Sendungskritik: Das blauschwarze Sofa 28.02.2013

blauschwarzes sofa 2013-02-28 500pxSo kurzfristig die Ankündigung kam, so viel Zündstoff bot dieses Projekt schon in sich: Das „Blauschwarze Sofa“, die neue Talkveranstaltung in der Villa Blau-Schwarz, hat ihre Premiere gefeiert. Schien es zu Beginn eher gemütlich und routiniert, stellenweise schon fast ermüdend zahm zuzugehen, so sorgte am Ende das Publikum für eine Sendung, die zwar nicht unbedingt erkenntnisreich war, aber doch zum Lehrstück geriet. Ein durchaus glücklicher Start für das neue Format, bei dem auch der Zuspruch der Zuhörer für eine Fortsetzung sorgen dürfte.

Zündstoff bot zunächst die Auswahl der Talk-Gäste, besser gesagt: Eines Talk-Gastes. Nicht der Fanbeauftragte Peter Thielges, der einem schon fast leid tun konnte, da mit ihm bei der etwa zweistündigen Sendung nur insgesamt knapp fünfzehn Minuten lang geredet wurde. Reinhard Klimmt, Bundesminister a. D., Ministerpräsident a. D. und Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Saarbrücken nahm Platz auf dem Sofa.

Die Klimmt-Show

Und nach dem eher bemühten Abarbeiten des Fragekatalogs an den Fanbeauftragten ging der Auftritt von Klimmt los. Dieser, gestandener Politiker und der beste Rhetoriker im gesamten Vorstand, hatte wenig Mühe, die beiden Fanradio-Moderatoren „DJBrix“ und Kai an die Wand zu reden – eloquent und meist sogar richtig sympathisch. Ein beliebtes Mittel des SPD-Politikers ist dabei das besonders weite Ausholen zu langen Erklärungen, meist mit großem geschichtlichen Hintergrund. Dass die meisten Anwesenden die Geschichten bereits synchron mitsprechen könnten, ist weniger wichtig – es dient eher dazu, eine gewisse Stimmung zu erzeugen. Klimmt will vermitteln: Ich hänge genauso am Verein wie ihr alle, wir sitzen alle in einem Boot.

Dem Fanradio-Moderatoren-Duo hätte es durchaus gut getan, hier und da mal mutig dazwischen zu gehen. Ansätze waren zu sehen, allerdings blieb das eher die Ausnahme und machten Klimmts lange Ausführungen zur Routine. Ärgerlich war es, als Kai dann in einem angriffslustigen Moment, als er zur Frage ansetzte, ob Luginger nun Trainer bleibe, auf die vermeintliche Drei-Spiele-Frist verwies, die Klimmt gesetzt habe. Klimmt bestritt dies zurecht: Die von der Presse kolpotierte Frist stammte aus dem Mund von Präsident Borgard und war zudem oftmals komplett falsch wiedergegeben worden.

Publikum heizte im richtigen Moment die Stimmung an.

Dass aber auch ein langjähriger geübter Redner wie Klimmt zu Schwächen neigt, offenbarte der Abend ab dem Moment, als Fragen aus dem Publikum zugelassen wurden. Mit seiner Abwehr der Eröffnungsfrage, ob er nun zurücktrete, da er einst sein Amt an ein neues Stadion knüpfte, antwortete Klimmt: „Nein, weil wir eine erhebliche Verbesserung der Situation erreicht haben. So werdet Ihr mich nicht los.“

Nicht nur, dass er für diese Bemerkungen Sympathien einbüßte: Nicht nur brach er im Grunde sein Wahlversprechen von 2010, sondern nur fünf Minuten später widersprach er sich selbst. Gefragt, ob die Victor’s-Gruppe als Sponsor erhalten bleibe, nannte Klimmt die beiden dafür notwendigen Bedingungen: Den Klassenerhalt und „ob das mit dem Stadion funktioniert.“ Wenn Klimmt noch nicht weiß, „ob das funktioniert“, wo ist dann die „erhebliche Verbesserung der Situation“? Auf diesem Stand verharrt der FCS schon seit Jahrzehnten.

Wer ist der Sportdirektor?

Je länger der Abend wurde, desto absurder wurden Klimmts Äußerungen. Er schob die Schuld dafür, dass es kein Saarland-Stadion gebe auf das restliche Saarland und behauptete kühn: „Ich habe die Wahl [Landtagswahl 1999, Anmerkung FCSBlog] auch verloren, weil ich FC-Präsident und FC’ler war.“
Auch in den hartnäckigen Nachfragen zum Thema Sportdirektor gab Klimmt widersprüchliche Antworten. Er betonte auf Nachfrage, dass Trainer Jürgen Luginger auch gleichzeitig der aktuelle Sportdirektor des Vereins sei und Harry Ebertz „Vizepräsident mit dem Aufgabenbereich Sport“. Zu einer späteren berechtigten Frage von Moderator „DJBrix“, ob es nicht schlecht sei, wenn der Trainer selbst als Sportdirektor mit Spielern verhandle, sagte Klimmt plötzlich, dass auch Ebertz in die Vertragsverhandlungen mit Spielern involviert sei. An dieser Stelle hätte ich mir noch die Nachfrage gewünscht, ob Herr Klimmt überhaupt weiß, was ein Sportdirektor denn so tut.

Eine zu Beginn doch eher holprige Sendung wurde trotz Überlänge (zwei Stunden statt der vorgesehenen 90 Minuten) doch zum Erfolg, weil ab dem Mittelteil die Fragen stimmten. Für zukünftige Aufgaben werden die Moderatoren gerade bei Gästen wie Klimmt mutiger agieren müssen, was sie aber schon mit zunehmender Zeit machten. Eine Überlegung wert wäre auch die Reduzierung der Gäste auf einen Gast pro Abend. Peter Thielges wird wohl darüberstehen, dass es am Ende fast nur die Klimmt-Show gab, künftig sollten die Talker aber vermeiden, dass sich Gäste gegenseitig überragen. Was bereits stimmte, war die Publikumsbeteiligung – auch wenn für die Zukunft die Wortmeldungen von Claudio Mariotto gerne quotiert werden könnten.

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2 Antworten zu Sendungskritik: Das blauschwarze Sofa 28.02.2013

  1. Robin Scheid schreibt:

    Reinhard klimmt ist CDU’ler 😉

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