Nach der Wiederauferstehung

Michael Petry hat am vergangenen Wochenende ein modernes Fußballmärchen geschrieben: Der 36-jährige Co-Trainer der zweiten Mannschaft (und dortiger Stand-by-Profi) erzielt mit seiner zweiten Ballberührung den Siegtreffer gegen Babelsberg, ganze vier Jahre nach seinem letzten Pflichtspieltor für die erste Mannschaft. In dem sonst von virtuellen Fanstärken bestimmten Voting zum „Spieler des Spieltags“ gewann Petry deutlich. Und doch lässt dieses märchenhafte Ereignis etwas ganz anderes, auch nicht unwesentliches in den Hintergrund treten: Die schaurig-schlechte Transferpolitik des 1. FC Saarbrücken.

So schön und gut Petrys Comeback war – es bleibt die Frage nach den restlichen Stürmern und Offensivkräften, die nicht gerade Marcel Ziemer heißen und die inoffizielle Lebensversicherung des 1. FC Saarbrücken sind:

Markus Hayer (27) – Fällt bis Saisonende mit einem Kreuzbandriss aus, zuvor mit einem Tor und einer Vorlage in 13 Spielen.

Serkan Göcer (19) – Mit mehreren Ausfallzeiten, hat in dieser Saison bislang 17 Minuten Einsatzzeit in der 3. Liga.

Felix Dausend (24) – Neun Einsätze, die meisten davon als Einwechselspieler, null Tore.

Marcel Sökler (22) – Ähnlich wie Dausend, zwölf Kurzeinsätze ohne Tore.

Kiyan Soltanpour (23) – Bekam in der 3. Liga unter Luginger vier Kurzeinsätze, ist nun mehr oder weniger Stammspieler der Oberligamannschaft.

Alle sind sie junge, gut ausgebildete Fußballer, von denen ein jeder Trainer, Mitspieler oder Fan ordentliche Leistungen erwarten sollte, wenn sie denn auch weiter ihr Geld im Profifußball verdienen wollen. Und seit vergangenem Samstag haben alle zusammen so viele Tore geschossen, wie der 36-jährige Co-Trainer der zweiten Mannschaft.

Jürgen Luginger hat die Gelegenheit genutzt, um seine jüngeren „Sturm-Talente“ (BILD Saarland) zu kritisieren. Kann er machen, die Zahlen geben ihm ja auch recht. Eigentlich gehört dem FCS-Trainer aber auch der Kopf gewaschen – vorausgesetzt ich darf hier Reinhard Klimmt beim Wort nehmen, dass Luginger seit Dieter Ferners Abgang als Sportdirektor fungiert. (N. B.: In sportlich erfolgreichen Zeiten kam es auch schon vor, dass sich in der BILD Saarland Vizepräsident Harald Ebertz als Architekt des sportlichen Erfolges feiern ließ.)

Wenn dem so ist, dann hat Luginger selbst zu verantworten, dass der 1. FC Saarbrücken außer Marcel Ziemer keinen drittligareifen Stürmer im Kader hat – und das ganz abgesehen von jeglichen Verletzungen in der Saison. Alle oben genannten Spieler, ausgenommen Dausend, kamen nach Ferners Abgang zum 1. FC Saarbrücken. Im Winter kam erst Soltanpour, über den Luginger damals noch sagte:

Mit Kiyan konnten wir einen Spieler verpflichten, der noch jung und entwicklungsfähig ist, aber auch schon erste Erfahrungen im Profibereich sammeln konnte. Zudem konnten wir uns im Sommer 2011 schon ein konkretes Bild vom ihm machen und wissen, was er mitbringt.

Kurios, dass dieser Soltanpour nun anscheinend nicht mehr mehr das Können für einen Platz auf der Bank mitbringt und von einigen Vereinsoffiziellen im persönlichen Gespräch nachträglich degradiert wurde: Der wurde sowieso für die Oberligamannschaft verpflichtet.

Bei all den Märchen auf und abseits des Spielfeldes: Es wäre schön, wenn Michael Petry mit seiner Erfahrung bis Saisonende noch dabei hilft, dass der Verein weiter für die 3. Liga planen kann. Dann aber auch bitte ordentlich und ohne Verlegenheitskäufe im Sturm.

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