Wie einst Michael Henke

Screenshot: SR-Mediathek/www.sr-online.de

Screenshot: SR-Mediathek/www.sr-online.de

Wieder einmal Videoanalyse, da ich noch weiter im Exil sitze. Mein zweites verpasstes Heimspiel der aktuellen Saison. Aber bevor ich mich der Bildanalyse hingebe, bedarf es eines kleinen Vorwortes.

VORWORT

Es gab selten idiotischere Debatten im Internet als die über das „Livestreamen“ von FCS-Spielen. Highlight der Meinungsäußerungen zu diesem Thema waren zwei Gästebucheinträge auf ludwigspark.de, der das Wort „Scheinkorrelation“ auf das nächste Level brachte.

Finde es auch echt Klasse vom SR das er unsere Heimspiele im Fernseh ( KSC ) oder Internet LIVE überträgt es könnten ja ansonsten noch Zuschauer ins Stadion kommen.

Auswärts dagegen bietet der SR solche Specials leider nicht an. Wer interessiert sich den auch für die Auswärtsspiele vom FCS.

Super SR weiter so !

Und:

Der SR sollte wissen, dass er mit seiner Übertragung nicht zur Gesundung des Vereines beiträgt. Derzeit kommen ca. 3500 Zuschauer bedingunslos ins Stadion. Ca. genauso viele warten ab oder sind – bei entsprechendem Erfolg- auf dem Sprung zurück. Ca. weitere 3500 haben Interesse, aber wollen sich überzeugen lassen- unter anderem auch durch die Stadionlösung. Die beiden letztgenannten Gruppen werden nicht ins Stadion zurück kommen, wenn sie sich im live stream ein Bild machen können. Aber vor der Klotze wirst du nicht infiziert. Der live stream trägt also dazu bei, dass die Zuschauer nicht zurückkommen.

So viel Dummheit auf einmal tut weh. Aber es ist wichtig, das hier noch mal zu rezitieren, für Anschauungszwecke. Vermutlich wären die besagten Beitragsschreiber an vorderster Front derer zu finden, die sich empören, wenn es eben mal über Monate hinweg keine Bewegtbilder vom 1. FC Saarbrücken im Stadion zu sehen gäbe.

ERSTE HALBZEIT

Der Vorteil des Livestreams ist, dass sich das Fanradio problemlos nebendran abspielen lässt. Sofern die Zeitverzögerung nicht zu groß ist, was sie dieses Mal auch nicht war. Und dann überprüfen, ob die verschiedenen Kommentatoren in ihrer Bewertung der Dinge richtig oder falsch liegen.

SR-Reporter Grundhever hatte eher Recht mit seiner Ansicht, dass die erste Halbzeit klar an die Stuttgarter Kickers ging. Wenngleich er sich bei der Anzahl der Großchancen wohl eher leicht verzählte, die befand sich im ersten Durchgang auf beiden Seiten auf etwa gleichem Niveau. Im FCS-Fanradio sprachen Kai und Brix anfangs von einem FCS-Übergewicht im Mittelfeld, was nicht so ganz passte. Der FCS versuchte eher das Mittelfeld mit schnellen Pässen über die Flügel oder langen Bällen zu überbrücken – eine Taktik, die nicht aufging. Meist blieb nichts anderes übrig, da Stuttgart von Beginn an sehr frühes Pressing einsetzte.

Die Stuttgarter ihrerseits bekamen vom FCS viel Raum zum Spielaufbau gelassen, zeigten aber dort viele Schwächen. Die beste Chance resultierte nach sieben Minuten aus einem gut vorgetragenen Konter, bei dem Kickers-Angreifer Marco Grüttner den Ball nicht richtig traf und so zu einem gefährlichen Aufsetzer verwandelte. Benedikt Fernandez parierte diesen schwierigen Ball.

Eher überflüssig war Frank Grundhevers Spekulation, ob der Kopfball von Ziemer aus der 20. Minute nun die Linie wirklich in vollem Umfang überquert hat. Warum? Der Saarländische Rundfunk konnte schlicht keine Perspektive anbieten, die für Aufklärung sorgte. Ein ärgerlicher Umstand, der seit Jahren bekannt ist, aber an dem auch anscheinend nie etwas geändert wird.

Dafür gab es aber für Yannick Bach kurz vor der Pause den großen Auftritt. Kevin Maek erkämpfte den Ball auf rechts, legte stark zu Tim Stegerer zurück und dessen Flanke fand den Volley-Abnehmer in Linkaußen Bach. Ein Traumtor für den ehemaligen Jugendspieler, der Marius Laux verdrängt hat.

ZWEITE HALBZEIT

Nach der Pause schienen die Kickers angeschlagen, der FCS hatte durch Sökler direkt die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. Auch Yannick Bach kam per Seitfallzieher an die Latte seinem zweiten Tor ganz nahe – aber eben nur ganz nahe.

Interessant wurde es gegen Ende einer insgesamt nicht ganz ansehnlichen Begegnung, als bei Stuttgart die Kräfte schwanden und sich der FCS in der gegnerischen Hälfte festsetzte. Die Bilder des SR entlarvten den klaren Elfmeter für das Foul an Ziemer, den das Fanradio sah, als Schwalbe. Ziemer stolperte ohne Kontakt zum Torwart zu Boden – ob Absicht oder nicht, dürfte hinterher egal sein. Der eingewechselte Laux trat zum Elfmeter an, schoss schwach, allerdings konnte Christian Eggert im Nachschuss die Vorentscheidung herbeiführen.

In der Nachspielzeit prüfte Eggert noch einmal per Fernschuss Torhüter Günay Güvenc, der klatschte auf den Kopf von Ziemer ab und es stand „etwas zu hoch“ (Grundhever) 3:0. Einer für das Kacktor der Woche bei Arnd Zeigler.

NACHWORT

Die Atmosphäre, die dem Zuschauer im Netz einfach fehlt, wird ersetzt, durch die Möglichkeit, genauer hinzusehen und das Spiel besser zu beobachten. Ein taktisches Glanzstück hat der FCS nicht vollbracht, allerdings fällt auf, dass die Defensive wiedererstarkt ist. Gerade Tim Stegerer gewann (fast) jeden Zweikampf und hielt die Kickers schon oft weit vor dem Tor auf. Kevin Maek zeigt endlich Qualitäten als Balleroberer und – wie vor dem 1:0 – beim Einleiten von Chancen. Auf der Strecke blieb etwas die spielerische Seite des 1. FC Saarbrücken, die erst weit gegen Ende der zweiten Halbzeit aufblitzte. Mit Leistungen wie diesen ist der FCS allerdings wieder gewappnet für den Abstiegskampf.

Und Liveübertragungen im Internet mögen ja vieles sein, aber kein Ersatz für den Stadionbesuch.

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