzelkönnern, für die der Verbleib in Liga 3 wohl kaum denkbar ist: Matthew Taylor, Dennis Grote, Amaury Bischoff, um nur einige zu nennen. Zuletzt sind die Preußen nach einem Unentschieden bei Borussia Dortmund II auf Platz vier abgerutscht, haben aber ein Nachholspiel mehr als die Konkurrenz aus Osnabrück und Bielefeld. Ein Umstand, der Dotchevs Schützlinge ungemein motivieren sollte.

In einer Frage hat das ehemalige Gründungsmitglied der Bundesliga sein saarländisches Pendant übrigens noch nicht überholt. In der Frage um die Spielstätte liegt der SC Preußen mit der Politik ebenso im Clinch wie der FCS.

Die Transferaktivitäten:

Tommy Grupe verließ den Verein nach Rostock, Dennis Dowidat, Julian Büscher und Marko Karamarko zog es in die Regionalliga West. Auffällig, dass es sich hierbei um sehr junge Spieler im Alter zwischen 19 und 22 Jahren handelt. Schmerzliche Abgänge sind es aber nicht, es handelt sich hierbei um Akteure, die nie den Durchbruch in Münster schafften.

Dass Münster wohl eher den Aufstieg im Blick hat, zeigen die Winterneuzugänge: Cüneyt Köz, Rechtsverteidiger, ehemaliges Bayern-Talent und 20 Jahre alt, kam zur Leihe von Dynamo Dresden. Direkt verpflichtet wurde Mehmet Kara, der bereits zwischen 2007 und 2011 die Schuhe für die Preußen schnürte und in seinen sieben Spielen seit der Rückkehr sechs (!) Tore erzielte. Dazu braucht es wohl keinen weiteren Kommentar.

Der FCS:

darf sich nicht nur wegen Kara warm anziehen. Die offizielle Vereinshomepage titelt zwar durchaus richtig „Münster unter Zugzwang“, aber beim FCS stehen ganz andere Probleme an. Kevin Maek und Sven Sökler, die bereits vor Ostern eine wundersame Auferstehung erlebten, dürfen aufgrund ihrer Gelbsperren nur zuschauen. Die bekannten Langzeitverletzten Markus Hayer, Tim Kruse und Ufuk Özbek könnten Gesellschaft von Markus Pazurek und Tim Knipping bekommen – wieder werden Umstellungen nötig.

Auf einen kann Jürgen Luginger dagegen zählen: Der 36-jährige Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Michael Petry, ist vermutlich einsatzbereit und weiter auf der Jagd nach der Torjägerkanone. Sollte das Modell Schule machen, sehen wir bald vielleicht auch Andreas Fellhauer und Bernd Eichmann in der Abwehr. Dass Luginger selbst in Münster auf der Sökler-Position agiert, gilt aber eher als unwahrscheinlich.

Nach der kleinen Serie von fünf Spielen ohne Niederlage (von 15 möglichen Punkten wurden elf eingefahren) scheint immerhin eines wieder in Ordnung: Die Motivation der Mannschaft auf dem Rasen. Das könnte ihr auch gegen die stärkeren Preußen zu Gute kommen.

Die Prognose:

Realistisch betrachtet wird wohl der SC Preußen Münster die Punkte für sich behalten, der Aufstieg ist in dieser Saison Pflicht, gerade nach dem Ausrutscher in Dortmund. Aber genau dieser ist ein Wink für den 1. FC Saarbrücken, dass im Münsterland vielleicht doch Punkte zu holen sind. Ich lege mich mal – wie zumeist – nicht fest.

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