Wo Ferner fehlt

Hat sich irgendjemand seit dem 1. Juli 2012 eigentlich schon mal ernsthaft mit der Frage beschäftigt, an welchen Stellen Dieter Ferner nun tatsächlich dem 1. FC Saarbrücken in seiner Funktion als Sportdirektor fehlt? Ich vermute ja, allerdings lese und höre ich so wenig in der Richtung in irgendwelchen Foren, dass das mutmaßlich nur im stillen Kämmerlein geschehen sein kann. Weil die Frage als solche schon schwere emotionale Belastungen für den FCS-Fan bereithält.

Als Ferner ging, haben viele Kommentatoren seine Leistungen als Sportdirektor zunächst in einem eher realistischeren Licht betrachten wollen. Es seien ja nicht alle Entscheidungen gut gewesen, nicht alles war prima, im Wollscheid-Abgang habe auch Ferner das Talent falsch eingeschätzt. Und so weiter. Die Analyse ist keine große Schwierigkeit, denn sie ist ja auch richtig: Nicht alle Neuzugänge waren Treffer, sowohl in Ferners Zeit als Trainer, als auch später im Triumvirat mit Luginger und Ebertz.

Allerdings stimmte eben Jahr für Jahr die gesamte Zusammenstellung des Kaders im Groben, schwierige Abgänge wie Marcus Mann oder Nico Zimmermann wurden kompensiert. Oftmals mit überraschenden Transfers, von denen in Ausnahmefällen die Zeitung schon vor dem Verein Vollzug vermeldete. Ferners Kenntnis des regionalen Fußballs war ein fast unbezahlbares Gut, das maßgeblich für den sportlichen Erfolg der Mannschaft verantwortlich war. Der Anspruch ist gewachsen, der FCS will irgendwann wieder raus aus der Region, rauf auf die Bühne der Bundesliga. Wann, wie und wo, das kann auch keiner der sportlichen Entscheidungsträger beantworten zu können. Und doch werden die Antworten einfallsloser.

Seit Ferners Abgang ist zu wenig Zeit vergangen, als dass große Schlüsse daraus in Sachen Scouting zu ziehen sind. Und dennoch: Kiyan Soltanpour mag noch die Prüfung in der Liga bevorstehen – die Verpflichtung war kein Kunststück. Luginger wollte den Spieler schon 2011 verpflichten und eine glückliche Fügung wollte es, dass er nun vertragsfrei gewesen ist.

Und der Abgang von Felix Dausend, der nun im Sommer stattfindet, wäre schwer unter Ferner vorstellbar gewesen. Man stelle sich vor: Ein Spieler geht zur Konkurrenz zum Medizincheck, der Trainer weiß erst von nix, dementiert dann einen Wechsel und knapp eine Woche später vermeldet die Konkurrenz Vollzug für die kommende Saison. Und der Trainer? Gibt zu, dass er von nix weiß und dass es nicht möglich gewesen sei, Dausend schon jetzt abzugeben.

Die These „Sowas hätte es unter Ferner nicht gegeben!“ entzieht sich einer Widerlegung und ist deswegen auch eigentlich unbrauchbar. Was bleibt, ist die Frage: Warum schafft die sportliche Leitung es nicht, in solch einer simplen Angelegenheit professioneller aufzutreten? Und da fehlt meiner Meinung nach ein Dieter Ferner.

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