„Wer jetzt noch am neuen Stadion zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen.“

(Zitat von Paul Borgard)

20120926-220922.jpgDas neue Stadion kommt nicht, der Umbau kommt nicht. 40 Millionen Euro Kosten, welche die sehnlichst erwartete Machbarkeitsstudie einkalkuliert, übersteigen die 28 Millionen Euro, die das Land und die Stadt dem Stadionneubau in Saarbrücken bereits zugesichert haben. Wem vor Monaten nicht mehr zu helfen war, hat nun doch recht behalten.

„Man muss sich den Realitäten beugen“, sagte Borgard gegenüber dem Saarländischen Rundfunk, was nun doch etwas anders klingt, als das großspurige Zitat eben jenes Mannes bei einer der vergangenen Mitgliederversammlungen. Auch er sollte wissen: Die Absage von Land und Stadt ist eine Niederlage der FCS-Führung.

Reinhard Klimmt hatte seine erneute Kandidatur als Aufsichtsratsvorsitzender 2010 noch an die Zusage der Politik für ein neues Stadion geknüpft. Was schon am Morgen danach in Zweifel gezogen werden konnte, hat sich nun mit etwas über zwei Jahren Verspätung als Luftnummer entpuppt. Borgard und Klimmt haben in ihrer Arbeit der letzten beiden Jahren fast jede Nachlässigkeit auf anderer Ebene mit dem Versprechen einer neuen, modernen Spielstätte ausgleichen wollen. Selbst die anfängerhafte Organisation des Pokalspiels gegen Schalke – eine einzige Anhäufung von Fehlern des Präsidiums und der Geschäftsstelle – wurde im Nachhinein noch als Argument für die Notwendigkeit eines Stadionneubaus verwendet. So viel Dreistigkeit zeigt auch die Verzweiflung, die wohl zuletzt beim Verein herrschte.

Borgard und Klimmt müssen zurücktreten

Die Vorstandsebene hatte lange Zeit, zusammen mit Land und Stadt an der Realisierung des Stadionneubaus mitzuwirken. Als zuletzt nicht mal mehr die Vertreter der Politik es nötig sahen, zur Mitgliederversammlung des FCS zu erscheinen, dürfte jedem klar gewesen sein, was nun kommt. Borgard und Klimmt reagierten wie trotzige Kinder, sagten, dass die Politik der Akteur sei und nicht der Verein. Tja, die Politik hat gehandelt. Nun sollten es auch Klimmt und Borgard tun. Der Präsident und der Aufsichtsratsvorsitzende haben sich nach außen hin lange Zeit in ihren Aufgaben auf das Voranbringen des Neubaus reduziert – nun müssen sie auch so konsequent sein und mit ihrem Scheitern den Hut nehmen.

Gewiss hat der fehlende Neubau auch andere Folgen: Hauptsponsor Victor’s, seit Jahren am Stärksten an einem Stadion mit modernen Logen und Business-Seats interessiert, dürfte nun die Lust am FCS rapide verlieren, falls die Sanierung nicht deren Installation vorsieht – so die Gerüchteküche um den Ludwigspark herum. Sollte das wirklich so geschehen, würde das Ostermann-Unternehmen im Abgang ein weiteres Mal zeigen, wie wenig ihm am Wohl des Vereins gelegen ist und war. Die Personalentscheidungen der 2000er Jahre sind ja noch in bester Erinnerung.

Stadt und Land haben zu lange gezögert

Aber auch die Stadt und das Land tragen ihren Anteil an der verfahrenen Situation. Lange haben die Verantwortlichen aus politischem Kalkül rumgeeiert. Nun stellen sie Verein und Zuschauer vor vollendete Tatsachen. Die zweite Amtszeit von Oberbürgermeisterin Britz hat kaum begonnen und endet erst 2020, Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer regiert seit knapp einem Jahr mit dem Segen einer großen Koalition. In einem Land, das Großprojekten nach diversen Skandalen sehr skeptisch gegenübersteht, brauchen beide keinen politischen Druck mehr befürchten, durch ihr Nein zum Neubau.

Auch ein weiterer Vorwurf muss der Stadt im Besonderen gemacht werden: Als Vermieter des Ludwigspark hat sie sehenden Auges zugelassen, wie der Zahn der Zeit am Stadion nagte und die sanitären Anlagen verfielen, die Stufen der Stehränge schief wurden und die Technik auf dem Niveau der 70er/80er Jahre blieb. Es ist ein Unding, dass die Stadt nicht mehr als kosmetische Veränderungen vornahm und auch auf Hinweise von Zuschauern nur mit lapidaren Antwortschreiben reagierte.

Sanierung ist Pflicht

In dieser nicht ganz so einfachen Situation für den 1. FC Saarbrücken, gibt es allerdings noch ein paar wenige gute Seiten, in die man zwar nicht all seine Hoffnungen legen kann, aber die man konsequent verfolgen sollte. Zum einen bleibt die traditionelle Architektur des Stadions bei einer Sanierung erhalten. Der Ludwigspark wird also auch künftig gegen die Einheitsstadien einfallsloser Architektenbüros herausragen und weiter gelebte Fußballtradition sein. Zum anderen sind da noch die 28 Millionen Euro, die schon zugesagt wurden. Hier hat die Politik nicht nur die Chance, sondern die Pflicht längst fällige Modernisierungen – Rasenheizung, Betonierung der Stehränge, Modernisierung der Technik – vorzunehmen. Macht sie das nicht, bleibt die Frage, ob überhaupt noch irgendwem zu Helfen ist.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kommentar, Verein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.