Journalistenschule Rossi

Dominique C. Rossi war mal Pressesprecher des 1. FC Saarbrücken, hat in seiner Zeit sich anfangs durchaus das Wohlwollen der Fans verdient (siehe Danksagung im allerersten „Rucksackfranzosen“ der Boys), hat sich später dieses aber verspielt. Pressesprecher sein, ist bekanntlich ein undankbarer Job. Aber auch ein Job, in dem es gilt, diplomatische Stärken zu zeigen. Die bewies Rossi nicht, als er in einer PM zum Rücktritt Michael Henkes als Cheftrainer 2007 die Fans für diesen verantwortlich machte.

Nach seiner Zeit als Pressesprecher war Rossi kurzzeitig beim SV Wehen-Wiesbaden beschäftigt und blieb der Ostermann-Gruppe treu. So wundert es nicht, dass der ehemalige Zeitungsjournalist Rossi auch im Sportteil des Ostermann-Magazins „FORUM“ einen Großteil der Berichterstattung zum 1. FC Saarbrücken übernimmt.

Im Zuge der Vorkommnisse um das Spiel 1. FC Saarbrücken gegen den Karlsruher SC hat er nun Staatssekretär Georg Jungmann interviewt. Und zeigt jungen Journalisten, wie sie es besser nicht machen sollten. Beispiele gefällig?

„Wenn man an diesem Tag vor dem Spiel durch die Stadt Richtung Stadion gelaufen ist, dann konnte man den Eindruck gewinnen, in Saarbrücken würde gerade ein G8-Gipfel stattfinden.“

„Die Debatte um Fan-Krawalle sind sehr ausführlich diskutiert worden. Teilweise konnte man den Eindruck gewinnen, dass es auch Medien-Vertreter gibt, die heimliche Sympathien für die Ultra-Gruppierungen haben.“

Diese Zitate stammen etwa nicht vom Interviewpartner, sondern vom Interviewer. Die Meinung des Interviewers interessiert zwar eigentlich nicht beim Lesen, aber das scheint den Kollegen Rossi hier nicht zu kümmern. Besonders perfide wird es in einer Frage zum Fanprojekt „Innwurf“:

„In Saarbrücken hat man sich jahrelang selbst gefeiert, Medien haben das Fan-Projekt über den grünen Klee gelobt, aber wenn man hinter die Kulissen geblickt hat, hat man gesehen, dass vieles im Argen liegt. Hat das KSC-Spiel dem ein oder anderen auch mal die Augen geöffnet?“

Nicht nur, dass wir hier eine Suggestivfrage haben. Wir haben auch Informationen, die in Frage zu stellen sind. Wer hat sich jahrelang selbst gefeiert? Rossi dürfte auch die erst kürzlich erschienene SZ-Serie über Fußball, Fans und Gewalt anspielen, in der das sogenannte „Saarbrücker Modell“ der Zusammenarbeit Erwähnung fand. Dort wurden die aktuellen Verhältnisse aber auch deutlich und adäquat beschrieben, wie etwa von dem damaligen Polizeieinsatzleiter Peter Becker:

Bereits mit Bekanntwerden der Spielpaarungen können wir relativ klar einschätzen, wie das Verhältnis der Fanlager ist und uns mit unseren teils deutlich dreistelligen Einsatzstärken darauf einstellen. Tatsächliche Schlägereien und Verletzte haben wir aber Gott sei Dank nur noch wenige. Für die Polizei ist das auch immer eine schwierige Gratwanderung. Auf der einen Seite konsequent für Sicherheit sorgen und auf der anderen Seite den Fans Freiräumen einräumen und eine Eskalation vermeiden.

Karlsruhe war eben nicht der Normalzustand bei Heimspielen, sondern die besagte Ausnahme. Sicher kein Ruhmesblatt für die FCS-Fanszene. Aber auch sicher kein Scheitern der Präventionsarbeit von Fanprojekt und Peter Becker. Ein solcher Schluss würde zu kurz greifen und taugt nur zu billiger Polemik.

Wer das Interview in voller Länge lesen will, dem sei der Besuch von FCS-News empfohlen. Ein Musterbeispiel an Interviewführung ist es dennoch nicht. Allenfalls im schlechten Sinne.

Update 13:44 Uhr: Auch auf der Webseite des Magazins gibt es das Interview zum Nachlesen – LINK.

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